Verkehrsversuch in Weil der Stadt Jahnstraße wird zur Fahrradstraße

Hier treffen Radfahrer auf Elterntaxis, Fußgänger auf Einkäufer: Die Jahnstraße rund um den Schulcampus. Foto: Jürgen Bach

Wie der Verkehr rund um den Schulcampus in der Jahnstraße einmal gestaltet werden könnte, soll in einem groß angelegten Projekt erprobt werden. Der Verkehrsversuch, der den ganzen Sommer läuft, startet mit einer bunten Aktionswoche.

Das Baden-Württemberg Institut für Nachhaltige Mobilität (BWIM) und die Stadt Weil der Stadt starten am Samstag, 22. Juni, mit einem Verkehrsversuch in der Jahnstraße. Bis Ende der Sommerferien wird sich die Verkehrsführung rund um den Schulcampus grundlegend verändern. Die Jahnstraße verwandelt sich bis zum Stadionstüble in eine Fahrradstraße, der Schießrainweg wird zur verkehrsberuhigten Zone erklärt.

 

Das soll nicht heißen: Autos raus. Stattdessen geht es dem Projektteam um eine Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer. In der Jahnstraße sollen Fahrräder Vorrang haben, im Schießrainweg gilt Schrittgeschwindigkeit. Damit soll, so heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Stadt und BWIM, Fußgehenden und Radfahrenden mehr Raum und Sicherheit geboten und die Lebensqualität im gesamten Quartier verbessert werden, ohne den Zugang für den Autoverkehr einzuschränken.

Weil der Stadt erst zweite Projektkommune

Stattfinden wird der Weiler Verkehrsversuch im Rahmen des Projekts „bwim.puls“, mit dem das BWIM den nachhaltigen Mobilitätswandel kleiner und mittlerer Städte mit hohem Handlungsdruck unterstützen will. „Unser Ziel ist es, den Menschen vor Ort die vielen kleinen Chancen im Bestehenden und den persönlichen Mehrwert aufzuzeigen“, erklärt Christoph Hupfer, Leiter des BWIM und Professor für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der Hochschule Karlsruhe. „Dabei geben wir nicht vor, was sie tun sollen, sondern setzen Impulse, selbst Lösungen zu finden – in einer Umgebung, die Spaß macht und voller Möglichkeiten steckt.“ Weil der Stadt ist die zweite Kleinstadt, die in Kooperation mit bwim.puls neue Lösungsansätze erprobt. Im April war das Team in Sulz am Neckar aktiv.

Öffentlicher Raum wird neu interpretiert

Starten wird das Projekt in Weil der Stadt mit einer Aktionswoche vom 22. bis zum 29. Juni. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Bereiche Verkehr, Stadtplanung und Architektur baden-württembergischer Hochschulen sollen in dieser Zeit ihre Vorschläge durch Pop-up-Maßnahmen umsetzen – das reicht von Bodenmalerein und dem Aufstellen von Stadtmobiliar bis hin zu verschiedenen Events. Unterstützt wird das Projekt unter anderem vom Choreografen Eric Gauthier vom Theaterhaus Stuttgart, der am 26. Juni mit Schülern der Heinrich-Steinhöwel-Schule tanzt.

Die britische Künstlerin Molly Hawkins, der italienische Raumkünstler und Architekt Lorenzo Malloni und das Kollektiv Camposaz werden sich mit der Neuinterpretation öffentlichen Raums beschäftigen und ihre Ideen während der Aktionswoche gemeinsam mit Architekturstudierenden der Hochschule Biberach und Weiler Schülern umsetzen. Die Servicestelle Ortsmitten der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) stellt Fahrradabstellanlagen, modulare Sitzkombinationen und Liegeoasen auf sogenannten Stadtterrassen auf.

Wie könnte der Verkehr um den neuen Schulcampus aussehen?

Der Verkehrsversuch kommt zu einer Zeit, in der rund um den Schulcampus eine große Veränderung ansteht: 2025 sollen hier die Bauarbeiten für die neue Grundschule beginnen, der Startschuss für ein Weiler „Jahrhundertprojekt“, wie es Bürgermeister Christian Walter einst nannte. „Dies ist ein guter Zeitpunkt, um auszutesten, wie auch die direkte Umgebung zur neuen Qualität des Schulquartiers beitragen kann“, sagt er. „Der Verkehrsversuch im Rahmen von bwim.puls gibt uns die Möglichkeit, neue Erkenntnisse zu gewinnen und gemeinsam mit der Bevölkerung einen Weil-der-Stadt-Ansatz zu entwickeln.“

In der Jahnstraße würden mit Fußgängern, Rädern, Elterntaxis, Parkenden und Kunden in einem kurzen Zeitfenster viele Nutzer auf engem Raum zusammenkommen, kommentiert der Erste Beigeordnete Jürgen Katz. „Es wird spannend sein, ob der Hebel bei den Verkehrsteilnehmern durch die Interventionen von ‚ich zuerst’ auf ‚Rücksicht’ umspringen kann.“

Stammtische, Tänze und Fahrradtouren

Während des gesamten Aktionszeitraums sind die Weil der Städter eingeladen, das Quartier zu besuchen. Anlass dafür könnte auch eine Reihe an öffentlichen Veranstaltungen sein, bei denen sie mit den Akteuren ins Gespräch kommen können. Am 23. und 25. Juni laden die Studierenden der Hochschule Biberach und das Architekturkollektiv Camposaz zu einem Stammtisch ein, jeweils 18.30 Uhr auf dem Festplatz. Am 26. Juni ab 10.30 Uhr tanzen die Kinder mit Choreograf Eric Gauthier auf dem Festplatz. Am 28. Juni startet um 16.30 Uhr eine geführte Fahrradtour mit Fridays for Future, ab 18 Uhr wird das Projekt in der Aula des Schulzentrums präsentiert.

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