Verkehrsdebatte Eine Schwebebahn für Ludwigsburg?

In Wuppertal gibt es schon seit dem Jahr 1901 eine Schwebebahn – nun gibt es auch Überlegungen in Ludwigsburg dafür. Foto: dpa
In Wuppertal gibt es schon seit dem Jahr 1901 eine Schwebebahn – nun gibt es auch Überlegungen in Ludwigsburg dafür. Foto: dpa

Eine Schwebebahn für die Barockstadt Ludwigsburg wird im Rathaus ernsthaft diskutiert. In der Debatte um die Stadtbahn-Verlängerung herrscht hingegen Skepsis.

Politik: Rafael Binkowski (bin)
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Ludwigsburg - Wuppertal hat eine. Köln und Koblenz auch. Die Stadt Ludwigshafen bei Mannheim denkt darüber nach. Und jetzt auch Ludwigsburg. Es geht um eine Schwebebahn. Also um Kabinen, die an Seilen oder Schienen hängen und fortlaufend wichtige Punkte der Stadt miteinander verbinden.

Eine Schnapsidee? Keineswegs, betont der Baubürgermeister Michael Ilk. „Es lohnt sich, ernsthaft darüber nachzudenken“, sagt er. Diese Idee platzt mitten hinein in die Debatte über eine Stadtbahn-Verlängerung von Remseck über Ludwigsburg bis nach Markgröningen – die in der Barockstadt nach wie vor auf große Skepsis stößt. So groß, dass der Gemeinderat sogar ein Gutachten für bis zu 250 000 Euro anschieben geben möchte, um Alternativen zur auszuloten.

Aber bleiben wir bei der Schwebebahn. Die Grundidee des Baubürgermeisters klingt ganz einfach: Die Neubaugebiete im Osten der Stadt und Unternehmen wie Wüstenrot im Südwesten könnten über einen Gondelbetrieb permanent mit dem Bahnhof verbunden werden.

Ein weiterer Zweig der Schwebebahn könnte die Gewerbegebiete an der Autobahn anbinden. „Man schwebt sozusagen über dem Stau in der Stadt“, schwärmt Michael Ilk. Auch der grüne Fraktionschef im Gemeinderat, Markus Gericke, ist begeistert: „Ein tolles Projekt.“ Er verweist darauf, dass die Landesregierung erst im vergangenen Jahr Schwebebahnen in den Fördertopf des Verkehrsministeriums aufgenommen habe – eine Steilvorlage.

Skepsis bei CDU und Freien Wählern

Auch andere Fraktionen wollen die Idee nicht gleich in Bausch und Bogen verdammen. Der CDU-Sprecher Klaus Herrmann fragt allerdings gleich nach den Kosten. Und der Freie-Wähler-Chef Reinhardt Weiss sagt klipp und klar: „Das ist eher ein Thema am Rande. In den nächsten fünf bis zehn Jahren ist das nicht realistisch.“ Weiterverfolgt wird die Vision im Rathaus trotzdem – über Kosten und Details will man aber noch nichts mitteilen.

Wie zu hören ist, wird sogar schon an eine Umsteigestation für Bahnkunden gedacht – die könnte am Keplerdreieck an der Zuglinie errichtet werden. Eines betonen sowohl Vertreter der Verwaltung als auch des Stadtparlaments: Die Schwebebahn ist keine Alternative zur Stadtbahn, sondern allenfalls eine Ergänzung. Schließlich könnte der Gondelbetrieb bei weitem nicht so viele Pendler aufnehmen.

Widerstände gegen Haltestellen mit hohen Bahnsteigen

Doch bei der regen sich in der Stadt nach wie vor große Widerstände. Die CDU-Fraktion hat sogar einen Antrag im Gemeinderat eingebracht, andere Systeme zu untersuchen. Der Bauausschuss wird am Donnerstag darüber beraten, ob die Stadt mit Gutachten zwei andere Möglichkeiten intensiv auslotet. Einmal denkt man dabei an Niederflur-Systeme – die keine Haltestellen mit hohen Bahnsteigen erfordern, wie sie in Stuttgart üblich sind.

„Solche Bahnsteige in der historischen Altstadt vor Schloss und Marktplatz können wir uns nicht vorstellen“, stellt der Baubürgermeister Michael Ilk klar. Daher reist der Gemeinderat mit den Spitzen der Verwaltung am Freitag extra nach Straßburg. In der elsässischen Metropole gibt es schon seit 1994 futuristische Waggons, mit denen man direkt auf die Straße aussteigen kann – Bahnsteige sind überflüssig.




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