Eine neue Trasse ins Gewerbegebiet in der Ludwigsburger Weststadt findet niemand richtig prickelnd – gebaut wird sie trotzdem.

In der Regel sind die Grünen Feuer und Flamme, wenn es darum geht, neue Radwege anzulegen. Das ist in Ludwigsburg so – und anderswo auch. Deshalb ist es durchaus beachtlich, wenn sich ausgerechnet Mitglieder der Ökopartei gegen den Ausbau der Infrastruktur für Zweiradfahrer aussprechen. So geschehen in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Konkret ging es um eine neue Trasse in der Grönerstraße, die das Gewerbegebiet im Westen der Stadt besser mit dem Rad erreichbar machen und Radfahrern, die aus Richtung Asperg und Möglingen kommen, den Weg in Richtung Innenstadt erleichtern soll.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Fahrradfahren in Ludwigsburg: Tausende Radler und ihre Wege

Da für „Schutzstreifen“ auf der Fahrbahn etliche Bäume hätten gefällt werden und die Straße hätte verbreitert werden müssen, verwarfen die Planer diese Variante schnell. Gebaut wird nun ein sogenannter Zweirichtungsradweg, der neben der Straße parallel zum dort liegenden Bahngleis verläuft. So fallen auch kaum Parkplätze weg.

Hat der Radweg gar keinen Nutzen?

Aus Sicht der stellvertretenden Grünen-Fraktionsvorsitzenden Christine Knoß bringt der neue Radweg aber keinerlei Verbesserungen. Deshalb stimmte ein Teil der Fraktion auch gegen das Vorhaben. Der Grund dafür, dass die Grünen den Plan ablehnen: die Radler kommen sich auf der Strecke nun nicht nur entgegen, was Unfallpotenziale birgt, sie könnten auch leicht von abbiegenden Autofahrern übersehen werden. Knoß verwies darauf, dass man anderswo in der Stadt Zweirichtungsradwege auflöse, um Radler zu schützen. „In der Grönerstraße wäre es besser, vorerst nichts zu machen als das, was jetzt geplant ist.“

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Ludwigsburg plant Lastenrad-Verleih

Ähnliche Kritik äußerte auch Daniel O’Sullivan (SPD), dessen Fraktion zu Teilen ebenfalls gegen den Radweg votierte. Der Jurist sprach von „zu wenig Gewinn an Sicherheit“ und stellte sogar die Rechtmäßigkeit der Planung in Frage. Wenn das Projekt, für das 1,1 Millionen Euro veranschlagt sind, nicht so stark bezuschusst würde, hätte man vielleicht Abstand genommen, mutmaßte O’Sullivan.

Mehr Aufmerksamkeit von allen ist gefragt

Auch die restlichen Gemeinderäte halten den neuen Radweg nicht für optimal, stimmten ihm am Ende aber zu. Jochen Zeltwanger (Freie Wähler) sprach von einer „pragmatischen Lösung“, schließlich handle es sich nicht um eine Innenstadtstrecke und es sei dementsprechend mit weniger Verkehr zu rechnen. Armin Klotz (CDU) verwies auf die hohe Förderung und das eingesparte Geld, das man für andere Radwege einsetzen könne. Es sei nun eben mehr Aufmerksamkeit von allen Verkehrsteilnehmer gefordert.