Verkehr in Waiblingen Wie die Stadt Anwohner entlasten will
Wo Autos parken, sollen grüne Inseln die Asphaltwüste auflockern: Die Stadt Waiblingen plant noch mehr, um die Aufenthaltsqualität in der Fronackerstraße zu verbessern.
Wo Autos parken, sollen grüne Inseln die Asphaltwüste auflockern: Die Stadt Waiblingen plant noch mehr, um die Aufenthaltsqualität in der Fronackerstraße zu verbessern.
Waiblingen - Zu laut, zu voll, zu ungemütlich: Mehr als 230 Menschen haben kürzlich im Rahmen einer Bürgerbeteiligung ihre Ansichten zum Sorgenkind Fronackerstraße in Waiblingen und ihre Vorschläge für eine Verbesserung der Situation dort mitgeteilt. Nun hat die Stadtverwaltung auf der Grundlage dieser Rückmeldungen mehrere Sofortmaßnahmen für den Bereich zwischen der Blumenstraße und dem Stadtgraben vorgestellt, die Abhilfe schaffen sollen.
Insgesamt fünf Vorschläge hatte die Verwaltung erarbeitet – und empfohlen, die wohl am weitesten reichende Variante 5 umzusetzen. Diese sah vor, die Tempo-30-Zone in einen verkehrsberuhigten Bereich mit der Maximalgeschwindigkeit 20 umzuwandeln. Außerdem schlug die Verwaltung vor, fast alle Schrägparkplätze entlang der Straße aufzulösen. Statt Autos sollen hier künftig kleine grüne Inseln wie beispielsweise Hochbeete stehen. Erhalten bleiben sollen wenige Autoparkplätze für Menschen mit Behinderungen und Carsharing sowie Stellflächen für Fahrräder und E-Scooter. Die Anwohner können ausgewiesene Lieferzonen im Fahrbahnbereich vom Abend bis zum Morgen als Parkplätze nutzen. Der Baubürgermeister Dieter Schienmann sagte, die Zahl der Parkplätze würde sich bei dieser Variante um rund die Hälfte reduzieren.
Manchen Räten ging die Variante 5 zu weit, anderen nicht weit genug. Peter Abele kündigte für die CDU-Fraktion an, man könne der Variante 5 und dem Verlust vieler Parkplatz „auf gar keinen Fall zustimmen“, schließlich müsse man an Kunden und Einzelhändler denken. Auch Julia Goll (FDP) bezeichnete das Vorhaben als „sehr ambitioniert für einen ersten Versuch“ und schlug vor, mehr Stellplätze zu erhalten.
Iris Förster (Grüne) hingegen sagte, die Variante 5 sei vielleicht nicht der ganz große Wurf, von dem manch einer geträumt habe – die Fronackerstraße als Fahrradstraße oder Fußgängerzone – aber immerhin gehe man damit das leidige Thema der Schrägparkplätze an. Peter Beck (SPD) lobte den Vorschlag der Verwaltung und riet, diese Variante anzunehmen, deren Auswirkungen über eine gewisse Zeit zu überprüfen und dann neu zu entscheiden.
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Alfonso Fazio (Alternative Liste) forderte, in der Fronackerstraße Schwellen anzubringen, um Posern den Spaß zu verderben. Auch dieser Vorschlag wurde teils heftig befürwortet, teils abgelehnt. Der Oberbürgermeister Andreas Hesky riet von Schwellen ab: „Sie treffen alle und belasten auch die, die dort wohnen.“ Auch eine Ausweisung als Anliegerstraße sei nicht sinnvoll, denn der Definition nach dürften in diese nicht nur Anwohner, sondern jeder mit einem berechtigten Anliegen fahren, also auch Gaststättenbesucher oder Nutzer der Tiefgarage der Volksbank. In Letzterer, so sagte Hesky im Hinblick auf die Reduzierung der Schrägparkplätze, seien übrigens nach wie vor etliche Plätze verfügbar. Der Oberbürgermeister appellierte an das Gremium, die Chance zu nutzen und sich auf eine Variante zu einigen: „Sonst werden wir nie erfahren, ob die Sofortmaßnahmen funktionieren.“
Das Ergebnis nach längerer Debatte: Umgesetzt wird versuchsweise eine Variante 5a, bei der etwas mehr Parkplätze erhalten bleiben, als in der ursprünglichen Variante geplant gewesen war, ebenso bleibt es bei Tempo 30. Denn in einer verkehrsberuhigten Zone 20 darf es keine Zebrastreifen geben. Den aber wollten Anwohner der Straße auf jeden Fall beibehalten. Auf den verbleibenden Längsparkplätzen darf maximal eine halbe Stunde geparkt werden. Die Sofortmaßnahmen werden sechs Monate angewandt und auf ihre Wirksamkeit geprüft, dann wird entschieden, was sinnvoll ist und beibehalten wird.