Verkehr im Gewerbegebiet Fasanenhof Warnbaken versperren Kunden den Weg

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Vor wenigen Monaten wurde der Kreisverkehr am Schelmenwasen in Stuttgart-Fasanenhof umgebaut. Zwar fließt der Verkehr aus dem Gewerbegebiet nun besser ab. Dafür klemmt es an anderer Stelle. Händler und Gewerbetreibende sind sauer.

Die Baken verhindern, dass man von der B 27 kommend nach links auf den Parkplatz des Bäckers abbiegen kann. Foto: Sandra Hintermayr
Die Baken verhindern, dass man von der B 27 kommend nach links auf den Parkplatz des Bäckers abbiegen kann. Foto: Sandra Hintermayr

Fasanenhof - Es sei „ein Unding“, dass man den nördlichen Teil des Gewerbegebiets auf diese Weise abschneide, sagt Michael Schaal. Der Geschäftsführer der Handelsgesellschaft Schaal ist Eigentümer des Geländes, auf dem die Bäckerei Treiber ihre Filiale hat. „Die offizielle Zufahrt zur Bäckerei ist über die Heigelinstraße, doch dort ist die Einfahrt nicht mehr von allen Seiten möglich“, erklärt Schaal. Rot-weiße Baken versperren den Fahrzeugen, die von der B27 kommen, den Weg nach links auf den Parkplatz. Und sie verhindern, dass Kunden vom Parkplatz nach links Richtung Kreisverkehr und Gewerbegebiet ausfahren können.

„Geschäftsschädigend“ nennt Wolfgang Treiber die neue Verkehrsführung. „Uns fehlt es seitdem an Umsatz.“ Bis zu 100 Kunden pro Tag kämen weniger als früher. Vor allem diejenigen, die morgens auf dem Weg zur Arbeit ihre Butterbrezel beim Treiber holen wollten, suchten sich mittlerweile andere Bäckereien, weil sie nicht mehr ohne Weiteres auf das und vom Gelände kommen. „Wir kriegen laufend Beschwerden von Kunden“, sagt Treiber.

Die Baken wurden im Zuge der Änderung der Verkehrsführung angebracht. Der Kreisverkehr an der Heigelin- und Schelmenwasenstraße wurde umgebaut. Das war nötig gewesen, weil insbesondere im Feierabendverkehr die dort Beschäftigten nicht mehr aus dem Gewerbegebiet fahren konnten. Der Kreisverkehr war das Nadelöhr. Er wurde so modifiziert, dass der Verkehr eine kleine „Ehrenrunde“ durchs Gewerbegebiet drehen muss. Seither fließe der Verkehr am Nachmittag tatsächlich besser ab, sagt Alfred Kiess, Seniorchef von Kiess Innenausbau. „Die Mitarbeiter kommen jetzt schneller raus“, sagt er.

Die Warnbaken werden auch gerne umfahren

Aber auch Alfred Kiess schüttelt den Kopf über die neu aufgestellten Baken. Die Schreinerei bekommt jeden Tag Lieferungen von langen Lastwagen. Aufgrund der Poller mitten auf der Straße hätten die bei der Zufahrt allerdings Probleme zu rangieren. „Unsere Mitarbeiter müssen die Fahrer einweisen, damit sie auf das Gelände kommen“, sagt der Seniorchef. Und mehr noch: Die Baken werden gern umfahren. Autofahrer umrunden die Barriere, um dann verkehrswidrig zu wenden und in die andere Richtung zu fahren. Egal, ob vom Bäcker kommend oder aus der gegenüberliegenden Zufahrt des Lidl.

Bereits im November hatten die Gewerbetreibenden die neue Verkehrsführung angeprangert und Nachbesserungen gefordert. Bisher allerdings hat sich nichts getan. „Wir wollen, dass hier eine schnelle und vernünftige Lösung kommt und dieser Teil des Gewerbegebiets wieder angebunden wird“, sagt Kiess. Das Thema treibt auch die Politik um. Fred Wagner, der für die CDU im Möhringer Bezirksbeirat sitzt, sichert den Unternehmern seine Unterstützung und „politischen Druck“ zu. Von den Pollern sei bei der Vorstellung der Pläne für den Kreisverkehr nie die Rede gewesen, sagt Wagner.

Einige Verkehrsregeln galten schon vorher, sagt die Stadt

Das Amt für öffentliche Ordnung und das Amt für Stadtplanung und Wohnen lassen über die Pressestelle erklären, dass das Ziel der geänderten Verkehrsführung ein besserer Verkehrsfluss sei. Dabei gelte es, „gefährliche Rückstaus auf die B 27 zu verhindern“, teilt die Sprecherin Anna Sendler mit. „Ein direktes Abbiegen nach links von der Heigelinstraße aus Richtung B 27 kommend auf das Gelände der Firma Kiess und der Bäckerei kann nicht zugelassen werden, da es durch wartende Linksabbieger zum Rückstau auf der Bundesstraße kommen kann.“ Im Bereich der Lkw-Zufahrt zur Firma Kiess sei diese Regelung durch eine durchgezogene Linie bereits vor dem Verkehrsversuch so vorgegeben gewesen. „Hier haben wir keine bauliche Änderung vorgenommen“, sagt Sendler. Gleiches gelte für die Zufahrt zur Bäckerei Treiber und zur Zentralgarage. Auch dort habe eine durchgezogene Linie die Zufahrt untersagt. „Somit hat sich rein rechtlich nichts an der bestehenden Situation geändert. Um rechtswidrige Fahrten zu verhindern, wurden die bereits geltenden Verkehrsregeln baulich unterstützt“, teilt die Stadt mit.

In die Gegenrichtung, also auf der Heigelinstraße vom Kreisverkehr kommend, sei das Linksabbiegen zum Lidl-Parkplatz untersagt, weil es durch wartende Abbieger regelmäßig zu einem Rückstau bis in den Kreisel gekommen sei. Man habe die Baken montiert, „da die dortigen Markierungen als Verkehrsregeln leider oft missachtet werden“.

Die Stadt bestätigt, dass die Ausfahrt vom Treiber-Parkplatz über die Heigelinstraße nach links Richtung Gewerbegebiet aufgrund der Baken nicht möglich ist. „Allerdings gibt es auf dem Grundstück eine zweite Ausfahrt zur Schelmenwasenstraße. Über diese kann der Verkehrsteilnehmer nach rechts in das Gewerbegebiet gelangen“, teilt Sendler mit. „Die Ausfahrt kann dauerhaft ermöglicht werden, indem zwei Stellplätze entfernt werden.“ Das von Alfred Kiess als schwierig angegebene Abbiegen der Lkw vom Kreisverkehr kommend sei weiterhin möglich, trotz der Baken. Das Tiefbauamt habe dies kürzlich erst geprüft.

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