Laut Jürgen Mutz, Chef des Stuttgarter Tiefbauamts, sind viele der 310 Brückenbauwerke in der Landeshauptstadt in keinem guten Zustand. Zwar besteht momentan bei keiner eine „akute Einsturzgefahr“, allerdings bei insgesamt 52 ein vorrangiger Instandsetzungs- oder Erneuerungsbedarf. Keine gute Note erhielt auch die Brücke über die Gnesener Straße am Augsburger Platz, weshalb das Bauwerk ziemlich weit oben auf der To-do-Liste steht und regelmäßig untersucht werden muss. Die Sanierung soll 2027 angegangen werden.
Was genau am Augsburger Platz erledigt werden muss, das wollen jetzt sieben Gemeinderatsfraktionen (Die Grünen, CDU, SPD/Volt, Die Linke/SÖS Plus, Freie Wähler, FDP, Bündnis Puls) vom Tiefbauamt wissen, zumal nach Ansicht der Fraktionen der Augsburger Platz mehr als nur ein „Bauwerk mit Brücke“ darstellt. „Mit der Aufgabe der Stadtbahn-Haltestelle Augsburger Platz und dem Sanierungsbedarf sowie seiner Bedeutung im Verkehrsstrukturplan Bad Cannstatt muss der Umbau des Augsburger Platzes in der Verkehrsplanung deutlich höher priorisiert und auf den Zeitplan der Sanierung abgestimmt werden“, heißt es in ihrer Begründung. Denn für die Antragsteller ist klar: Der Augsburger Platz muss endlich zu einem vollwertigen Verkehrsknoten ausgebaut werden, damit die dortigen Wohngebiete vom Verkehr entlastet werden können. Die Verwaltung soll jetzt Vorschläge ausarbeiten, wie der verkehrliche Vollanschluss des Augsburger Platzes an die Gnesener Straße erfolgen kann. Eine denkbare Variante wäre laut den Fraktionen ein Kreisverkehr.
Augsburger Platz 1965 von OB Klett eingeweiht
Auch nach Meinung der Anwohner aus den angrenzenden Wohngebieten ist solch ein Umbau dringend nötig. Autofahrer, die beispielsweise von Fellbach kommend in die Gnesener Straße in Richtung Mühlhausen, Hallschlag oder Münster abbiegen wollen, haben am Augsburger Platz keine Chance. Sie müssen wenige Meter davor in die schmale Melanchthonstraße abbiegen und quer durchs Wohngebiet fahren – und das seit 1965, als der Platz vom damaligen OB Arnulf Klett eingeweiht wurde.
Gordischer Verkehrsknoten
14,3 Millionen Mark kostete das Verkehrsbauwerk, eine für damalige Verhältnisse gigantische Summe, wobei die Stadtverantwortlichen jedoch von gut angelegtem Geld sprachen und der Gemeinderat den Augsburger Platz als eine „zukunftsweisende Lösung“ titulierte. Doch die Begeisterung hielt nicht lange an, das komplizierte Bauwerk erwies sich schnell – vor allem für ortsunkundige Autofahrer – als „gordischer Verkehrsknoten“. Denn was fehlt: Von Cannstatt kommend eine Abbiegemöglichkeit auf die Gnesener Straße sowie von Fellbach kommend eine in Richtung Untertürkheim. Aus Kostengründen hatten die Verkehrsplaner vor 60 Jahren davon Abstand genommen.
Erste Vorstöße, diese Fehler zu korrigieren, gab es 1988 im sogenannten Verkehrsstrukturplan „Äußeres Bad Cannstatt“. Diese Pläne für neue Straßenbeziehungen schlummerten allerdings zehn Jahre lang in den Verwaltungsschubladen. Erst durch das Neubaugebiet Brenzstraße und die Krankenhauserweiterung wurde das Thema 1998 wieder akut. Zwei Jahre später wurde dem Bezirksbeirat Bad Cannstatt schließlich ein ganzes Maßnahmenpaket vorgestellt.
Umbaupläne nie realisiert
Nach einer Bürgeraussprache im Verwaltungsgebäude erteilte der Bezirksbeirat seinen Segen für die von der Verwaltung vorgeschlagenen Umbaupläne, denn alle waren sich damals einig, dass der Augsburger Platz viel zum Schleichverkehr auf Cannstatts Straßen beitragen würde. Das war‘s dann aber auch schon, denn mangels Geld kam es nie zu einer Realisierung.