Die Landesregierung hat ein Konzept vorgestellt, mit dem die Verkehrssicherheit erhöht werden soll. Die Strategie setzt bei der Sanierung der Straßen an sowie beim Verhalten der Verkehrsteilnehmer. Eine wichtige Rolle spielen die Senioren.
Stuttgart - Im Jahr 2012 sind in Baden-Württemberg 471 Menschen im Straßenverkehr gestorben. „Das sind mehr Tote als bei Kriminaldelikten“, sagt Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD). Die Zahl entspreche der Einwohnerzahl eines kleinen Dorfes, und zeigt die Dimension. Da ist es ein schwacher Trost, dass in der Tendenz weniger Menschen auf der Straße sterben, obwohl die Zahl der Unfälle zunimmt.
Der Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) ist überzeugt davon, dass sich die Zahl der Verkehrstoten weiter senken lässt. Gemeinsam mit Fachleuten anderer Ministerien hat das Verkehrsministerium binnen eines Jahres ein Verkehrssicherheitskonzept ausgearbeitet. Es umfasst auf 87 Seiten viele Aspekte von der Forderung nach einem allgemeinen Tempo 90 auf Landstraßen bis zur Null-Promille-Grenze nicht nur für Fahranfänger, sondern für alle Kraftfahrer. Zwei Strategien tragen das Konzept. Dabei geht es erstens um die Straßen selbst und zweitens um die Menschen, die darauf fahren oder auch zu Fuß gehen. „Die Sanierung von Straßen soll sicherheitsorientiert erfolgen, das war bisher nicht so“, sagt Hermann. Und er teilt mit, dass die Landesregierung die Mittel für den Erhalt und die Sanierung von Landesstraßen auf 100 Millionen Euro verdoppelt hat.
Die Straßen bekommen Steckbriefe
Um kritische Straßenabschnitte gut erkennen zu können, wurde ein sogenanntes Screening entwickelt. „Damit können wir die Straßen bis zu 100-Meter-Abschnitten auf Unfallschwerpunkte hin analysieren. In dieser Detailtiefe durchleuchtet kein anderes Bundesland sein Netz“, erklärt Hermann. In diese Daten fließen neben dem Straßenzustand auch Ergebnisse von Verkehrszählungen ein oder Informationen über die gefahrenen Geschwindigkeiten. Die Straßen erhalten Steckbriefe. So soll eine schnelle und gezielte Reaktion auf Unfallschwerpunkte möglich werden. Dabei kann es sich um eine geänderte Beschilderung handeln, optimierte Fahrbahnmarkierungen oder Leitplanken mit Unterfahrschutz zum Schutz der Zweiradfahrer.
Weil für die flächendeckende Einführung von Tempo 90 auf Landstraßen der Bund zuständig ist, muss sich das Land dabei auf unfallträchtige Abschnitte beschränken. Die Verkehrsexperten argumentieren mit Schweizer Studien, laut denen pro Stundenkilometer Geschwindigkeitsreduktion die Zahl der Unfälle um zwei Prozent abnahm. Die Analyse dieses Netzes soll jährlich erfolgen, und zwar für alle Verkehrsteilnehmer.