Investitionsstau
Es herrsche ein breiter Konsens in der Bevölkerung, so die Demoskopen, dass zu wenig in den Bau und Erhalt von Straßen, Brücken und andere Verkehrsbauwerke investiert worden ist: 62 Prozent sind dieser Ansicht. Der Anteil der Zufriedenen – die mit „Es wird ausreichend investiert“ antworten – ist auf neun Prozent gesunken. In einer Vergleichsstudie von 2015 lag er noch bei 25 Prozent. Etwas besser als Land-, Kreis- und Ortsstraßen, denen 39 Prozent einen „sehr oder eher schlechten Zustand“ attestieren, schneiden die Autobahnen ab, hier bemängeln 30 Prozent den baulichen Zustand. Nach dem Schienennetz war in der Leitfrage nicht ausdrücklich gefragt worden, aber an anderer Stelle der Umfrage heißt es, dass nur wenige Bürger dort ein Problem sehen.
Verkehrspolitische Probleme
An erster Stelle der von den Befragten genannten „größten verkehrspolitischen Probleme“ des Landes stehen Busse und Bahnen: Die Preise im öffentlichen Nahverkehr seien zu hoch, sagt eine Mehrheit. Auffällig ist aber, dass gleich die nächsten drei Probleme in der Rangfolge sich ums Auto drehen: zu viele Staus, schlechter Straßenzustand und zu wenige Parkplätze in den Citys. Die von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) häufig angesprochenen Ziele wie Ausbau der Radwege oder Modelle für Car-Sharing landen auf den hinteren Plätzen. „Themen, die mit dem Umweltschutz diskutiert werden, gehören aus Sicht der Bevölkerung weniger zu den verkehrspolitischen Baustellen des Landes“, heißt es.
Keine Verkehrswende weg vom Auto
Nach wie vor sei das Auto für die „überwältigende Mehrheit der Bevölkerung das mit Abstand wichtigste Fortbewegungsmittel“, sagen die Demoskopen. Dass die Bürger ihr Mobilitätsverhalten für den Klimaschutz änderten, sei nur „bedingt“ der Fall. 68 Prozent der Autofahrer wollen nicht auf den ÖPNV umsteigen, nur für 20 Prozent von ihnen kommt ein Umstieg ernsthaft in Frage. Aber in dieser Gruppe sind die Jüngeren (18 bis 29 Jahre) mit 32 Prozent am stärksten vertreten, die über 60-Jährigen am geringsten (17 Prozent). Ähnlich ist das Bild bei den E-Autos: für 48 Prozent kommt ein Kauf in den nächsten Jahren „nicht in Frage“, für 33 Prozent erscheint er möglich. Auch in dieser Gruppe der Aufgeschlossenen sind die Jüngeren am stärksten vertreten (38 Prozent), Senioren am schwächsten (27).
Ungeliebtes Stuttgart 21
Bei der Volksabstimmung vor neun Jahren in Baden-Württemberg stimmten fast 59 Prozent für das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21. Nun ergibt sich eine andere Stimmungslage im Land – heute sieht das Meinungsbild laut Allensbach-Umfrage im Südwesten deutlich skeptischer gegenüber dem Großprojekt im Herzen der Stadt aus. Eine relative Mehrheit von 40 Prozent hält die Entscheidung für den Umbau des Stuttgarter Bahnhofs und die Neubaustrecke nach Ulm für „nicht richtig“, nur 27 Prozent halten den Baubeschluss für richtig, der Rest ist unentschieden oder die Frage ist egal.
Sehen Sie hier die erste Fahrt auf der Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm im Video.
Unbekannter Minister
Über Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), einst Stuttgart-21-Gegner, fällt das Urteil der Befragten mehrdeutig aus: 26 Prozent haben keine gute Meinung von dessen Arbeit, und nur zwölf Prozent haben eine „gute Meinung“ von ihm. Bemerkenswert hoch ist der Anteil derjenigen mit unklarer Haltung: 36 Prozent sagen, sie seien unentschieden in ihrem Urteil über Minister Hermann, und 26 Prozent kennen ihn überhaupt nicht.
Tempolimit auf Autobahnen
Immerhin stößt die Grünen-Forderung nach einem Tempolimit auf Autobahnen auf Anklang: 47 Prozent der Befragten sind für die Geschwindigkeitsbeschränkung, 34 Prozent sind dagegen und 19 Prozent sagen, „es kommt darauf an“ – ohne das zu spezifizieren. Die meisten finden eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h am besten (37 Prozent), für 140 km/h sprechen sich 31 Prozent aus, für 120 km/h sind 16 Prozent und für ein Limit oberhalb von 140 km/h elf Prozent.