Verkehrsbilanz für Stuttgart Im Schnitt fast 72 Unfälle täglich

Bei Wendemanövern kollidieren Autofahrer oft mit der Stadtbahn. Foto: Rosar
Bei Wendemanövern kollidieren Autofahrer oft mit der Stadtbahn. Foto: Rosar

Der Straßenverkehr in Stuttgart hat im vergangenen Jahr fünf Todesopfer gefordert – die zweitniedrigste Zahl seit dem Beginn der Statistik. Stark zugenommen hat die Zahl der Tempoverstöße von jungen Autofahrern.

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Stuttgart - Der Straßenverkehr in Stuttgart hat im vergangenen Jahr fünf Todesopfer gefordert – die zweitniedrigste Zahl seit dem Beginn der Statistik. Mehr als 2780 Menschen wurden verletzt. Die Zahl der Unfälle stieg im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent auf fast 26 300. „Das ist die zweithöchste Zahl seit 1979“, sagte der Stuttgarter Polizeipräsident Franz Lutz am Freitag auf einer Pressekonferenz. Von Ende April an „gehen“ auch Fahrradstaffeln der Polizei mit Elektrorädern auf Streife. Damit wollen die Ordnungshüter vor allem in der Innenstadt künftig stärker und mobiler präsent sein.

„Im Schnitt ereignen sich in Stuttgart 72 Unfälle innerhalb von 24 Stunden“, erklärte Lutz. Das sei eine hohe Zahl. Wegen des geringeren Geschwindigkeitsniveaus durch die hohe Verkehrsdichte in der Landeshauptstadt seien die unfallbedingten Verletzungen aber meist nicht so schlimm wie auf dem Land. „In der Stadt sind aber auch mehr Fußgänger und Radfahrer, die stärker gefährdet sind, unterwegs“, so Lutz. Unter den fünf Verkehrstoten des vergangenen Jahres seien drei Fußgänger, ein Auto- und ein Motorrollerfahrer gewesen.

Als Hauptursache der Unfälle registrierte die Polizei „Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren sowie das Missachten der Vorfahrt“. Aber auch wegen zu geringer Abstände, Alkohol und Drogen am Steuer sowie bei Fahrstreifenwechseln komme es oft zu Zusammenstößen. „Die Ursache ist in fast allen Fällen menschliches Versagen“, so der Polizeipräsident. Defekte an den Fahrzeugen spielten hingegen mit einem Anteil von 0,2 Prozent eine völlig untergeordnete Rolle.

Fast jeder vierte Unfallverursacher flüchtet

Stark zugenommen hat die Zahl der Tempoverstöße von jungen Autofahrern. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 20 600 Raser geblitzt – ein Zuwachs von fast 134 Prozent. „Dabei haben wir die Zahl der Kontrollen nur um ein knappes Drittel auf 1000 Stunden im Jahr erhöht“, sagte der stellvertretende Polizeichef Norbert Walz. „Außerhalb der Hauptverkehrszeiten wird aber gern aufs Gas gedrückt.“ Man habe im vergangenen Jahr stärker nachts und am frühen Morgen kontrolliert. Gegen mehr als 1100 Fahrer seien Fahrverbote und hohe Geldstrafen verhängt worden.

Auch das Thema Unfallflucht hielt die Verkehrspolizei im Vorjahr in Atem. Bei einem knappen Viertel der Unfälle – mehr als 6100 – flohen die Verursacher. Das sei die dritthöchste Quote seit 2005. In den meisten Fällen habe es sich um kleinere Sachschäden – etwa Rempler beim Ausparken – gehandelt. „Bei größeren Unfällen wurden allerdings zehn Personen schwer und 149 leicht verletzt“, so Walz. Dank aufwendiger Ermittlungen sei es gelungen, fast die Hälfte der geflüchteten Fahrer zu überführen. Diesen drohten nicht nur Punkte in Flensburg, sondern auch hohe Geldstrafen sowie ein langer Führerscheinentzug. „Und in schwerwiegenden Fällen gilt Fahrerflucht als Straftat und wird mit einer Freiheitsstrafe geahndet.“

Bei Unfällen mit Fußgängern waren diese zu mehr als 40 Prozent auch die Verursacher. „Vor allem junge Menschen lassen sich durch ihr Handy oder Smartphone leicht ablenken“, sagte Roland Haider, der Leiter der Verkehrspolizei. Wer bei der Überquerung einer Straße oder eines Stadtbahnübergangs laut Musik höre, spiele eine Art Russisch Roulette. Senioren seien hingegen bei Verkehrsunfällen im Vergleich zu ihrem Anteil an der Bevölkerung unterrepräsentiert. „Sie sind eher die Opfer als die Täter“, betonte Haider.

Die Zahl der Stadtbahnunfälle erhöhte sich 2014 um gut 16 Prozent auf 92. Dabei gab es einen Toten, fünf Schwer- und 45 Leichtverletzte. Die Zahl der Kinderunfälle stieg im vergangenen Jahr um zehn auf 109 Fälle. Die Polizei setzt deshalb auch in diesem Jahre auf ihr Aufklärungskonzept in Kindergärten und Grundschulen und bietet auch eine Radfahrausbildung an. Der Polizeipräsident appelliert aber auch an die Erwachsenen, ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden.




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