Verkehrsprojekt in Weil der Stadt Die Mobilität der Zukunft
Die Verkehrswege am Schulzentrum sind sichtbar zur Fahrradstraße und zum verkehrsberuhigten Bereich umgestaltet worden. Kunstwerke und Straßenmöbel ergänzen die Aktion.
Die Verkehrswege am Schulzentrum sind sichtbar zur Fahrradstraße und zum verkehrsberuhigten Bereich umgestaltet worden. Kunstwerke und Straßenmöbel ergänzen die Aktion.
Eine aufregende Woche haben die Anlieger an der Jahnstraße und am Schießrainweg in Weil der Stadt hinter sich, ebenso wie die Schülerinnen und Schüler auf dem Schulcampus, die Jugendlichen vom Jugendcafé, die Stadtverwaltung und die vielen Beteiligten der Aktion BWIM.puls, also die Wissenschaftler, Forschenden und Studierenden, die mehrere Tage vor Ort waren und den Verkehrsversuch auf den Weg gebracht haben. Am Freitagsetzte die Taskforce von BWim.pulse mit einer Präsentation der Aktionen für einen Mobilitätswandel einen vorläufigen Schlusspunkt.
„Danke, dass Sie uns ausgewählt haben und dass wir uns in diesem Fall mal nicht bewerben mussten“, sagte der Erste Beigeordnete der Stadt, Jürgen Katz, an die Adresse der Projektverantwortlichen rund um Lorenza Manfredi und Martin Spalek von der Hochschule Biberach. Sie gehören zusammen mit Wissenschaftlern anderer Hochschulen zum Team des Instituts für Nachhaltige Mobilität (BWIM).
Dieses hat sich die aktive Gestaltung der Mobilitätswende in Baden-Württemberg zur Aufgabe gesetzt. „Wir haben hier am Schulcampus viele unterschiedliche Verkehre und künftig wird ja auch baulich viel passieren“, so Katz mit Blick auf die geplanten Schulneubauten. „Wenn wir die Straße dann einmal richtig planen, können wir schon auf die Erfahrungen aus diesem Verkehrsversuch zurückgreifen.“ Katz bezeichnete das Projekt als „Glücksgriff“. Es sei ein spannender Ansatz, wegzukommen von dem, was alles nicht erlaubt ist, hin zu mehr Eigenverantwortung.„Wir stellen heute kein abgeschlossenes Projekt vor“, sagte Martin Spalek in Richtung Zuhörerschaft. Man wolle möglichst viel mitnehmen, was dann in die Auswertung fließe und am Ende in Empfehlungen münde. „Unsere Strategie ist, einfach mal zu machen und in kurzer Zeit darzustellen, wie eine Mobilitätswende aussehen könnte“, erläuterte er die Vorgehensweise. Durch die Fahrradstraße und den verkehrsberuhigten Bereich schaffe man ein neues Verhältnis zwischen den Verkehrsteilnehmern. „Wir wollen schauen, ob das praktikabel ist.“ Er forderte die Jugendlichen vom Jugendcafé und die Anlieger auf, die Situation zu beobachten. Ein Vertreter des Jugendbeirats bedankte sich für das tolle Projekt. Eine Anliegerin lobte ebenfalls die „schönen Straßenmöbel“, die Studierende und das Camposaz-Kollektiv für die Jahnstraße gebaut haben, fragte aber, ob diese für spielende Kinder angesichts des Verkehrs geeignet seien. Die Bänke stehen an einer Haltestelle, die für die morgendlichen Elterntaxis genutzt werde und wo morgens oft „chaotische Zustände“ herrschten. Die Bänke seien in Richtung Gehweg hin orientiert, sodass die Kinder nicht gleich auf die Straße springen, so die Antwort. Eine Anwohnerin fragte Katz, wann die Jahnstraße zur Anliegerstraße und so frei vom Durchgangsverkehr werde.
Was die Architekten, Städtebauer und Kunstschaffenden in den vergangenen Tagen auf die Straßen gestellt und gemalt haben, soll bis 6. September die verschiedenen Verkehre regeln und auch verändern. Die Jahnstraße ist nun als Fahrradstraße ausgewiesen. Um alle Verkehrsteilnehmer darauf aufmerksam zu machen, hat sie zwischen dem Ortseingang und der Einmündung in die Paul-Reusch-Straße einen Anstrich mit weißen Punkten bekommen. Damit der ebenfalls weiße Zebrastreifen dabei optisch nicht untergeht, haben die Projektteilnehmer in einer mitternächtlichen Aktion die Punkte vor und hinter dem Überweg bunt angemalt.
Bunt ging es auch bei der Aktion der britischen Künstlerin Molly Hawkins zusammen mit Schülerinnen und Schülern der Heinrich-Steinhöwel-Schule zu. Sie entwarfen Muster, die die Künstlerin als Bodenmalerei auf den Schießrainweg auftrug. Dieser ist jetzt im unteren Bereich zur verkehrsberuhigten Zone geworden, in der Fußgänger Vorrang haben. Trotz der vielen bunten Farben auf der Straße ist das offensichtlich noch nicht allen Autofahrern klar. Denn manche fahren dort immer noch recht flott durch. Molly Hawkins, die in England durch ihre großformatigen Wandmalereien bekannt ist, nutzte die Gelegenheit, die Mauer zum Treppenaufgang in Richtung Bahnhof ebenfalls farbenfroh zu gestalten.
Wo der Schießrainweg auf die Jahnstraße trifft, steht nun eine große Skulptur von Lorenzo Malloni. Fünf Kokons sollen aus einer Fläche einen Ort der Begegnung machen, so die Vorstellung des italienischen Künstlers. Ein Ort zum Tanzen wurde der ausnahmsweise autofreie Festplatz, an dem sich viele Schülerinnen und Schüler mit dem bekannten Tänzer und Choreografen Eric Gauthier einen Vormittag lang zur Musik bewegten.
Die Aktionswoche sei auf verschiedenen Ebenen mit vielen Beteiligten vorbereitet worden, erklärte Projektleiterin Lorenza Manfredi. „Wir wollten nicht nur auf der Verkehrsebene etwas machen, sondern auch atmosphärisch. Wir wollen, dass die Leute Spaß haben“, erklärt die Wissenschaftlerin. „Denn das ist der beste Weg, um etwas zu bewirken.“