Die Älteren werden sich womöglich noch erinnern: „Auf dem Highway ist die Hölle los“ hieß eine US-amerikanische Actionkomödie aus dem Jahr 1981. Doch in Zeiten des Klimaschutzes sind nachhaltige Fortbewegungsmittel eher en vogue: Deshalb könnte in einer für die kommenden fünf Jahre zu vermutenden Fortsetzung mit hiesigem Schauplatz könnte der Titel modifiziert werden: „Auf dem Remstal-Fahrradhighway geht’s drunter und drüber!“
Derartige Visionen kommen einem in den Sinn, wenn man an die seit Jahren eher zaghaft als intensiv forcierten Bemühungen sieht, diverse Radschnellwege in der Region Stuttgart auf den Weg zu bringen. Speziell gilt dies für den RS5, hinter dem sich der Radschnellweg Nummer 5 verbirgt. Er soll eines Tages die Pendlerinnen und Pendler oder sonstigen Pedaleure in flottem Tempo zwischen Schorndorf im Osten und Stuttgart im Westen der Strecke befördern.
Das könnten durchaus imposante Geschwindigkeiten sein: Da bis dahin die herkömmliche Drahtesel erst recht zum Auslaufmodell geworden sind, hat man bei den Treteinheiten auf dem Pedelecs oder E-Bikes, mit denen man auf gerader Strecke locker auf 25 oder 30 km/h kommt, je nach Leistungsvermögen in einer guten Stunde die Distanz von der Daimler- in die Landeshauptstadt zurückgelegt.
Bisher 300 Einwendungen gegen den Trassenverlauf
Ein derart imposantes Tempo lässt sich allerdings bei den Ambitionen in Sachen Planung – geschweige denn mit Blick auf die Umsetzung – im Remstal nicht bescheinigen. Immerhin, in den meisten der beteiligten Kommunen konnten die Bürger sich mittlerweile zum Projekt äußern, sodass bisher rund 300 Einwendungen gegen den vorgeschlagenen Trassenverlauf eingingen. In den meisten Remstalkommunen haben die Gremien die Beschlüsse zu ihrer jeweiligen Vorzugstrasse getroffen, dies gilt auch für die Stadt Stuttgart.
In Fellbach allerdings wird noch diskutiert. Das liegt vor allem daran, dass die Große Kreisstadt neben Stuttgart die einzige Kommune ist, bei der die Trasse für den RS5 durch den Ort führt – nämlich auf drei Kilometern zwischen dem östlichen Übergabepunkt von Rommelshausen her und dem westlichen Übergabepunkt beim Stadtteil Lindle an der oberen Nürnberger Straße.
„Zur Festlegung eines geeigneten Trassenverlaufs hat man es sich in Fellbach nicht leicht gemacht“, heißt es in der Expertise der Radbeauftragten Birgit Orner. „Große Anstrengungen wurden unternommen, um eine geeignete und konfliktfreie Trasse zu schaffen.“ Zehn Varianten wurden untersucht. Am Ende blieb jene entlang der Ost-West-Hauptachse übrig. „Schon heute ist dies die Achse mit den meisten Radfahrenden in Fellbach; es handelt sich um die kürzeste Verbindung zwischen Waiblingen und Stuttgart.“ Und: Die aktuellen Gefahrenstellen entlang der Fellbacher Trasse müssten ohnehin beseitigt werden, sodass hier kein zusätzlicher Aufwand entstehe.
Befürchtet wird ein Verlust an Parkplätzen – und Bäumen
Allerdings gibt es in den Fraktionen wie in der Nachbarschaft etliche Bedenken. Naturschützer warnen davor, dass zu viele Bäume dem Radschnellweg geopfert werden könnten. Andere wiederum befürchten einen zu hohen Aderlass an Parkplätzen. Geschäftsleute haben Sorge, wenn die schnellen E-Bike-Radler an den Ausfahrten der Parkplätze vorbeirauschen. Bezüglich eines neuralgischen Punkts, nämlich beim Rewe im Centrum 30 an der Stuttgarter Straße, hat die Stadt bereits einen Vorschlag parat: Dort soll nur es nur noch eine Einfahrt geben, die Ausfahrt erfolgt hinten hinaus in Richtung Esslinger Straße.
Die nun gefundene Lösung entlang der alten Bundesstraße kommt jedenfalls in einer abgespeckten Variante daher – die Stadtverwaltung nennt dies „eine stadtverträgliche Radwegeführung“. Das Ziel für Fellbach sei „keine drei oder vier Meter breite Trasse, die zerschneidet, sondern eine ,maßgeschneiderte’ Lösung, welche sicher für die Radfahrenden ist und gleichzeitig den Stadtraum für alle aufwertet“.
Autoverkehr noch stärker in den Stadttunnel verlagern
Konkret wird der Radschnellweg durch Fellbach mit einer Breite von 2,50 Metern – abschnittsweise auch nur zwei Metern – je Richtung geplant. Teilweise soll der Radschnellweg auch auf die Fahrbahn verlagert werden, speziell im Kernbereich der Stuttgarter Straße, um dort die Wartezeiten an den Knotenpunkten für alle Verkehrsteilnehmer zu verringern und Zufahrten besser abzusichern. Der Autoverkehr soll, so das Ziel, noch stärker als bisher in den Fellbacher Stadttunnel verlagert werden. Angedacht war auch mal ein Ingenieurbauwerk an der Höhenstraße – also Untertunnelung oder Brücke; darauf wird jedoch verzichtet.
Gemeinderat An diesem Dienstag, 22. Oktober, will die Verwaltung die Planungen für den Radschnellweg im Lokalparlament detaillierter vorstellen. Beginn der öffentlichen Sitzung ist um 17 Uhr im großen Saal des Rathauses.
Schnellpiste von Schorndorf nach Stuttgart
Radschnellweg
Unter einem solchem Begriff versteht das Land einen Radweg mit einer Breite von mindestens drei Metern (Einrichtungsradweg) beziehungsweise vier Metern (Zweirichtungsradweg). Weitere Kriterien sind eine möglichst geringe Wartezeit an Knotenpunkten und Querungen – innerorts maximal 30 Sekunden pro Kilometer –, außerdem geringes Gefälle, ein sehr guter Fahrbahnbelag sowie eine möglichst direkte, umwegfreie und sichere Verkehrsführung.
Remstal
Der künftige Radschnellweg durch das Remstal (RS5) bindet auf 22 Kilometern sieben Städte und Gemeinden an – dies sind Schorndorf, Winterbach, Remshalden, Weinstadt, Kernen, Waiblingen (auf einer Strecke am Stadtrand) und Fellbach. Die geschätzten Gesamtkosten liegen nach einer Übersicht des federführenden Rems-Murr-Landratsamts bei 32 Millionen Euro. Das Potenzial wird mit 2800 Radfahrenden pro Tag angegeben.