Verkehr in Filderstadt Sorgt Tempo 30 für klingelnde Stadtkassen?
In Filderstadt gilt seit 30. März nahezu überall außerhalb der Gewerbegebiete Tempo 30. Welche Bilanz zieht die Stadt nach einem Monat Blitzer-Marathon?
In Filderstadt gilt seit 30. März nahezu überall außerhalb der Gewerbegebiete Tempo 30. Welche Bilanz zieht die Stadt nach einem Monat Blitzer-Marathon?
Im Rahmen der vierten Stufe des kommunalen Lärmaktionsplans hat Filderstadt Ende März in allen Stadtteilen auf insgesamt 20 Straßen Tempo 30 eingeführt oder bereits vorhandene Tempo-30-Abschnitte erweitert. Betroffen von der Maßnahme sind vor allem verkehrsreiche Hauptstraßen, auf denen bisher trotz Wohnbebauung zumindest teilweise noch 50 Stundenkilometer schnell gefahren werden durfte.
Flankiert war die Erweiterung durch „flächenhafte“ Geschwindigkeitskontrollen mit stationären, semistationären und mobilen Überwachungssystemen durch die Stadt Filderstadt. Zwar liege, so das Ordnungsamt, „eine abschließende Auswertung“ der Kontrollen aktuell noch nicht vor. Doch für die erste Aprilwoche kann die Stadt bereits einige eindrucksvolle Zahlen nennen: So wurden durch die stationäre Anlage an der Degerlocher Straße in Harthausen ganze 488 Verstöße registriert. In der Neuhäuser Straße in Bernhausen waren es 1130 Fahrzeuge, die von einer semistationären Anlage geblitzt wurden, wobei im Nachgang neun Fahrverbote ausgesprochen werden mussten. Bei rund 31 000 Fahrzeugen lag hier die Verstoßquote somit bei vier Prozent.
In der Stuttgarter Straße blitzte es in der ersten Woche bei 37 900 Fahrzeugen 1108 Mal. Die etwas niedrigere Quote von drei Prozent erklärt sich durch einen Gewöhnungseffekt: Hier kannten die Autofahrer die Temporeduzierung bereits seit 2020. Wie der Leiter des Ordnungsamts, Jan-Stefan Blessing, betont, halten sich insgesamt „weit über 90 Prozent der Autofahrer an die Geschwindigkeitsbegrenzung“.
Klar ist: Gas geben und wieder bremsen, nur weil sich die Tempovorgaben entlang der Straßen abschnittsweise ändern, muss in Filderstadt nun niemand mehr: „Jetzt gilt fast überall außerhalb der Gewerbegebiete Tempo 30“, so Blessing. Die intensiven Kontrollen, die weiter fortgeführt werden sollen, seien nötig, um das Geschwindigkeitsniveau nach und nach zu senken. Blessing zeigt sich überzeugt, dass dies gelingt. Die höchste Geschwindigkeit wurde im April in der Neuhäuser Straße gemessen. Dort fuhr ein Verkehrsteilnehmer trotz Tempo-30-Begrenzung 73 Stundenkilometer schnell.
Neben der Lärmminderung soll die Maßnahme die Verkehrssicherheit in Filderstadt erhöhen sowie den Verkehrsfluss verbessern. Um den Verkehrsfluss zu erhalten und nicht abzubremsen, wurden an insgesamt elf Straßenabschnitten neue Halte- und Parkverbotsbereiche ausgewiesen. Die Gesamtzahl der weggefallenen Stellplätze könne die Stadt nicht beziffern, heißt es. Der Grund: Die neuen Parkverbotsbereiche betreffen auch Hauptstraßen, die bisher nicht beparkt wurden, obwohl es eigentlich zulässig gewesen wäre.
Wie Blessing weiter erklärt, rechne die Stadt durch die zusätzlichen Bußgelder im Jahr 2026 mit Mehreinnahmen in „sechsstelliger“ Höhe. Im vergangenen Jahr lagen die Bußgeldeinnahmen Filderstadts bei rund 900.000 Euro. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung nur auf Verkehrsarten wie Lkw oder auf Tempo 40 anstatt 30 „würde den Schutzzweck nicht erfüllen“, begründet der Chef des Ordnungsamts die Maßnahme. Umgekehrt sei aber auch eine Erhöhung der Schadstoffbelastung bei Tempo 30 und flüssigem Verkehr „nicht zu erwarten“.
Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg hatte in Studien bereits 2012 nachgewiesen, dass motorbedingte Schadstoffemissionen durch die Geschwindigkeitsreduzierung von 50 auf 30 Stundenkilometer nicht zwangsläufig gesenkt werden. Entscheidend sei demnach die Verstetigung des Verkehrsflusses. Relevant für die Feinstaubbelastung sei neben den Motoremissionen, die bei Tempo 30 auch höher ausfallen können, das Aufwirbeln von Staub sowie Reifen-, Brems- und Straßenabrieb. Letzteres verringert sich bei langsamerer Fahrt. Die Faktoren Lärm und Sicherheit werden laut Studien eindeutig positiv von einer Reduzierung auf 30 Stundenkilometer beeinflusst.
Damit es auf den Tempo-30-Abschnitten, auf denen in Filderstadt auch Busse des ÖPNV verkehren, nicht durch Rechts-vor-links-Regelungen zu ungewollten Verkehrsstockungen kommt, wurden bereits in der Vergangenheit fast alle der betreffenden Straßen bezüglich der Vorfahrtsregelung bevorrechtigt. Zuletzt, so das Ordnungsamt, sei dies auch in der Mühlenstraße in Bernhausen zwischen der Felsenstraße und der Karlstraße erfolgt.