Verkehr in Leinfelden-Echterdingen Beim Bürgergespräch kippt die Stimmung

Von Thomas Krämer 

Eigentlich sollte es um eine Ampel in Unteraichen gehen. Doch die Anwesenden nutzten die Gelegenheit für eine Abrechnung mit der Verkehrspolitik in Leinfelden-Echterdingen. Und die Stadt konnte sich gar nicht wehren...

An dieser Stelle ist  es derzeit nur erlaubt, rechts in die Max-Lang-Straße abzubiegen. Bei dem Bürgergespräch sollte es darum gehen, ob eine Ampel sinnvoll wäre, die es erlauben würde, geradeaus oder gar links zu fahren. Foto: Thomas Krämer
An dieser Stelle ist es derzeit nur erlaubt, rechts in die Max-Lang-Straße abzubiegen. Bei dem Bürgergespräch sollte es darum gehen, ob eine Ampel sinnvoll wäre, die es erlauben würde, geradeaus oder gar links zu fahren. Foto: Thomas Krämer

Leinfelden - Seit rund eineinhalb Jahren dürfen Autofahrer, die auf der Hohenheimer Straße in Unteraichen stadtauswärts unterwegs sind, nur nach rechts in die Max-Lang-Straße abbiegen. Die Stadtverwaltung hatte eine entsprechende Verkehrsführung auf Drängen des Regierungspräsidiums eingeführt. „Die Unfallhäufigkeit war nicht mehr hinnehmbar“, sagte Jutta Rößler bei einem gut besuchten Bürgergespräch am Mittwochabend im Feuerwehrhaus in Leinfelden. „Seitdem sind die Unfallzahlen deutlich zurückgegangen“, sagte die stellvertretende Leiterin des Ordnungsamtes und sprach von drei Vorkommnissen 2016. „Aus Sicht der Straßenverkehrsbehörde ist das Ziel damit erreicht.“ Aber natürlich gebe es auch andere Belange und Interessen, ergänzte sie. Denn da man an dieser Stelle weder geradeaus noch links abbiegen dürfe, müssten Autofahrer in Richtung Wohngebiet oder Einkaufszentrum Umwege in Kauf nehmen – oder würden trotz Verbots abbiegen. Abhilfe könnte eine Ampelanlage bringen.

Kritik an der Simulation eines Ingenieurbüros

Andreas Waibel, Abteilungsleiter des Tiefbauamtes, ließ eine von einem Ingenieurbüro erstellte Simulation laufen, bei der die Situation nach dem Bau einer Signalanlage gezeigt wurde. Und genau das war der Moment, ab dem es nur noch am Rande darum ging, ob es gut wäre, wenn man an dieser Stelle geradeaus fahren oder gar links abbiegen darf. „Das hat nichts mit der Realität zu tun“, kritisierte ein Bürger die Simulation, bei der Autos eher zügig, weil virtuell Stoßstange an Stoßstange, den Bereich passierten. Im Berufsverkehr gebe es lange Staus, als Anwohner komme man kaum mehr aus seinem Grundstück heraus, lauteten Einwürfe aus dem Publikum, die um weitere Fragen und Anregungen ergänzt wurden: Wie wäre es mit einem Zebrastreifen anstelle der Fußgängerampel? Wieso gibt es in dem Bereich kein Tempo 30 (das bestehende Tempolimit ist an die Bauarbeiten an der Filderhalle geknüpft)? Die Anliegerregelung im Wohngebiet wird nicht beachtet! Warum wird das nicht kontrolliert? Ohnehin werde viel zu schnell gefahren!

Die Verwaltungsspitze war nicht da

Und so ging es an diesem turbulenten Abend nur noch am Rande um das eigentliche Thema: Ampel ja oder nein. Denn genutzt wurde das Bürgergespräch vor allem für eine Abrechnung mit der Verkehrspolitik der Stadt in Unteraichen. Vom Publikum – und vielleicht auch von den beiden städtischen Mitarbeitern auf dem Podium – wurde ein Mitglied der Verwaltungsspitze vermisst. Denn nur der Oberbürgermeister oder einer der beiden Bürgermeister hätten auf die Fragen und die heftige Kritik der Bürger reagieren können. So blieb es an den Stadträten Katja Fellmeth (CDU), Claudia Moosmann (Filderpiratin) und Sabine Onayli (L.E. Bürger), die – oder besser: ihre eigenen – politischen Vorstellungen zu vertreten.

Knackpunkt für das Publikum war die hohe Verkehrsbelastung in dem Stadtteil – und das nicht nur auf den Durchgangsstraßen, sondern auch auf den Routen durch die Wohngebiete, die Schleichwegfahrer im täglichen Stau nutzen würden. „Wir brauchen die Nordspange“, so die Forderung vieler Bürger, schließlich sei diese schon vor 20 Jahren versprochen worden. Alles andere sei Flickschusterei. Diese Umgehungsvariante war nach Worten Onaylis vor einigen Jahren vom Gemeinderat wegen hoher Kosten gestrichen worden. Und nun werde es noch schwerer, diese zu bauen, hieß es aus dem Publikum. Denn der Mietvertrag für den Schwabengarten – durch den diese Verbindung hätte laufen sollen – war kürzlich um zehn Jahre verlängert worden („Wieso hat der eine solche Macht?“).

Für Leinfelden und Unteraichen fehle Geld

Auch die S-Bahn-Trasse sei bei einer Umfahrung störend und würde die Kosten erhöhen, da diese nicht in der Tiefe verlaufe. „Für Leinfelden und Unteraichen ist einfach kein Geld da“, beklagte ein Besucher und erntete dafür viel Applaus. Dass am Ende noch über den elterlichen Kinderbring- und Abholdienst vor Schulen und Kindergärten („Laufen ist gesund“) und die Folgen von Hartz IV debattiert wurde, zeigt, wie sehr dieser Abend letztlich am eigentlichen Thema vorbeiging.

Ob die Ampel kommt oder nicht liegt nun an den Gemeinderäten und der Stadtverwaltung. Eine Verkehrsentlastung werde die Signalanlage nach Worten Waibels nicht bringen, allerdings mehr Sicherheit. Beim von Rößler veranlassten Stimmungsbild votierten am Ende 14 Bürger für eine solche Regelung, 20 würden es lieber beim Ist-Zustand belassen. „Ich nehme außerdem mit, dass Sie eine Lösung fordern, Unteraichen vom Verkehr zu entlasten“, sagte die stellvertretende Amtsleiterin. Ähnlich äußerten sich die anwesenden Stadträte, bei denen dieser Abend sicherlich Spuren hinterlassen hat.