Über den Flughafentunnel, der Filderstadt-Bernhausen mit Stuttgart-Plieningen verbindet, wurde bereits viel diskutiert. Der Vorschlag des Landes, den Tunnel einseitig für Autofahrer zu sperren, um dadurch mehr Platz für Radfahrer zu schaffen, steht in der Kritik. Das Regierungspräsidium und Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) nahmen die Proteste gegen eine
mögliche Teilsperrung nun zum Anlass, die Strecke mit einigen Interessensvertretern entlang zu radeln. Mit dabei sind unter anderem der Oberbürgermeister von Filderstadt, Christoph Traub, Stadträte aus Stuttgart, Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen sowie Mitglieder des Radbündnisses Filder und des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Rund 70 Menschen haben an der Radtour teilgenommen.
Rund 70 Radler nehmen an der Tour teil
Minister Hermann freut sich über die vielen Radfahrer. Nach den Protesten sei es für alle an der Zeit, sich die Strecke durch den Flughafentunnel sowie eine Umfahrungsmöglichkeit um den Flughafen herum persönlich anzuschauen. „Es gab viele Experten, die dort noch nie Rad gefahren sind, aber alles besser wussten“, sagt Hermann.
Angeführt wird der Konvoi von Sebastian Knecht aus dem Planungsreferat des Regierungspräsidiums. An der Spitze fährt auch der Verkehrsminister mit. Ihm folgen die rund 70 Teilnehmer, begleitet von Polizeibeamten und Ordnungskräften. Vom Startpunkt in Filderstadt-Bernhausen geht es für die Gruppe direkt durch den Flughafentunnel. Dort bleibt ihnen allerdings die schmale Spur für Radfahrer und Fußgänger erspart, denn wegen der Größe der Gruppe dürfen die Radler ausnahmsweise die Autospur nutzen.
Beim Tunnelbau nur an Autofahrer gedacht
Einzelnen Radfahrern ist es jedoch regulär verboten, die Fahrbahn zu benutzen. Ihnen steht die Radspur zur Verfügung, die jedoch über eine längere Strecke im Tunnel nur einen Meter breit ist. Diese Spur müssen sich nicht nur die Radfahrer aus beiden Fahrtrichtungen teilen, auch Fußgänger sind dort unterwegs.
Beim Bau des Tunnels in der 1960er Jahren habe man in erster Linie an die Autofahrer gedacht, erklärt Hermann. „Das war eine ganz andere Zeit.“ Heute gebe es viel mehr Radfahrer als früher, sagt der Minister. Aus Sicht des Verkehrsministeriums würde es sich im Rahmen einer Sanierung des Tunnels anbieten, die Fahrbahnaufteilung zu ändern. Die Sicherheitstechnik im Tunnel ist inzwischen veraltet, die Betriebserlaubnis des Tunnels endet im Juni 2026. Bis dahin muss die Sicherheitsausstattung erneuert werden. „Wenn man das jetzt macht, muss man auch mal an die Fuß- und Radfahrer denken“, sagt Hermann.
Minister Hermann will eine verträgliche Lösung finden
Nach den Plänen des Landes wäre damit eine Teilsperrung des Tunnels für Autofahrer in nördliche Fahrtrichtung verbunden. Autofahrer, die von Filderstadt nach Stuttgart fahren wollen, müssten sich dann auf Umwege einstellen, weil sie den Flughafen westlich oder östlich umfahren müssten. Dieser Vorschlag wird weithin kritisiert, eine Online-Petition gegen die Teilsperrung läuft noch bis Mitte Juli.
„Wenn alle dagegen sind, werden wir es nicht machen“, sagt Verkehrsminister Hermann – obwohl das Land die Entscheidungshoheit über das Projekt habe. Er erklärt, eine „verträgliche Lösung für alle“ finden zu wollen, weist aber darauf hin, dass es keine besseren Alternativen gäbe. Eine Ampelschaltung würde zu Staus führen. Ein zweiter Tunnel wäre mit Kosten von rund 100 Millionen Euro zu teuer, zumal der neue Tunnel wegen einer inzwischen längeren Start- und Landebahn des Flughafens tiefer gebaut werden müsste als der erste, erläutert Hermann.