Verkaufsoffener Sonntag in Stuttgart City-Managerin Fuchs in der Kritik

Von Martin Haar 

Sollte die Stadt in den Bezirken die verkaufsoffenen Sonntage per Sofortvollzug genehmigen, will die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi still halten. Gegen die Veranstaltung in der Innenstadt will sie jedoch mit allen Mittel vorgehen.

Mit dem verkaufoffenen Sonntag wollte die City-Initiative die Menschen nach Stuttgart locken. Nun steht die Chefin Bettina Fuchs Foto: dpa
Mit dem verkaufoffenen Sonntag wollte die City-Initiative die Menschen nach Stuttgart locken. Nun steht die Chefin Bettina Fuchs Foto: dpa

Stuttgart - Der Wirbel um den verkaufsoffenen Sonntag zieht immer weitere Kreise. Nachdem die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi per Widerspruch die bereits genehmigte Veranstaltung zum Kippen brachte, gehen nun die Handels- und Gewerbevereine in den Stadtteilen auf die Barrikaden. Allerdings richtet sich der Zorn weniger gegen Verdi. Ziel ihres Ärgers ist City-Managerin Bettina Fuchs.

Anlass ist folgende Ankündigung der City-Managerin: „Sobald die Gewerkschaft den Stadtteilen die Sonntagsöffnung erlaubt, werden wir auch den verkaufsoffenen Sonntag in der Innenstadt kurzfristig wieder anberaumen.“ Nun glaubt Thomas Rudolph, Vorsitzender HGV Stuttgart-Ost, dass dies für die Stadtteile böse Folgen haben werde. Denn dort herrscht die leise Hoffnung, dass die Gewerkschaft die Sonntags-ladenöffnung doch noch zulässt. „Wir hoffen, dass Verdi noch einlenkt oder die Stadt per Sofortvollzug den offenen Sonntag genehmigt“, sagt Peter Schmaus vom Gewerbe- und Handelsverein Feuerbach. Rudolph ergänzt: „Es ärgert mich maßlos, dass Frau Fuchs ihre Sache mit unserer verknüpft. Sie macht es Verdi praktisch unmöglich, einer Öffnung in den Stadtteilen zuzustimmen.“

Kritik an der Citymanagerin wird laut

Rudolph empfindet dies fast als einen Wurf mit dem Fehdehandschuh: „Ich finde nicht, dass die City und die Stadtteile gegeneinander Krieg führen sollten. Denn unser einziger gemeinsamer Feind ist das Internet. Daher sollten wir zusammen agieren, nicht gegeneinander.“ Es ist kein Geheimnis, dass die Händler der Stadtteile unter der Sogwirkung, die die City auf ­Kunden ausübt, leiden. In vielen Stadtteilen hat dieser Down­grading-Effekt der Randbezirke tiefe Spuren hinterlassen. Oft gibt es keinen Nahversorger mehr, viele Fachgeschäfte sind entweder verschwunden oder kämpfen seit Jahren ums wirtschaftliche Überleben.

Umso mehr richtet sich die Kritik nun gegen Bettina Fuchs, die City-Initiative (CIS) und die Stadt. „Die Vereinigung von Frau Fuchs wird von der Stadt mit 100 000 Euro jährlich bezuschusst“, sagt der Feuerbacher Peter Schmaus, „und uns wirft man Knüppel zwischen die Beine, bereitet uns nur Schwierigkeiten.“ Nicht zuletzt zeigen beide Vertreter des Handels und des Gewerbes in den Stadtteilen auch ihr Unverständnis gegenüber der Gewerkschaft. Verdi schlage sprichwörtlich den Sack und treffe den Esel. Will heißen: Der Kampf gegen eine Ausweitung der Sonntagsarbeit mag für die City ehrenwert sein, aber in den Stadtteilen bestehe keine Notwendigkeit. „Bei uns stehen die Inhaber meist selbst im Geschäft“, so Rudolph, „es müssen keine Arbeitnehmer geschützt werden.“

Verdi droht damit, mit einstweiliger Verfügung gegen das Event in der City vorzugehen

Hinzu komme, dass die verkaufsoffenen Sonntage in den Stadtteilen meist eine lange Tradition haben. „Im Gegensatz zur City, wo man nach zehn Jahren etwas unter dem Namen Goldener Oktober erfunden hat“, sagt Schmaus und verweist auf den Sonntag am 11. September: „Da haben unser offener Sonntag und die traditionsreiche Kirbe in Feuerbach einen engen Zusammenhang.“ Dass dies nun nicht mehr so stattfinden soll, empfindet er als eine „unfassbare Sauerei“. Nicht weniger ungehalten ist Axel ­Ueberschär vom Handels- und Gewerbeverein Stammheim. Auch er hat den in drei ­Wochen geplanten Stammheim-Tag inzwischen abgesagt. „Nur durch einen verkaufsoffenen Sonntag und die damit verbundenen Werbeeinnahmen der Geschäftsleute trägt sich unsere Veranstaltung überhaupt.“

Alle diese Argumente treffen bei Verdi nicht auf taube ­Ohren. Die Gewerkschaftssekretärin für den Einzelhandel, Christina Frank, kann die Nöte nachvollziehen. Laut der ­Expertin sei nun folgendes Szenario denkbar: „Wenn die Stadt für die betroffenen Stadtteile Sofortvollzug anordnet, werden wir nichts ­dagegen unternehmen.“ Bedeutet: Die ­Läden könnten öffnen. Sollten allerdings Bettina Fuchs und die Händler der Innenstadt im Oktober nachziehen, wird es spannend. „Dann würden wir mittels einer einstweiligen Verfügung aktiv werden“, betont Frank und erläutert die Folgen: „Die Sonntagsöffnung wäre dann eine Ordnungswidrigkeit. Die Stadt müsste die betroffenen ­Läden schließen und den bis dahin erzielten Gewinn abschöpfen.“

Am Mittwochabend hat sich zudem der Bund der Selbstständigen (BDS) zu Wort ­gemeldet. „Wir fordern Verdi auf, den ­Widerspruch gegen die geplanten und ­bereits 2015 genehmigten verkaufsoffenen Sonntage sofort zurück zu nehmen, um den Gewerbe- und Handelsvereinen Planungssicherheit zu geben“, erklärt Reinhold Uhl, der Vorsitzender des BDS-Kreisverbands Stuttgart. Die Gewerkschaft schade mit ihrem Vorgehen den Einzelhändlern in den Stadtteilen massiv, so Uhl. Und: „Wir ­fordern auch Oberbürgermeister Fritz Kuhn auf, sich auf die Seite des Stuttgarter ­Einzelhandels und seiner Beschäftigten zu stellen.”

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