Verkehrsstreit in Leonberg SPD-Chef poltert gegen Platz für Lastenfahrräder
Für Ottmar Pfitzenmaier ist der Wegfall von Autostellplätzen am Leonberger Marktplatz „politisch instinktlos“ und eine „Provokation“
Für Ottmar Pfitzenmaier ist der Wegfall von Autostellplätzen am Leonberger Marktplatz „politisch instinktlos“ und eine „Provokation“
Im Leonberger Gemeinderat ist Ottmar Pfitzenmaier für scharfzüngige Bemerkungen bekannt, bei einigen vielleicht sogar gefürchtet. Der frühere Banker schaut genau hin, wenn es um Zahlen und Kosten geht und legt bei so manchem Projekt den Finger in die finanzielle Wunde.
Weniger ums Geld, mehr um die symbolische Außenwirkung ging es dem Chef der SPD-Fraktion jüngst bei einem bemerkenswerten Redebeitrag im Leonberger Finanzausschuss. Pfitzenmaier nahm sich des neuen Stellplatzes für Lastenräder am Marktplatz an. Der hat zuletzt für reichlich kontroversen Gesprächsstoff gesorgt, weil dafür ein Parkplatz weggefallen ist, das neue Angebot von Lastenradlern aber kaum genutzt wird.
Zwar habe seine Fraktion neue Radständer für den Marktplatz beantragt, hub Pfitzenmaier seine Philippika an. Doch dieses Ansinnen sei in der Umsetzung durch das städtische Referat für innovative Mobilität „missbraucht“ worden. „Uns ging es um ein Zusatzangebot, nicht aber um die Reduzierung von Pkw-Stellplätzen“, erklärte der Sozialdemokrat. Und mit Blick auf die große öffentliche Kritik an dem Lastenstellplatz: „Das ist politisch instinktlos, ohne jedes Gespür für die Stimmung in der Stadt.“ Das Schild, das die Fläche an der Einmündung zur Klosterstraße als Parkfläche für Lastenräder ausweist, sei eine „Provokation“, die ganze Aktion „unklug“.
Tatsächlich hatte der Wegfall des Autoplatzes direkt vor dem ehemaligen Tabakladen zu heftigen Debatten im Internet geführt. Selbst Andreas Nickl, der Chef des Biomarktes „Mutter Natur“, dessen Kundschaft eher dem ökologisch bewussten Publikum entspricht, hatte im Gespräch mit unserer Zeitung die Platzwahl kritisiert: „Keiner versteht, warum sie gerade an diesem Standort montiert wurden, wo sie keiner nutzt.“
Die Stadt wiederum verweist auf die begrenzten Möglichkeiten, am Marktplatz einen Fahrradstellplatz zu errichten. Wegen Rettungswegen, etlichen Freiluftveranstaltungen und der Außengastronomie gebe es keine große Auswahl.
In der Kommunalpolitik hatte der Umstand, dass der Fahrradplatz ohne Beschluss des Gemeinderates eingerichtet wurde, ebenfalls für Unmut gesorgt. Da das Vorhaben bisher lediglich 7900 Euro gekostet habe, sei ein Ratsbeschluss nicht nötig, heißt es aus dem Rathaus. Die Zustimmung des Oberbürgermeisters reiche aus.