Verkehrsader am Schulzentrum wird zur Fahrradstraße Spannender Verkehrsversuch in Weil der Stadt

Nanu – was passiert denn da in der Jahnstraße? Große, weiße Punkte sind der der Anfang für eine große Veränderung. Foto: Simon Granville

Die Jahnstraße, Weil der Stadts Hauptader am Schulzentrum, ist Zentrum eines Verkehrsversuchs: Sie wird bis nach den Sommerferien zur Fahrradstraße. Von Montag an wird die Idee, die vom Baden-Württemberg Institut für nachhaltige Mobilität organisiert wird, mit bunten Aktionen begleitet.

Eine aufregende Woche steht Weil der Stadt bevor. Schon seit Samstag prangen auf der Jahnstraße – jene Hauptader am Schulzentrum, die seit jeher zu den Stoßzeiten extrem befahren ist – unterschiedlich große, weiße Punkte. Sie sollen alle Verkehrsteilnehmer darauf aufmerksam machen, dass sich an der Verkehrssituation dort etwas geändert hat, erklärt Martin Spalek vom Bereich Städtebau an der Hochschule Biberach. Er leitet den Verkehrsversuch im Rahmen des eines Projekts mit dem Namen BWIM.puls des Baden-Württemberg-Instituts für nachhaltige Mobilität. Denn die Jahnstraße, die am Schulcampus entlang zum Fußballstadion führt, wird bis nach den Sommerferien zur Fahrradstraße. Dort haben Zweiräder Priorität, Autofahrer müssen Rücksicht nehmen.

 

„Wir wollen den Autoverkehr nicht behindern, sondern eine Gleichberechtigung der verschiedenen Verkehrsformen darstellen“, sagt der Experte Spalek. Dabei soll die Bevölkerung mitgenommen werden. „Wir wollen mit Kindern, Jugendlichen und Anliegern genauso ins Gespräch kommen wie mit Autofahrern“, betont Ulrike Müller-Siebert, Sprecherin des BWIM.

Das Institut gehört zur Hochschule Karlsruhe, erhält Haushaltsmittel des Landes und hat sich zum Ziel gesetzt hat, zur aktiven Gestaltung der Mobilitätswende im Land beizutragen. Mit dem Projekt BWIM.puls werden jetzt dazu in Weil der Stadt mit Unterstützung der Kommune zahlreiche Anstöße gegeben. „Wir werden in einer Woche zeigen, was im Bestehenden möglich ist“, sagt Ulrike Müller-Siebert und fügt hinzu, „Erkenntnisse bekommen wir während der Aktion.“

Die knapp 20 000 Einwohner zählende Stadt sei als „interessanter Standort aus unserer Forschung heraus aufgeploppt“, sagt Martin Spalek auf die Frage, warum die Aktion gerade dort stattfindet. Hintergrund sei zum Beispiel, dass das große Schulzentrum in den kommenden Jahren komplett umgebaut werde – wenn alles nach Plan läuft, werden schon in den großen Ferien erste Schritte für den Umbau stattfinden, also während der Versuch noch läuft. Für Weil der Stadt sei der Verkehrsversuch kostenlos, bis auf die praktische Unterstützung der Verkehrsforscher durch den Bauhof am Ort.

Achtung, Radfahrer und Fußgänger sind auf derselben Straße unterwegs wie Autofahrer. /Simon Granville

Einer dieser Impulse wird in den nächsten Tagen als eine weitere Neuregelung zu sehen sein: Ein Teil des zur Jahnstraße hinführenden Schießrainwegs wird verkehrsberuhigter Bereich. „Auf dieser zentralen Achse vom Bahnhof zum Schulzentrum geben dann die Fußgänger den Ton an, alle anderen Verkehrsteilnehmer müssen sich dahinter sortieren“, erklärt Martin Spalek. Auf diese geänderte Funktion soll auf der Straße durch bunte Farben aufmerksam gemacht werden.

Die britische Künstlerin Molly Hawkins, für große, farbenfrohe Wandmalereien im öffentlichen Raum bekannt, entwirft mit Weil der Städter Schülerinnen und Schülern Muster, die sie dann auf die Straße überträgt. Die Stadt erhält so quasi kostenlos ein großformatiges Kunstwerk, das den Aktionszeitraum, der bis zum Ende der Sommerferien geht, überdauert. Das Programm setzt in dieser Woche noch weitere Impulse entlang der Jahnstraße. Dazu gehören Stammtische sowie eine Mobi-Bar auf dem Festplatz vor, Kinder tanzen mit dem bekannten Choreographen Eric Gauthier, eine geführte Fahrradtour mit Fridays for Future und zum Abschluss eine öffentliche Präsentation. Außerdem bauen Architekturstudierende der Hochschule Biberach Mobiliar für den öffentlichen Raum. Während der ganzen Zeit ist das Projektteam als Ansprechpartner vor Ort.

In Sulz wurde direkt eine Änderung beibehalten

Bereits im Frühjahr waren die BWIM.puls-Aktiven mit einem ähnlichen Verkehrsversuch in Sulz am Neckar. Dort seien „gewisse Dinge auf Anhieb geblieben“, etwa eine verkehrsberuhigte Straße. Im Herbst soll es noch in eine dritte Kommune gehen. „Unser Ziel ist es, Wissen zu sammeln, die Erkenntnisse auszuwerten und an andere weiterzugeben“, so Martin Spalek.

Versuch Das ganze Impuls-Programm mit sämtlichen Aktionen und Ideen in Weil der Stadt steht unter: bw-im.de/verkehrsversuch-in-weil-der-stadt-ende-juni-2024/ sowie auf der Homepage der Stadt Weil der Stadt.

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