Verkehr Staus auf der A 8 werden noch länger

Auf der A 8 kommt es immer wieder zu langen Staus Foto: dpa
Auf der A 8 kommt es immer wieder zu langen Staus Foto: dpa

Der Bau der neuen vierten Spur auf der A 8 zwischen Stuttgart und Leonberg fordert seinen Tribut. Erste Karambolagen und Dauerstau plagen die Autofahrer. Am Mittwoch waren die Kolonnen gar 26 Kilometer lang.

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Stuttgart - Und wieder ist es Unachtsamkeit im Gedränge des neuen Baustellen-Engpasses. Ein 53-jähriger Toyota-Fahrer rechnet auf der A 8 zwischen Leonberg und Stuttgart nicht damit, dass auf der linken Fahrspur jemand bis zum Stillstand abbremsen könnte. Schon kracht es gleich mehrfach. Der Toyota rammt den Peugeot eines 29-Jährigen, und die Wucht des Aufpralls ist so groß, dass weiter vorne die Mercedes-Limousinen zweier 61 und 37 Jahre alter Fahrer ebenfalls verbeult werden.

Immerhin gibt es bei diesem Unfall auf der A 8 zwischen Dreieck Leonberg und Kreuz Stuttgart am Mittwoch im morgendlichen Berufsverkehr keine Verletzten. Allerdings verursacht die Kollision um 6.50 Uhr insgesamt Schaden von 25 000 Euro – und dahinter zehn Kilometer Stau. Dass die Baustellenstrecke vierspurig gehalten ist, nützt da nicht viel. Weil der linke Fahrstreifen bis 8 Uhr blockiert ist, bleiben die Autofahrer in Fahrtrichtung München und Singen lange Zeit im Stau stecken.

Erste Karambolagen

Wie befürchtet, gibt es auf der neuen Baustellenstrecke zwischen Stuttgart und Leonberg die ersten Karambolagen. Bereits am Sonntagnachmittag waren gleich fünf Autos aufgefahren, es gab Schaden in Höhe von 20 500 Euro. Den Verursacher sucht die Polizei bis heute – womöglich war es ein Fahrer eines 5er-BMW mit einer Zulassung aus dem Altmarktkreis Salzwedel (SAW). Der hatte laut Polizei nämlich gebremst – und war dann unbeirrt weitergefahren, nachdem es hinter ihm gequietscht und gekracht hatte. In der Nacht zuvor hatte ein alkoholisierter Lkw-Fahrer zwischen Kreuz Stuttgart und Leonberg die Nothaltebucht blockiert und als Schlafstätte benutzt. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, den Lkw rauszulotsen und das Hindernis zu beseitigen.

Für das Verkehrslagezentrum des Landespolizeipräsidiums im Innenministerium ist der tägliche Infarkt auf der A 8 eindeutig durch die Baustellen im Bereich Denkendorf und Leonberg verursacht. Wie bei einem Ziehharmonikaeffekt entzerren sich zwischendurch die Staukolonnen, um sich wenig später wieder scheinbar grundlos zu ballen. „Durch diese Dauerbaustellen ist die Verkehrsbelastung ohnehin an der Grenze“, heißt es in der Verkehrszentrale des Innenministeriums, „dann reicht schon eine Kleinigkeit, und es geht gar nichts mehr.“ Da braucht es nicht einmal einen Verkehrsunfall, es reicht schon eine Panne auf dem Standstreifen.

Staukolonnen bis lange nach dem Hauptberufsverkehr

Dass die Situation sich deutlich verschärft hat, zeigt sich an den Staukolonnen lange nach dem Hauptberufsverkehr: „26 Kilometer stockender Verkehr auf der A 8 von Kirchheim/Teck bis Leonberg“, sagt der Beamte am Verkehrscomputer. Und das um 9.50 Uhr. Bei der Verkehrspolizeidirektion Ludwigsburg, die für die Autobahnen A 8 und A 81 zwischen Wendlingen und Heimsheim sowie zwischen Rottenburg und Mundelsheim zuständig ist, häufen sich die Zwischenfälle. Beispiele am Mittwoch: Kleinstunfall auf der Parallelfahrbahn bei Möhringen gegen 10.20 Uhr, ein Tanklastzug blockiert ebenfalls bei Möhringen den Standstreifen, zeitgleich gibt es bei Leonberg-Ost eine Unfallaufnahme auf dem Standstreifen. Und für den gesamten Dienstag spuckt das polizeiinterne Einsatzsystem für die A 8 und A 81 insgesamt 42 Meldungen aus. „Das reicht von der Panne über den Staueinsatz bis zur Ölspur und zum Unfall“, sagt Polizeisprecherin Alexandra Klinke.

Die jüngste Problemzone ist nun die Baustelle zwischen Kreuz Stuttgart und Dreieck Leonberg, wo für 37 Millionen Euro eine vierte Fahrspur Richtung Karlsruhe gebaut wird. Bis Mittwoch dauerte die Einrichtung der neuen Verkehrsführung – wegen schlechter Witterung hatte sich dies um Tage verzögert. Das zuständige Regierungspräsidium beruhigt: „Erfahrungsgemäß ist es so, dass die Beeinträchtigungen gerade in den ersten Tagen nach der Umstellung auf eine neue Verkehrsführung am stärksten sind“, sagt Behördensprecherin Katja Lumpp.

150 000 Fahrzeuge täglich

Deshalb sei man auch „guter Dinge, dass bald eine Verbesserung eintritt“, so Katja Lumpp. Bei 150 000 Fahrzeugen täglich ­seien Verkehrsbeeinträchtigungen „nicht gänzlich zu vermeiden und daher in gewissem Maße hinzunehmen“, so die Sprecherin. Als Lohn für ihre Geduld würden die Verkehrsteilnehmer Ende des Jahres eine vierte Spur benutzen können. Die Behörde empfiehlt: Autofahrer sollten achtsam sein und sich an die Tempolimits halten. Geschwindigkeitsüberschreitungen seien nicht nur für die Autofahrer gefährlich – sondern auch für die Bauarbeiter.




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