Verkehrsversuch in Stuttgart abgelehnt Gleich zwei Bezirke sagen Nein zu Fahrradstraßen

Von Marta Popowska 

Die Bezirksbeiräte haben Vorschläge der Stadtplaner für die Pforzheimer Straße und die Kruppstraße abgelehnt. Eine Änderung gibt es nicht einmal versuchsweise.

Die Pforzheimer Straße in Weilimdorf Foto: Marta Popowska
Die Pforzheimer Straße in Weilimdorf Foto: Marta Popowska

Weilimdorf/Feuerbach - Die Enttäuschung war den Stadtplanern sichtlich anzumerken. Mit acht zu sieben Stimmen lehnten die Bezirksbeiräte in Weilimdorf die Fahrradstraße auf der Pforzheimer Straße ab – nicht einmal testweise für ein Jahr sollte es sein. Und schon eine Woche später folgte die nächste Absage: Auch der Feuerbacher Bezirksbeirat votierte bei Stimmengleichheit (9:9) mit Nein zur Fahrradstraße auf der Kruppstraße.

„Wir haben mit Fragen, aber nicht mit einer Absage gerechnet“, sagte Stadtplaner Rainer Wallisch nach der Entscheidung des Gremiums in Weilimdorf. Schließlich würde die Nebenfahrbahn zwischen Kolberger und Goslarer Straße schon jetzt mehr von Rad- als von Autofahrern genutzt, betonte der Leiter des Sachgebiets Verkehrsentwurfsplanung beim Stadtplanungsamt.

Mit Fragen gerechnet, nicht mit Absage

Der Anliegerteil der Pforzheimer Straße ist Teil der Hauptradroute 6 und dient als Radverbindung zwischen Weilimdorf und Feuerbach. Rainer Wallisch hob hervor, dass der 540 Meter lange Abschnitt bereits eine 30er Zone sei. Somit handle es sich in diesem Fall letztlich nur um eine neue Etikettierung mit der Neuerung, dass Radler künftig auch nebeneinander fahren dürften. „Unser Auftrag ist es, den Radverkehr zu fördern und sichtbarer zu machen. Wir wollen stark dafür werben, dass Sie dem zustimmen“, appellierte Wallisch an das Gremium.

Doch die Bezirksbeiräte von CDU, FDP, AfD und Freien Wählern äußerten Bedenken. Stephan Gier (CDU) befürchtete Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern, wenn diese sich die Straße teilen müssten, aber der Radverkehr Vorrang habe. Die Aussage der FDP, man wolle keine Fahrradstraße, quittierten einige Menschen im Publikum mit Beifall. Zudem fürchtete man um die Sicherheit der Schüler der Musikschule an der Pforzheimer Straße, welche die Straße auch nutzen. Annekathrin Essig (Grüne) machte sich stark für die Idee und verwies auf den Unfall-Atlas: „Es sind andere Stellen, an denen Radfahrer und Fußgänger verunglücken. Wenn doch eigentlich nichts verändert wird, können wir den Versuch doch starten.“ Einig war man sich, dass man in erster Linie den Schleichverkehr und die Falschparker in den Griff bekommen wolle. „Wir haben das geprüft und sehen keine Gefährdung für Fußgänger“, betonte Rainer Wallisch und bat das Gremium zumindest einer einjährigen Testphase zuzustimmen. Erfolglos.

Auch in Feuerbach kein Erfolg

Eine Woche später erlebten der Stadtplaner und seine Kollegin Carolin Spiesberger eine ähnliche Situation in Feuerbach. Hier stand die Kruppstraße zur Diskussion. Der 580 Meter lange Abschnitt ist Teil der Hauptradroute 21 (Feuerbacher-Tal-Radweg) und wichtige Verbindung der Route 6. Über sie gelangt man vom Alten Friedhof über den Feuerbacher Bahnhof, zur Heilbronner Straße und nach Zuffenhausen. Die Straße verläuft entlang von Gewerbeflächen, ansässig ist etwa die Firma Bosch. Bauliche Veränderungen würden zwar für die Fahrradstraße keine notwendig werden, doch einige Parkplätze müssten weichen. Das stelle aber kein Problem dar, sagte Wallisch. Die Mitarbeiter der Firma Bosch könnten beispielsweise in ein neues Parkhaus ausweichen. Dennoch konnte der Stadtplaner am Ende die Bezirksbeiräte von CDU, FDP, AfD und die Freien Wähler nicht überzeugen. Bei Stimmengleichheit (9:9) wurde die Fahrradstraße abgelehnt. „Die Konservativeren im Bezirksbeirat wollen mit Radfahren nichts zu tun haben. Sobald ein Parkplatz wegfällt, sagen sie nein“, sagte der Reiner Götz (Grüne) nach der Sitzung. Er könne sich vorstellen, dass der Gemeinderat das Votum aber überstimmt. Davon spricht Wallisch noch nicht. Man habe den Auftrag, in jedem Bezirk eine Radstraße einzurichten. Von der einstigen Liste mit elf Straßen sind nun neun übrig. „Wir werden jetzt unsere Arbeit fortsetzen und als nächstes die Burgenlandstraße in Feuerbach, vorstellen.“

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