Auf dem Gehweg vor der Kletterhalle dürfen auch Radler fahren. Das hat mitunter seine Tücken. Foto: Christian Kempf
Vor der Kletterhalle in Ludwigsburg entstehen mitunter brenzlige Situationen. Eine Neugestaltung der Fuchshofstraße könnte die Lage entschärfen – und Platz für die Stadtbahn machen.
Christian Kempf
09.07.2025 - 09:00 Uhr
Es ist nicht so, dass man als Fußgänger oder Radler in der Ludwigsburger Fuchshofstraße permanent um sein Leben fürchten müsste. Doch insbesondere auf dem Gehweg zwischen der Grundschule und der Kletterhalle spielen sich bisweilen haarsträubende Szenen ab. Man sieht Radler, die mit hauchzartem Abstand an Spaziergängern vorbeirauschen. Oder beobachtet Biker, die selbst bei geringer Geschwindigkeit eine Vollbremsung hinlegen müssen, weil der Fußgänger vor ihnen urplötzlich einen Schlenker macht – um zum Beispiel Kurs auf sein am Straßenrand geparktes Auto zu nehmen.
Man könnte dabei in vielen Fällen nicht einmal eindeutig so etwas wie einen Schuldigen benennen. Die besondere Herausforderung für Radfahrer und Fußgänger ist schlicht, dass sie sich den Gehweg auf diesem Abschnitt teilen. Bei der Stadtverwaltung hatte man darin bislang kein Problem erkannt.
Die Rechtslage sei eindeutig, sagt Sebastian Mannl, Bürgermeister für Infrastruktur. Es handele sich formal um einen Gehweg, der für Radfahrer freigegeben ist. Fußgänger hätten klar Vorrang. „Radfahrer dürfen eigentlich nur Schrittgeschwindigkeit fahren und müssen extrem Rücksicht auf Fußgänger nehmen“, ergänzt Christoph Hubberten vom Fachbereich Nachhaltige Mobilität.
Das Verkehrsschild „Radfahrer frei“ in der Nähe der Grundschule ist schon zugewachsen. Foto: Christian Kempf
„Von Unfällen wüsste ich auch nichts“, sagt Sebastian Mannl. Die beim Polizeipräsidium Ludwigsburg erfassten Daten sind ebenfalls nicht auffällig. In den vergangenen drei Jahren habe es zwischen der Schule und der Kletterhalle inklusive dem Stichweg zu den Parkplätzen des Sportzentrums Ost zwar zwölf Unfälle gegeben, erklärt Polizei-Pressesprecherin Yvonne Schächtele. Allerdings sei lediglich einmal ein Radler beteiligt gewesen. Ansonsten hieß es: Auto gegen Auto beim Ein- oder Ausparken. Verletzt worden sei niemand.
Allerdings räumen Sebastian Mannl und Christoph Hubberten bei einem Vor-Ort-Termin ein, dass Statistiken und Rechtslagen das eine sind, die Realität das andere – und sich die verschiedenen Verkehrsteilnehmer doch ins Gehege kommen. Die Männer von der Stadtverwaltung sehen Handlungsbedarf.
Kurzfristig soll der Abschnitt deutlich verkürzt werden, auf dem Radfahrer den Gehweg mitbenutzen dürfen. Ein entsprechendes Schild auf Höhe des Stichwegs zwischen der Fuchshofstraße und dem Alten Oßweiler Weg vor der Grundschule werde entfernt, kündigt Hubberten an. „Das Schild ist eine Altlast, die man abbauen muss“, erklärt er. Allerdings sollten geübte Radfahrer hier sowieso auf der Straße fahren, hebt Hubberten hervor. Platz genug gebe es. „Grundsätzlich ist es aber immer besser, wenn die einzelnen Verkehre entflochten werden“, ergänzt Sebastian Mannl.
Eventuell wird die Fuchshofstraße komplett neu gestaltet
Genau das könnte perspektivisch erreicht werden, wenn die große Lösung umgesetzt würde. Denkbar sei es nämlich, die Fuchshofstraße nach der Besiedlung des dortigen Neubaugebiets so umzugestalten, dass ein separater Radweg angelegt wird. „Man muss auch berücksichtigen, dass in dem Neubaugebiet einmal rund 1000 Menschen wohnen werden, die vielleicht gerne einen direkteren Weg zum Berliner Platz haben möchten“, gibt Hubberten zu bedenken.
Beim Ein- und Ausfahren in die Parkplätze am Sportzentrum Ost müssen Autofahrer hoch konzentriert sein. Gerade zu den Stoßzeiten sind hier viele Fußgänger und Radler unterwegs. Foto: Christian Kempf
Theoretisch sei es sogar denkbar, die geplante Stadtbahn auf einem Teilstück in der Fuchshofstraße und nicht in der Schorndorfer Straße pendeln zu lassen, erklärt Sebastian Mannl. „Hier hätte man mehr Platz und keinen so engen Baumbestand. Aber das ist nur eine Überlegung. Sicher ist, dass es eine ÖPNV-Anbindung geben wird“, erklärt er.
Außerdem sind das eher langfristige Lösungen. An die Erschließung des Neubaugebiets werde wohl noch 2025 ein Knopf gemacht. „Wir gehen davon aus, dass die Bebauung Anfang der 2030er-Jahre abgeschlossen sein wird“, sagt Mannl.
Mittelfristig erhofft sich die Stadtverwaltung eine Verbesserung für den Rad- und Fußverkehr, wenn der Stichweg vor der Schule wieder geöffnet werden kann. Aktuell ist die Trasse wegen der Arbeiten in dem Neubaugebiet gesperrt. Außerdem soll eine zweite feste Achse für Radler auf Höhe der Kletterhalle etabliert werden, und zwar auf der neuen Straße hinüber zum Kreisverkehr an der Schorndorfer Straße.
Stehen diese beiden Verbindungen uneingeschränkt zur Verfügung, so das Kalkül, machen die Radfahrer einen Bogen um die Fuchshofstraße und benutzen die empfohlenen Routen hinter der Kletterhalle und an den Flächen des Hockeyclubs vorbei – beziehungsweise am anderen Ende über den Berliner Platz.
Bei der Alternativlösung würden Parkplätze wegfallen
Nicht rütteln wird die Stadt aber an der Regelung, wonach sich auf dem kurzen Stück zwischen den Parkplätzen des Sportzentrums Ost und der Kletterhalle Fußgänger und Radler den Gehweg teilen. Die Alternative wäre, ein bis zwei Parkplätze vor der Kletterhalle auf der Fahrbahn zu streichen und den Randstein abzusenken, damit Radfahrer von der Fuchshofstraße aus direkt auf die Radbügel der Sportstätte zusteuern können, erklärt Hubberten. Die Verantwortlichen des Sportparks wollten jedoch nicht auf die Stellflächen verzichten, sagt er.