Stadtautobahn in Stuttgart 50 Prozent weniger Verkehr bis 2030 – Was passiert mit der B 14?

Von Armin Friedl 

50 Prozent weniger Verkehr bis 2030: Der Verein „Aufbruch Stuttgart“ präsentiert Lösungen von Verkehrsplanern für eine Neugestaltung der Stadtautobahn B 14

Stadträte wie Alexander Kotz (CDU) stellen sich auf dem  Architektur-Symposium den Fragen des Aufbruch-Stuttgart-Vorstandsvorsitzenden Wieland Backes (links) Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Stadträte wie Alexander Kotz (CDU) stellen sich auf dem Architektur-Symposium den Fragen des Aufbruch-Stuttgart-Vorstandsvorsitzenden Wieland Backes (links) Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Stuttgart im Wandel von der autogerechten zur menschengerechten Stadt – da geht es bei den Verkehrsplanern inzwischen nicht mehr darum, noch mehr Verkehr unter die Erde zu verlegen oder den schon vorhandenen Unterfahrungen noch größere Betondeckel überzustülpen. Der Verkehr von morgen fließt ausschließlich oberirdisch, muss deshalb aber – logischerweise – erheblich reduziert werden.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) spricht von der autofreien Innenstadt, der Gemeinderat hat das Ziel gesetzt, den Verkehr bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent zu reduzieren. Es geht da – natürlich – vor allem um das Auto. Und darum, dass Mobilität weiterhin möglich ist und ausgebaut werden kann.

Wie geht das zusammen? Der Verein Aufbruch Stuttgart hat sich in einem dreitägigen Symposium in den Räumen der Industrie- und Handelskammer um diesen Spagat bemüht. Und er hat sich dabei auf eine ganz bestimmte Planungsaufgabe konzentriert, deren Problematik offensichtlich ist für jeden, der auch nur kurz in Stuttgart weilt: die Gestaltung der Stadtautobahn, also der B 14 zwischen Gebhard-Müller-Platz, Höhe Wagenburgtunnel, bis zum Marienplatz, wo heute täglich mehr als 70 000 Fahrzeuge unterwegs sind. Fünf Planungsbüros haben diesen teils zehn- bis zwölfspurigen Straßenmoloch aus den 1960er und 1970er Jahren begutachtet und ihre Lösungsvorschläge vorgestellt.

Praktische Erfahrungen aus anderen Städten

Auch Verkehrsplaner aus Zürich, Wien oder Brüssel sind nach Stuttgart gekommen – Städte, die schon seit Jahren praktische Erfahrungen mit Verkehrskonzepten machen, die hierzulande noch auf sehr hohem abstraktem Niveau diskutiert werden. Und Städte, in denen das Verkehrschaos noch viel größer ist als in Stuttgart.

Denn wenn Architekten oder Planer heute in Computeranimationen ihre Visionen von morgen vorstellen, mangelt es nicht an vielen grünen Bäumen und blauem Himmel. Das war hier bei diesem Symposium auch nicht viel anders.

Das kann heute schon geändert werden

Interessanter für die nicht fachlichen Besucher war deshalb, was heute schon getan werden kann, damit mehr Stadtraum für die Menschen zurückerobert werden kann. Denn klar ist schon: Allein mit der Neugestaltung der B 14 lässt sich das sehr ehrgeizige Ziel – 50 Prozent weniger Verkehr – nicht realisieren. Dazu sind übergreifende Überlegungen notwendig, die Autobahnen rund um Stuttgart eingeschlossen. Darauf macht etwa das Büro R + T aus Darmstadt aufmerksam.

Der Wilhelmsplatz als Einheit

Unabhängig voneinander haben die fünf Büros einen Platz auserkoren, an dem schon jetzt viel getan werden könnte, um Stadtraum zurückzugewinnen: die Kreuzung am Wilhelmsplatz.

Die Gestaltung der Fahrwege sei hier überfällig, seitdem die Durchfahrt für den Allgemeinverkehr zum Rotebühlplatz nicht mehr möglich ist. Basler & Hofmann aus Zürich schlagen dazu vor, die Straße quer durch den Wilhelmsplatz zu kappen. Und Romain Molitor von Komobile aus Wien zeigt im Fotovergleich zu Wien, dass ein Verkehr wie am Charlottenplatz auch auf einem Fünftel dieser Fläche abgewickelt werden kann. Doch ansonsten hatten sich die Planer gerade an diesem Verkehrsknotenpunkt die Zähne ausgebissen.

Bis zum Ende dieses Jahres will die Stadt einen Architektenwettbewerb zum Thema „Stadtraum B 14“ ausschreiben. Vielleicht nehmen ja auch die Büros dieses Symposiums daran teil.

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