Sonderzug im schwäbischen Oberland Wie ein Biber die Bahn bremst

Ein Sonderzug im schwäbischen Oberland kapituliert vor einem Nager. Das Tier hatte sich am Bahndamm zu schaffen gemacht. Zu verjagen ist das streng geschützte Tier nicht.

Der Biber kommt nicht aus den Schlagzeilen. Foto: dpa
Der Biber kommt nicht aus den Schlagzeilen. Foto: dpa

Stuttgart - Der Biber durchlebt gerade unruhige Zeiten. Zuletzt räsonierte Landwirtschaftsminister Peter Hauk darüber, den ursprünglich vom Aussterben bedrohten, nun aber mit Macht ins Land zurückkehrenden Nager wieder bejagen zu lassen. Zuvor erfreute sich vor allem in der Netzgemeinde das Buch des Sigmaringer Landtagsabgeordneten Klaus Burger einer gewissen Beliebtheit, in dem der Christdemokrat einige Rezepte zur schmackhaften Zubereitung des possierlichen Tierleins versammelte. Hinterher wollte er dies als Beitrag zur Fasnet verstanden wissen.

Streng geschützte Art

In Sichtweite von Burgers Wahlkreis bereitet der Biber abermals Verdruss. Drei Verkehrsverbünde aus Tübingen, Ulm und Ravensburg wollten gemeinsame Sache machen und zwei Sonderzüge aufs Gleis setzen, die den Fahrgästen Land und Leute sowie den Liebreiz der drei Verbundgebiete näherbringen sollten. Als besonderes Schmankerl und um Eisenbahnenthusiasten aus der Ferne anzulocken, sollte die Fahrt über die Ablachtalbahn gehen, einen Schienenstrang im Oberland, über den schon lange kein Zug mehr rollt. Alles war vorbereitet, die Werbetrommel längst gerührt, als bei einer Begehung der Strecke der Biber gesichtet wurde. Nicht das Tier als solches, sondern die Spuren, die ein Biberdasein hinterlässt. Entlang der Strecke, die durch mooriges Gebiet führt, hatten Tiere Dämme aufgeschüttet und sich unter das Gleisbett gegraben. Und wo unten der Biber buddelt, kann oben die Bahn nicht fahren. Nach Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes ist es verboten, dem Tier nachzustellen.

Tiere und Bahn: Ein Thema mit vielen Facetten

Die Sonderzüge müssen nun einen Umweg nehmen, der über nicht ganz so spektakuläre Streckenabschnitte führt. Tatsächlich hätten deswegen Eisenbahnfans aus der Ferne, die eigens etwa aus München und Dresden anreisen wollten, ihre Tickets storniert, sagt Anne Hackert, Sprecherin eines der drei Verkehrsverbünde.

Immer wieder droht der Bahn tierisches Ungemach. Bei der Reaktivierung der Strecke zwischen Weil der Stadt und Calw scheiden sich die Geister am Umgang mit in Tunneln lebenden Fledermäusen. Und beim Umbau des Stuttgarter Bahnknotens tauchen an allen Ecken und Enden Eidechsen auf.

Unsere Empfehlung für Sie