Die Seelbergstraße zwischen dem Wilhelmsplatz und dem Carré Bad Cannstatt ist neben der Marktstraße die wichtigste Einkaufsstraße in Stuttgarts größtem Stadtbezirk. Noch vor Beginn der Fußball-EM am 14. Juni soll die Straße, auf der täglich fast 12 000 Passanten, aber nur rund 1100 Fahrzeuge unterwegs sind, zur Fußgängerzone umgestaltet werden. Einem entsprechenden Antrag der Grünen und der Fraktionsgemeinschaft Die Fraktion hatte der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik bereits 2022 mehrheitlich zugestimmt. Dieser sieht eine sogenannte Pop-up-Fußgängerzone im Abschnitt von der Frösnerstraße bis zur Waiblinger Straße vor – und zwar als Verkehrsversuch über einen Zeitraum von zwei Jahren.
Pläne wurden modifiziert
Bereits im Juli 2023 war das Vorhaben im Gemeinderat vorgestellt worden. „Wir haben danach das Projekt, auch nach Rücksprache mit den Behindertenverbänden, in einigen Bereichen modifiziert“, sagte Johannes Ingelfinger vom Stadtplanungsamt im Bezirksbeirat Bad Cannstatt. Unter anderem sollen jetzt die sogenannten Bodenindikatoren für Sehbehinderte vor der Einmündung in die Waiblinger Straße erhalten bleiben. „Auch hat sich gezeigt, dass die Nutzung der gewohnten Gehbereiche entlang der Bebauung auf der südwestlichen Seite auch in einer Fußgängerzone weiterhin wichtig ist“, sagt der Stadtplaner. Ursprünglich sollte die künftige Straßenbewirtschaftung bis zu den Gebäuden ermöglicht werden.
Generell werden Aufwand und Kosten – sie liegen bei 325 000 Euro – so gering wie möglich gehalten. Ein wichtiges Element dürfte die farbliche Gestaltung der Fahrbahn sein, auf der künftig Passanten flanieren sollen. Grundlage hierfür sind die Klinkerflächen der Gehwege. Neben den potenziellen Flächen für die Gastronomen sind „Pauseninseln“ mit Sitzmöglichkeiten, Baumtröge und zusätzliche Fahrradbügel geplant. Zudem gibt es eine gesonderte Abstellfläche für E-Scooter.
Zufahrt zur Radiologie außerhalb
Was wichtig ist: Die Zufahrt zu den privaten Stellplätzen sowie der Lieferverkehr (8 bis 11 Uhr) in Fahrtrichtung Waiblinger Straße bleiben bestehen. Aufgrund der deutlich höheren Anzahl der Ein- und Ausfahrten liegt die Zufahrt zur Radiologie außerhalb der Fußgängerzone. „Gleiches gilt für die beiden Behindertenparkplätze“, sagte Johannes Ingelfinger. Durch die Planung entfallen insgesamt sechs Parkplätze.
Mit der Fußgängerzone will die Stadt nicht nur die Seelbergstraße aufwerten, sondern auch einen Hotspot für Falschparker entschärfen. Denn in einer Fußgängerzone kann die Stadt sehr viel rigoroser vorgehen, wenn das Parkverbot ignoriert wird. Vor allem an Wochenenden ist die südwestliche Seite komplett zugeparkt, und auch werktags werden Fahrzeuge bis in den Kreuzungsbereich mit der Waiblinger Straße hinein abgestellt. Obwohl die acht Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Verkehrsüberwachung in der Straße mehrmals täglich kontrollieren, bekommt die Stadt das Problem nicht in den Griff. Mit im Durchschnitt 2000 Knöllchen pro Jahr ist die kleine Einkaufsstraße mittlerweile eine der Parksünder-Hochburgen in der Landeshauptstadt.
CDU weiter gegen Fußgängerzone
Nach wie vor ist die CDU gegen die anstehende Umgestaltung. Ihrer Meinung nach fallen im Quartier durch den neuen Bahnhofsvorplatz schon viel zu viele Stellplätze weg. Gerhard Veyhl (Freie Wähler) stimmte zwar zu, zeigte sich jedoch skeptisch, ob sich so die vielen Falschparker „vertreiben“ lassen. Auch hegt er die Befürchtung, dass sich das „Problemklientel“ vom Bahnhof in die Fußgängerzone verlagere. Timor Lutfullin (FDP) sieht angesichts der Parkplatzentwicklung im Bahnhofsquartier die Notwendigkeit, in Bad Cannstatt das seit Jahrzehnten geforderte, digitale Parkleitsystem zu installieren. Seinem Antrag wurde mehrheitlich zugestimmt.