Verkehrsprojekt im Kreis Ludwigsburg Rückenwind für die Freunde der großen Lösung

Von Julian Illi 

Der Bund plant wieder mit dem Nord-Ost-Ring: diese Nachricht löst ganz unterschiedliche Reaktionen aus. In Remseck bringen sich die Befürworter in Stellung – doch es gibt auch reichlich Kritik.

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Remseck - Wäre der Nord-Ost-Ring, jene seit Langem diskutierte Trasse zwischen Kornwestheim und Waiblingen, ein Pferd – wie er so manches Mal tituliert wurde: man hätte sich in den vergangenen Jahren oft Sorgen machen müssen. Von verschiedenen Seiten wurde diesem Gaul nämlich nur noch eine kurze Lebensdauer prognostiziert, nicht selten gar sein Tod festgestellt. So wunderte sich Fellbachs OB Christoph Palm im Herbst, warum die Unterstützer noch nicht von dem darbenden Reittier abgestiegen waren: „Es ist unsinnig, ein totes Pferd zu reiten.“

Doch seit Kurzem dürften sich jene, die immer an die Vitalität des Projekts geglaubt haben, bestätigt fühlen: Es scheint so lebendig wie nie zuvor. „Dieses Pferd ist bei weitem nicht tot“, sagt nun Gerhard Waldbauer, der Fraktionschef der Freien Wähler im Remsecker Gemeinderat. Er freut sich, dass es die Trasse in den jüngst veröffentlichten Entwurf des Bundesverkehrswegeplans geschafft hat. Und er freut sich auch, dass die ökologische Bewertung besser ausgefallen ist als in der Vergangenheit. Denn die Planer haben dem Nord-Ost-Rind jetzt eine „mittlere“ Umweltbetroffenheit attestiert, in früheren Entwürfen war diese als „hoch“ angesehen worden.

Der neuen Straße wird ein hoher Nutzen bescheinigt

Am meisten freuen sich Waldbauer und die übrigen Befürworter der als B 29 geplanten Bundesstraße aber über den errechneten Kosten-Nutzen-Faktor. Dieser liegt für den Nord-Ost-Ring bei über zehn, einem Wert, den nur die wenigsten Straßenbaupläne überhaupt erreichen.

Um dem gewissermaßen wiederbelebten Pferd noch mehr Leben einzuhauchen, hat Waldbauer daher gemeinsam mit den Kollegen der CDU und der FPD einen Antrag in den Gemeinderat eingebracht. Die Stadträte wollen, dass das Gremium entscheidet, dass sich die Stadt während des momentan laufenden Beteiligungsverfahrens nur positiv zum Ring äußern soll. Außerdem soll die Verwaltung beantragen, dass die Umfahrung in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen wird.

Dass der Antrag der drei Fraktionen angenommen wird, scheint realistisch, haben sie doch eine Mehrheit im Rat. Und auch die Rathausspitze ist ähnlicher Meinung: Er begrüße, dass der Ring in dem Papier enthalten sei, sagt der Oberbürgermeister Dirk Schönberger. Es sei wichtig und erforderlich, dass die Trasse geplant werde.

Rund 210 Millionen würden die Trasse wohl kosten

Sowohl für den OB als auch für den FW-Chef Waldbauer ist der Ring aber kein Ersatz für die neue Westrandbrücke über den Neckar, über die ebenfalls seit Jahren diskutiert wird. Beide betrachten die Projekte eher unabhängig voneinander – und wollen daher sowohl die Neckarquerung westliche der Neuen Mitte als auch die in der Vergangenheit als „große Lösung“ bezeichnete Nord-Ost-Umfahrung. Deren Kosten werden auf rund 210 Millionen geschätzt.

Doch auch die zahlreichen Kritiker des Projekts haben sich längst in Stellung gebracht – und glauben allesamt nicht, dass das tote Pferd wirklich auferstanden ist. So legt der Fellbacher OB Palm nach: Er verstehe nicht, wie man „halsstarrig“ an einer „absolut unrealistischen“ Idee festhalten könne. Jospeh Michl, der Vorsitzende der Bürgerinitiative Arge Nord-Ost, sagt: „Ein missratenes Essen wird durch mehrmaliges Aufwärmen auch nicht besser.“ Neben Fellbach lehnen Stuttgart und Kornwestheim sowie das Verkehrsministerium des Landes den Ring ab. In der Versammlung des Verbands Region Stuttgart fand sich dagegen eine Mehrheit, das Projekt für den Verkehrswegeplan in Berlin anzumelden.

Das Beteiligungsverfahren läuft noch bis 2. Mai. Bis dahin können Städte, aber auch Bürger ihre Meinung zum Bundesverkehrswegeplan äußern.