Verkehr in S-Mitte Stadt zahlt Prämie für den Kauf von E-Rollern

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Die Stadt will Bürgern eine Prämie zahlen, die ihre Krafträder durch elektrische Roller ersetzen. Umweltschutzorganisationen begrüßen den Vorstoß.

Auch wer seine geliebte alte Vespa mit Zweitaktmotor aufgibt und zum Beispiel eine E-Vespa kauft, kann von der Stadt einen Zuschuss bekommen. Foto: /Brian Lawless/dpa
Auch wer seine geliebte alte Vespa mit Zweitaktmotor aufgibt und zum Beispiel eine E-Vespa kauft, kann von der Stadt einen Zuschuss bekommen. Foto: /Brian Lawless/dpa

Stuttgart - Die Stadt will Bürger unterstützen, die ihre motorisierten Zweiräder durch elektrisch betriebene Modell ersetzen wollen. Stuttgarter, die sich ein elektrisches Zweirad anschaffen und ihr Zwei­takt-Motorrad endgültig stilllegen, erhalten von der Stadt bis zu 600 Euro als Umweltprämie. Wer eine Prämie bekommen will, muss gegenüber der Stadt nachweisen, dass der alten Zweitakter außer Betrieb genommen und ein neues E-Bike oder ein E-Roller gekauft wurde.

Auch Unternehmen und gemeinnützige Organisationen können die Prämie erhalten. Sie sollen ihr neues Fahrzeug mit einem Aktionslogo versehen, um die Prämie bekannter zu machen. Während pro Einzelperson nur ein E-Zweirad gefördert wird, unterstützt die Stadt bei Unternehmen oder Organisationen bis zu drei E-Roller mit einem Zuschuss.

Stadt fördert E-Bikes

Ausgenommen von der finanziellen Förderung sind Elektro-Tretroller und die als Hoverboards bezeichneten elektrisch betriebenen, zweispurigen Rollbretter. Die Stadt zahlt 300 Euro für die Anschaffung eines versicherungsfreien Pedelecs. Dazu gehören die als E-Bike bekannten Räder mit einer maximalen Unterstützungsleistung von 250 Watt beziehungsweise 25 Stundenkilometern. Die doppelte Fördersumme in Höhe von 600 Euro können Stuttgarter erhalten, die ein versicherungspflichtiges S-Pedelec, E-Mofa oder einen E-Roller mit einer elektrischen Unterstützung von mehr als 250 Watt und einer Unterstützungsleistung über 25 Stundenkilometer kaufen.

Ziel ist die Luftreinhaltung

Die finanzielle Unterstützung der Stadt ist Teil des Aktionsplans „Nachhaltig mobil in Stuttgart“. Die Stadt will damit Stress, Staus, Schadstoffe und Lärm reduzieren. Neben dem Ausbau der Infrastruktur für den Radverkehr soll auch die elektrische Mobilität gefördert werden „Wenn wir den Verkehr in unserer Stadt sauberer machen wollen, kommt es auf jeden von uns an. Viele verschiedene Maßnahmen wie die Umweltprämie E-Bike führen zusammengenommen nach und nach zu einer wahrnehmbaren Verbesserung“, meint Ralf Maier-Geißer, Leiter des Aktionsplans „Nachhaltig mobil in Stuttgart“. Besonders Zweitakt-Motorräder sollen laut dem Plan der Stadt immer seltener auf in Stuttgart unterwegs sein.

Sie stoßen laut einer Erklärung der Stadt deutlich mehr Schadstoffe aus als moderne Kraftfahrzeuge, da sie mit einem Benzin-Öl-Gemisch betrieben werden. Umweltschutzorganisationen wie der Bund oder auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) begrüßen den Vorstoß. Der VCD bezeichnet Motorräder mit Zweitaktmotor als sogenannte „Super-Polluter“. Aus dem Englischen übersetzt bedeutet das „Super-Verschmutzer“.

Umweltschützer warnen vor Krafträdern

Bund und VCD haben ein Bündnis mit dem Namen „AG Super-Polluter“ gegründet, um auf die Umweltgefahren durch Krafträder aufmerksam zu machen. Auf ihrer Internetseite zitieren sie eine Studie, der zufolge Zweitakter deutlich mehr Feinstaub und gesundheitsschädliche Emissionen ausstoßen als Viertakter. Sie monieren außerdem, dass für Kleinkrafträder bis zu 50 Kubikmeter Hubraum und für vor 1989 erstzugelassene Modelle keine Abgasuntersuchungen nötig sind.

Klaus-Peter Gussfeld, Verkehrsreferent des Bunds, bezeichnet die Prämie für E-Roller als einen Baustein einer Reduzierung von Schadstoffbelastung und Lärm. „Wenn es gelingt, die Zahl an Krafträdern von 20 000 zu halbieren, hat das Auswirkungen auf die Luftqualität in der Stadt“, meint er. Im Verhältnis zu ihrer Größe belasteten diese Krafträder die Umwelt enorm, erklärt der Umweltschützer.

Dennoch sei eine nachhaltige Verbesserung der Luftqualität in der Innenstadt nur mit einer anderen Verkehrspolitik möglich, betont Gussfeld. Er schlägt eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern in der ganzen Stadt vor und mehr öffentlichen Raum für Fußgänger und Radfahrer.

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