Luxuskaufhaus in Stuttgart Möglicher Breuninger-Verkauf – was bisher bekannt ist

Kundinnen flanieren nach dem Einkauf bei Breuninger durch die Stuttgarter Innenstadt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der mögliche Verkauf des Stuttgarter Traditionshauses Breuninger beunruhigt nicht nur die Beschäftigten. Für Handel und Tourismus ist Breuninger ein Leuchtturm. Aber auch die Immobilien spielen eine bedeutende Rolle.

An diesem Donnerstag ist bei Breuninger nur auf dem ersten Blick ein Tag wie jeder andere. Zwar wird man von den Beschäftigten im Luxuskaufhaus am Stuttgarter Marktplatz mit einem freundlichen Lächeln begrüßt und zuvorkommend beraten – doch gleichzeitig ist zu spüren, dass etwas anders ist.

 

Ein junger Mitarbeiter muss sich erst einmal sammeln, ehe er sagt: „Es ist einfach ein Schock – Breuninger war für mich immer unantastbar. Jetzt bin ich wohl leider in der Realität angekommen. Vielleicht ändern sich ja nur die Eigentumsverhältnisse und jeder kann seinen Job behalten?“

Die Nachricht vom Verkauf macht in Stuttgart die Runde

Die Nachricht vom möglichen Verkauf, die am Mittwoch die „Wirtschaftswoche“ zuerst verbreitete, hat die Runde gemacht. Demnach will die hinter der Breuninger-Gruppe stehende Eigentümerfamilie sowohl das Handelsgeschäft als auch die Immobilien verkaufen. 31 Unternehmen hätten Interesse angemeldet, wie aus einer Aufstellung der Investmentbank Macquarie hervorgehe. Der Verkaufsprozess sei bereits im Juni gestartet, erste Angebote sollen bis Oktober vorliegen.

Breuninger äußerte sich am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung nicht zu möglichen Verkaufsplänen. Auch die Geschäftsführung stand bei einer weiteren Anfrage am Donnerstag für kein Gespräch bereit. Aus Breuninger-Kreisen ist jedoch zu erfahren, dass es in der Tat Interessenten gibt, die das Unternehmen übernehmen wollen.

Die Nachricht kommt für die Händler und die Stadt völlig unerwartet und hallt am Donnerstagmorgen auch bei einer Pressekonferenz des Handelsverbands Baden-Württemberg nach. „Jeder Verkauf kommt überraschend, gerade bei einem so florierenden Unternehmen wie Breuninger. Dass der Verkauf wohl schon im Juni angestoßen wurde, zeigt, wie diskret er behandelt wurde“, sagt Handelsverbands-Präsident Hermann Hutter.

Das Interesse der Gesellschafter von Breuninger könne er nicht bewerten, so Hutter. „Wir hoffen, dass im Falle eines Verkaufs sich ein attraktiver Investor findet, der die Filialen von Breuninger erhält. Von Breuninger profitieren auch die kleineren und mittleren Händler in Stuttgart.“ Überhaupt sei Breuninger „für Stuttgart ein Leuchtturm“. „Breuninger hat in der Stuttgarter Innenstadt viel bewegt – hier ist es für uns wichtig, dass sich hier nicht viel ändert. Natürlich wünschen wir auch den Beschäftigten, dass es für sie so gut weitergeht wie in den vergangenen Jahren.“

6500 Beschäftigte sind potenziell betroffen

6500 Beschäftigte zählt Breuninger in seinen derzeit 13 Standorten – darunter Ludwigsburg, Sindelfingen, Karlsruhe und Freiburg. Jener in Reutlingen wird der schlechten Geschäfte wegen zu Jahresende geschlossen. Dafür macht im Oktober in Hamburg ein neuer Flagship-Store auf.

Eine Gefahr für die Arbeitsplätze sieht man bei der Gewerkschaft Verdi vorerst nicht. „Breuninger ist gut aufgestellt und steht wesentlich besser da als andere Modehändler“, sagt Wolfgang Krüger, Verdi-Fachbereichsleiter Handel in Baden-Württemberg, unserer Zeitung. „Natürlich verunsichert die Verkaufsnachricht die Belegschaft, da kommen Befürchtungen auf, wie es mit dem eigenen Job weitergeht“, so Krüger weiter. Psychologisch spiele sicherlich auch die schwierige Gesamtlage im Modehandel eine Rolle. „Jeder geht damit anders um.“

Tatsächlich ächzt die Modebranche derzeit unter den Folgen der Pandemie, der Kaufzurückhaltung, dem boomenden Online-Handel, dem selbst verschuldeten Überangebot sowie hausgemachten Problemen. Zuletzt meldeten unter anderem der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof, Peek & Cloppenburg, Sport Scheck und der deutsche Ableger der Modemarke Scotch & Soda Insolvenz an.

Breuninger steigerte dagegen seinen Umsatz und fuhr sowohl online wie vor Ort Gewinne ein. Rund die Hälfte der Erlöse werden über das Internet erzielt – ein Spitzenwert. In Zeiten, wo gerade die mittelständischen Modeketten an Profil verlieren, ist bei Breuninger die Ausrichtung auf das Premium- bis Luxussegment glasklar, der Kundenservice gilt als vorbildhaft. Auch deshalb stehen wohl die Interessenten Schlange. Laut „Wirtschaftswoche“ zählen Kaufhausketten wie Spaniens El Corte Inglés, die thailändische Central Group, aber auch Fondsgesellschaften dazu. Selbst Amazon ist interessiert.

In Stuttgart möchte zwar niemand aus der Mitarbeiterschaft seinen Namen in der Zeitung lesen, doch „selbstverständlich macht man sich Gedanken und hat Angst, seinen Arbeitsplatz zu verlieren“, sagt eine langjährige Angestellte. Die Situation im Einzelhandel sei seit Corona ja gefühlt überall nicht prickelnd. Dass es nun aber auch Breuninger treffen könnte, damit habe sie überhaupt nicht gerechnet. „Wir wussten von nichts“, betont sie.

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