Verkauf der Lutherbibel 2017 gestartet Gottes Wort in Luthers Worten

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Der Verkauf der Lutherbibel 2017 ist mit der symbolischen Enthüllung der Jubiläumsausgabe auf der Frankfurter Buchmesse offiziell gestartet. Die bisherige Ausgabe wurde anlässlich des 500. Reformationsjubiläums im nächsten Jahr überarbeitet. Dabei wurden fast 12 000 der knapp 36 000 Verse geändert. Die Erstauflage liegt bei rund 250 000 Exemplaren.

„Biblia Deudsch“: Ein Teil des Denkmals für Martin Luther auf dem Marktplatz in Wittenberg (Sachsen-Anhalt). Foto: dpa
„Biblia Deudsch“: Ein Teil des Denkmals für Martin Luther auf dem Marktplatz in Wittenberg (Sachsen-Anhalt). Foto: dpa

Frankfurt am Main - Pünktlich zum Start der diesjährigen Frankfurter Buchmesse kommt die neue Übersetzung der Lutherbibel auf den Markt. Gut ein Jahr vor dem Höhepunkt der Feierlichkeiten – der 500. Wiederkehr des (historisch umstrittenen) berühmten Thesenanschlags des Reformators Martin Luther am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg.

„Der erste Bestseller und der wichtigste Longseller“

Luthers Bibelübersetzung in die deutsche Sprache sei „der erste Bestseller und der wichtigste Longseller“ der Literaturgeschichte, sagt der Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft, Christoph Rösel. Ziel der Neuübersetzung sei es, die Bibel und ihre Inhalte für die nächste Generation zugänglich zu machen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erklärt, die Neuausgabe der Lutherbibel sei ein Höhepunkt des Reformationsgedenkens. Er wünsche sich, dass viele Menschen durch sie neugierig auf Religion würden und Lebenshilfe erhielten.

„Biblia Deudsch“

Seit der Reformator 1534 seine „Biblia Deudsch“ erstmals komplett veröffentlichte (das Neue Testament erschien bereits 1522 in deutscher Sprache), wurde die Heilige Schrift aus der Übersetzerfeder des ehemaligen Mönches und Professors der Theologie an der Universität zu Wittenberg bisher nur drei Mal (1892, 1912, 1964-1984) grundlegend überarbeitet. Zuletzt galt in der EKD 32 Jahre lang die revidierte Fassung der Lutherbibel von 1984 mit den beim Kirchenvolk äußerst unbeliebten sprachlichen Glättungen und zeitgemäßen Neuformulierungen.

Zurück zum unvergleichlichen Original

Was wäre eine 500-Jahr-Feier ohne eine Rückbesinnung auf des großen Doctor Martinus Luther unvergleichliches Original? Denn nichts anderes wollten die 70 Theologen, die mehr als fünf Jahre über dem „Opus magnum“, dem Großwerk des Vaters der Reformation in Deutschland brüteten und den Text modernisierten.

Modernität bedeutet in diesem Fall: zurück zu den Wurzeln. Änderungen früherer Revisionen wurden wieder verworfen, die Übersetzer kehrten zu Luthers genialischer Verdeutschung zurück. Von den 35 598 Versen des Alten und Neuen Testamentes wurden laut Herausgebern knapp 12 000 (etwa 44 Prozent) geändert.

Auf dem neuesten Forschungsstand

Zudem wurde der allerneueste Stand der exegetischen Forschung eingebracht. „Ziel war es, eine größere sprachliche Genauigkeit herzustellen und gleichzeitig der Sprachkraft Martin Luthers gerecht werden“, heißt es bei Deutschen Bibelgesellschaft in Stuttgart. Luthers Sprachgewalt, theologische Genialität und geistige Impulsivität feiern in dieser vierten Revision fröhliche Urständ.

Schon bevor Luther das hebräische und griechische Original in die Sprache des Volkes übersetzte, gab es 18 verschiedene deutsche Ausgaben. Die Mentelin-Bibel von 1466 war die erste. Der Reformator war indes der Erste, der als Vorlage neben der „Vulgata“ (die lateinische Bibelübersetzung des Hieronymus vom Ende des vierten Jahrhunderts) die hebräischen und griechischen Urtexte verwendete, die erst wenige Jahre zuvor herausgegeben worden waren.

Gott selbst offenbart sich in der Bibel

Der ungeheure Erfolg der „Biblia Deudsch“ war nicht nur dem Massenbuchdruck und ihrer allgemein verständlichen Sprache zu verdanken. Luther selbst war es, der der Bibel wieder ihren herausragenden Stellenwert verschaffte. Seine zentrale theologische Erkenntnis wurde zum Programm der gesamten Reformation: Gott selbst offenbart sich in der Bibel. Der Gläubige braucht nicht Kirche, Bischöfe und Priester, um zu ihm wie ein mittelloser Bittsteller vorgelassen zu werden. Jeder Christ hat durch die Heilige Schrift direkten Zugang zum „Vater im Himmel“ und zu Jesus Christus dem „fleischgewordenen Wort Gottes“.

14 gedruckte Startausgaben

Die revidierte Lutherbibel ist ab sofort die „kirchenamtliche“ Fassung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und ihren 20 lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen. Die neue Bibelausgabe liegt in 14 gedruckten Startausgaben und einer Auflage von 250 000 vor. Zusätzlich erscheint sie als E-Book, App und Computersoftware. Die komplette Bibel als Hörbuch, gelesen von Rufus Beck (der auch die Hörbuch Edition von Harry Potter liest), erscheint im Frühjahr.




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