Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader (links) und Christoph Erdmenger vom Verkehrsministerium enthüllten das Durchfahrtsverbotsschild. Foto: Elke Hauptmann
Für mehr Sicherheit auf dem Schulweg: In Kirchheim unter Teck ist die Zufahrt zum Freihof-Schulkomplex ab sofort gesperrt. Die Einhaltung des Verbots wird kontrolliert.
Das Land schaue auf Kirchheim, beteuerte Christoph Erdmenger vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg, kurz bevor er zusammen mit Oberbürgermeister Pascal Bader ein – noch provisorisches – Verkehrszeichen feierlich enthüllte: In der Teckstadt wurde offiziell die landesweit erste Schulzone eingeweiht, die auf einer neuen Rechtsgrundlage basiert. Elterntaxis müssen draußen bleiben – die Zufahrt zum Freihof-Schulkomplex ist ab sofort gesperrt.
„Die Schulzone ist ein klares Signal, dass uns die Sicherheit unserer Kinder auf dem Weg zur Schule am Herzen liegt“, betonte Bader. Das Einfahrtsverbot in der Wollmarktstraße sei dringend nötig: „Die Situation war in den vergangenen Jahren schon sehr chaotisch.“ Es sei „fast ein Wunder“, dass nicht Schlimmes passiert sei, fügte Bader hinzu. Immerhin rund 900 Kinder und Jugendliche besuchen die Grund- und die Realschule, viele von ihnen werden von den Eltern mit dem Auto fast direkt vor die Eingangstür gefahren. Auf dem Areal ist zudem noch die städtische Musikschule angesiedelt.
„Der Hol- und Bringverkehr durch Eltern ist ein großes Problem“, so Bader. Er gefährde die Schüler, die sich mitten durch die Autoschlangen hindurch zu Fuß oder mit dem Fahrrad einen Weg bahnen müssten. Um die Unfallgefahr zu minimieren, habe die Stadtverwaltung im Jahr 2022 auf einer Seite der Wollmarktstraße Poller gesetzt. Das, räumte Bader ein, habe die Situation aber nur wenig verbessert. „Die Autos fahren von der anderen Seite rein und müssen dann aber auch wieder wenden.“
Schulzonen sollen Verkehrssicherheit erhöhen
Deshalb sei man froh darüber, dass das Verkehrsministerium mit einem Erlass klare rechtliche Grundlagen dafür geschaffen hat, Elterntaxis zu unterbinden. Städte und Gemeinden können sogenannte Schulstraßen oder Schulzonen einrichten. Erklärtes Ziel ist es, dadurch den Fuß- und Radverkehr zu stärken, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und ein ruhigeres Schulumfeld zu schaffen. Kirchheim gehört zu den ersten Kommunen, die dieses Konzept umsetzen. „Die Schulzone in Kirchheim hat große Strahlkraft ins Land und wird sicher nicht die letzte bleiben“, ist der Vertreter des Verkehrsministeriums überzeugt.
Ein Transparent am Eingangstor zum Freihof-Schulkomplex weist auf die ausgewiesene Schulzone hin. Foto: Elke Hauptmann
Angelegt ist sie als einjähriger Verkehrsversuch. Wie Bader berichtet, habe es im Vorfeld viele Gespräche mit Schulleitungen, Elternvertretungen, Anwohnern, Gastronomen und Gewerbetreibenden gegeben. „Es war nicht leicht, alle Interessen unter einen Hut zu bringen.“ Kirchheims Stadtoberhaupt zeigt sich jedoch zuversichtlich, eine gute Lösung gefunden zu haben – ganz ohne bauliche Veränderungen: Um die Wollmarktstraße als Schulzone auszuweisen, wurde lediglich ein Verkehrsschild an der Kreuzung Herdfeldstraße aufgestellt.
Für Anwohner gibt es einen Einfahrausweis
Die Einhaltung des Verbots wird künftig kontrolliert, kündigte Bader an. In den ersten Wochen will es die Stadtverwaltung noch bei Belehrungen belassen, später droht bei einem Verstoß ein Bußgeld von mindestens 50 Euro. Ausgenommen sind Anwohner, Gewerbetreibende und der Lieferverkehr, die einen Einfahrausweis erhalten. Auch Daniela Rathay, die Leiterin der Musikschule, atmet auf: „Wir sind froh, dass unsere Schüler schwere Instrumente wie Harfen und Kontrabasse auch künftig nicht weit schleppen müssen.“ In solchen Einzelfällen können bei der Stadt Ausnahmegenehmigungen beantragt werden.
Die betroffenen Schulen begrüßen die Maßnahme ausdrücklich. „Wir erwarten, dass die Schulzone die gewünschte Entlastung und Sicherheit bringt“, sagt Andrea Bizer, die Leiterin der Freihof-Grundschule. Doch ob ein Verkehrsschild allein dafür ausreichend sein wird? Der Oberbürgermeister räumt ein: „In einem Jahr werden wir sehen, ob wir nachjustieren müssen.“