Verkehrswende in Ludwigsburg Jetzt kommen die ersten Bustrassen

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Der BRT ist tot, lang lebe der BRT: Bald beginnt der Bau der ersten separaten Busspuren in Ludwigsburg. Noch sind die Auswirkungen auf den Autoverkehr eher gering, aber das dürfte sich ändern – denn die Stadt hat weitreichende Pläne.

Ein Bus fährt in Stuttgart ungehindert und auf einer eigenen Fahrspur am Stau vorbei. Was in der Landeshauptstadt möglich ist, wird  bald auch in Ludwigsburg möglich sein. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Ein Bus fährt in Stuttgart ungehindert und auf einer eigenen Fahrspur am Stau vorbei. Was in der Landeshauptstadt möglich ist, wird bald auch in Ludwigsburg möglich sein. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Ludwigsburg - Kaum ein Vorhaben hat der ehemalige Oberbürgermeister Werner Spec mit mehr Herzblut vorangetrieben: Der BRT, der Bus Rapid Transit, sollte ein Leuchtturmprojekt werden für Ludwigsburg, etwas völlig Neuartiges. In anderen Regionen der Welt, etwa in Frankreich, Südamerika oder Asien, sind die riesigen Schnellbusse längst fester Bestandteil des Öffentlichen Nahverkehrs, aber in Deutschland sieht man die stadtbahnähnlichen Busse noch nahezu nirgends. Werner Spec träumte von einem umfassenden Liniennetz mit separaten Busspuren innerhalb des Stadtgebiets und in der Region, bestückt mit hochmodernen Fahrzeugen und am besten angetrieben mit Wasserstoff.

Im Vergleich zu solch hochfliegenden Ideen klingt das, was nun beginnt, profan: Mit der „Einrichtung von Busspuren in der Schorndorfer Straße und der Schlossstraße“ wird sich der Mobilitätsausschuss am kommenden Donnerstag beschäftigen. Doch dahinter steckt mehr, als der Titel vermuten lässt – nämlich ein Meilenstein der Verkehrswende in Ludwigsburg. Von einem „ersten wichtigen Schritt“ spricht der Oberbürgermeister Matthias Knecht. Einem Schritt, dem möglichst zügig weitere folgen sollen.

Was wird jetzt umgesetzt?

Auf wenigen Politik-Feldern setzt Knecht sich so deutlich von seinem Vorgänger ab wie in der Verkehrspolitik. Der neue OB spricht nicht von Leuchttürmen, sondern forciert pragmatische Lösungen. Und so hat der Name BRT zwar überlebt, aber nicht mehr als Abkürzung für den Bus Rapid Transit. Ab sofort steht BRT im Rathaus für: Bus-Rad-Trasse. Für den Einstieg hat die Verwaltung zwei Teilabschnitte ins Auge gefasst. In der Schorndorfer Straße wird im April stadteinwärts, zwischen dem Schorndorfer Torhaus und dem Blüba, eine der beiden Autospuren in eine Trasse für Busse und Radfahrer umgewandelt. Analog dazu wird nach den Osterferien in der Schlossstraße, ebenfalls nur stadteinwärts und bis zur Sternkreuzung, den Autos eine Spur weggenommen zugunsten des ÖPNV.

Große bauliche Veränderungen sind dazu nicht vonnöten. Man setzte bewusst auf „schnell realisierbare Lösungen, um zeitnah Verbesserungen für den ÖPNV zu erreichen“, erklärt das Rathaus.

Ist das schon ein BRT?

Auch wenn die Stadt den Begriff BRT umdefiniert hat: Was nun gemacht wird, enthält Elemente, die einen klassischen Bus Rapid Transit auszeichnen. Das wichtigste: Der Bus ist schnell, weil er auf eigenen Fahrspuren fährt. „Die Leute denken beim BRT immer an riesige Fahrzeuge, die mit Tempo 80 vorbei an Lärmschutzwänden durch die Stadt donnern“, sagt der Bürgermeister Michael Ilk. Dabei sei im Kern nur entscheidend, dass Schnellbusse, wo immer der Straßenraum es zulässt, möglichst freie Fahrt haben.

Lesen Sie hier: Knecht will die Verkehrswende in Ludwigsburg

Dies ist künftig in der Schorndorfer Straße und der Schlossstraße der Fall, aber ein BRT zeichnet sich noch durch andere Aspekte aus: Die Passagiere dürfen Tickets nur vorab kaufen, nicht im Bus – das spart Zeit. Aus demselben Grund ist auf BRT-Strecken der Abstand zwischen Haltestellen größer als auf normalen Linien. „Die Größe der Fahrzeuge spielt ebenfalls eine Rolle, kann aber nach Bedarf angepasst werden“, sagt Ilk.

Insofern steht die Stadt am Anfang, denn in Schorndorfer Straße und Schlossstraße werden zunächst normale Busse eingesetzt. „Das kann nur der erste Aufschlag sein, sonst wäre es ein reines Feigenblatt“, sagt Knecht. Das Ziel müsse sein, sukzessive das Busspurenkonzept weiterzuentwickeln und umzusetzen. Auch der Anteil von umweltfreundlichen Bussen, die ganz oder teilweise elektrisch angetrieben werden, soll in Ludwigsburg stetig erhöht werden.

Was kommt als nächstes?

Anfang 2019 hat die Stadt Pläne für zwei große BRT-Trassen vorgestellt: Eine Linie soll von der Weststadt zum Bahnhof über den Arsenalplatz bis nach Oßweil führen – und von dort weiter bis nach Remseck-Neckargröningen. Eine zweite Verbindung reicht vom Bahnhof über Grünbühl nach Pattonville. Priorität hat für Knecht, möglichst bald die Busverbindungen vom Bahnhof in Richtung Weststadt zu verbessern – ein Projekt, auf das die Pendler, die täglich das dortige Industriegebiet ansteuern, schon lange warten.

Auch an den Plänen für die Weiterführung nach Remseck wird noch gearbeitet. „Auf dieser Strecke separate Busspuren anzulegen wird eine Herausforderung“, sagt der Remsecker OB Dirk Schönberger. Neben der Straße zwischen beiden Städten verläuft ein Feldweg, der nicht nur von Fußgängern und Radfahrern, sondern auch von Landwirten genutzt wird. Die Schwierigkeit wird darin bestehen, in den beengten Verhältnissen einen Schnellbus zu integrieren. Der Wille ist vorhanden. „Uns war immer egal, ob das nun BRT heißt oder nicht“, sagt Schönberger. „Aber die Busbeschleunigung befürworten wir.“

Wie ist der Zeitplan?

Vor allem in Ludwigsburg dürfte in den kommunalen Gremien noch viel Diskussionsbedarf bestehen. Die Eingriffe in den Straßenverkehr, die in der Schorndorfer Straße und Schlossstraße anstehen, sind gering. Das ändert sich, sobald ganze Linien in Schnellbustrassen umgewandelt werden. Dann müssen vermutlich Bäume gefällt, Parkplätze gestrichen und Fahrspuren verlegt werden. Das ist nicht nur teuer, sondern wird auch den Autoverkehr beeinflussen, was Freie Wähler und CDU kritisch sehen. Zu einer wichtigen Weichenstellung kommt es wohl noch vor der Sommerpause. Dann soll der Gemeinderat entscheiden, ob Ludwigsburg die Planung für die Schnellbusstrecke zwischen Weststadt und Oßweil ausschreiben soll. Selbst wenn alles glatt läuft, werden die Bauarbeiten wohl nicht vor 2022 beginnen.

Und was ist mit der Stadtbahn?

Jahrelang wurde im Kreis Ludwigsburg über den Bau einer Stadtbahn gestritten, zuletzt wurde es ruhiger. Grundsätzlich gilt weiterhin der Anfang 2019 ausgehandelte Kompromiss: Während die Stadt Ludwigsburg sich den Schnellbustrassen widmet, hat das Landratsamt die Hoheit bei der Planung der Stadtbahn von Remseck über Ludwigsburg bis nach Markgröningen. „Es ist wichtig, dass wir das Projekt jetzt zügig in Angriff nehmen“, sagte der Landrat Dietmar Allgaier vor einem Monat. Derzeit arbeitet sein Amt mehrere Prüfaufträge ab: etwa zur Frage, ob man auch Schwieberdingen ans Netz anschließen kann und wie die Bahn zum neuen Wüstenrot-Hauptsitz in Kornwestheim geführt werden kann.

Zugleich wird die Gründung eines Zweckverbands vorbereitet, worin die beteiligten Kommunen und der Kreis ihre Kräfte bündeln wollen. Ende 2020 soll diese Phase abgeschlossen sein. Klar ist aber: Bis die erste Bahn fährt, werden wohl mindestens zehn Jahre vergehen.




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