Verkehrsinfrastruktur in Stuttgart Erhalt von Brücken und Tunnel wird Milliardenprojekt

Die Rosensteinbrücke ist 2024 abgerissen worden. Foto: t

Stuttgart plant eine milliardenschwere Sanierung seiner maroden Brücken und Tunnel. Nun gibt es Aufschluss darüber, welche Bauwerke dringend renoviert oder neugebaut werden müssen.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Die Rechnung hat es in sich: nach einer Bestandsaufnahme des Stuttgarter Tiefbauamts schlägt der Unterhalt, die Instandsetzung oder die Erneuerung von Brücken, Tunneln, Unterführungen und Stützbauwerken in der Landeshauptstadt in den nächsten drei Jahrzehnten mit einer Milliarde Euro zu Buche.

 

Autos und Bahnen werden gebremst

Dass insbesondere die Brücken in Stuttgart in die Jahre gekommen sind, merken Verkehrsteilnehmer jeden Tag aufs Neue. Die prominentesten Beispiele sind wohl die mittlerweile abgebrochene Rosensteinbrücke über den Neckar oder die Löwentorbrücke in Stuttgart-Nord, auf der mittlerweile sowohl für Autos wie auch für die Stadtbahnen ein Tempolimit gilt.

Dringende Investitionen für Brücken und Infrastruktur

Wolle man die Mobilität von Bevölkerung und Wirtschaft aufrechterhalten, müsse im großen Stil investiert werden. „In einem großen Kraftakt müssen wir gerade auch unsere Brücken auf Vordermann bringen. Viel zu lang haben wir die Sanierung und Erneuerung unserer Infrastruktur vernachlässigt. Wir wollen und wir müssen das jetzt ändern“, sagt Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU).

Die städtischen Tiefbauer verwalten rund 300 Brücken in der Stadt. Vor allem deren Alter verschärft nun die Lage. Mehr als die Hälfte von ihnen wurden zwischen 1950 und 1975 errichtet. Technisch sind die meisten für eine Lebensdauer von 70 Jahren ausgelegt. „Viele haben diese Grenze inzwischen erreicht oder überschritten. Unsere Gesellschaft ist mobiler geworden und die Umweltbedingungen haben sich geändert“, sagt Nopper. Der massive Sanierungs- und Erneuerungsbedarf sei „mit den bisherigen Mitteln nicht zu bewältigen.“

Stuttgart veröffentlicht Liste maroder Brücken und Tunnel

Die Stadt hat nun eine Liste veröffentlicht, in der die betroffenen Bauwerke in zwei unterschiedlichen Kategorien zusammengefasst sind. Zum einen geht es dabei um Brücken „die ihre Lebensdauer erreicht haben und bereits Schäden aufweisen, die eine wirtschaftliche Instandsetzung nicht mehr möglich machen“. Zum anderen hat die Stadtverwaltung Brücken und andere Bauwerke ausgemacht, bei denen „dringende Instandsetzungsmaßnahmen“ angezeigt sind.

Auf der maroden Löwentorbrücke gilt ein Tempolimit. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Neu gebaut werden muss demnach neben der Rosenstein- und der Löwentorbücke auch die Wilhelmsbrücke in Bad Cannstatt sowie die Aubrücke über den Neckar in Münster. Dort queren neben den Autos auch die beiden Stadtbahnlinien U 12 und U 14 den Fluss. Gleich vier Stadtbahnlinien sowie der Verkehr auf der Heilbronner Straße werden betroffen sein, wenn die Brücke über die Gäubahn beim Eckartshaldenweg ersetzt wird. Die Brücke der Talstraße beim Gaskessel sowie die der Schwieberdinger Straße in Zuffenhausen über die Bahngleise tauchen auf der Liste der zu ersetzenden Bauwerke auf. Gleiches gilt für drei Fußgängerstege über die Bahngleise bei der Presselstraße, der Rotenwaldstraße und am Eckartshaldenweg.

Dirk Thürnau, Technischer Bürgermeister der Stadt Stuttgart, weist auf die langen Realisierungszeiträume hin. „Wenn alles gut läuft, brauchen wir ohne Behelfsbrücken rund sechs bis acht Jahre für ein solches Projekt.“ Dass man sich im städtischen Umfeld befinde, erschwere die Vorhaben. „Das macht Planung, Kosten und Zeit schwer kalkulierbar.“

Auch Tunnel in Stuttgart betroffen

Bei den Bauwerken, bei denen dringende Instandsetzungsarbeiten geboten sind, finden sich neben Brücken auch viel befahrene Tunnel in der Stadt wie der Heslacher Tunnel, der Wagenburgtunnel oder B-295-Tunnel in Feuerbach. Saniert werden müssen die Brückenabschnitte an der Weinsteige, die König-Karls-Brücke über den Neckar samt das sich auf Cannstatter Seite daran anschließende Bauwerk über die Schönestraße. Auch die Neckarquerungen im Zuge der Otto-Hirsch-Brücken, der Otto-Konz-Brücken und der Schleusenbrücke in Hofen sind sanierungsbedürftig. Für die Instandsetzung bestehender Brücken veranschlagt Tiefbauamtschef Jürgen Mutz „für die kommenden 20 Jahre mindestens 15 Millionen Euro jährlich“. Die Investition sei unumgänglich, „um kurzfristige Einschränkungen und Sperrungen zu vermeiden und um eine Trendumkehr des allgemeinen Bauwerkszustands zu bewirken.“

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