Die Haltestelle Kreuzbrunnen in Ostfildern soll zur Mobilitätsdrehscheibe ausgebaut werden. Foto: Markus Brändli
Mit einer Mobilitätsstrategie will Ostfildern die Verkehrswende voranbringen. Die Mobilitätsstation wird trotz Etatsperre geplant. Der Radschnellweg Filder verzögert sich.
Einige Mobilitätswünsche der Ostfilderner bleiben vorerst unerfüllt. Den flexiblen VVS-Rider, der nach Bedarf angefordert werden kann, wird es in der Großen Kreisstadt mit sechs Stadtteilen nicht geben. Weil die Bus- und Bahnverbindungen in der Stadt schon relativ gut sind, hat es der Verkehrsverbund abgelehnt, das Angebot einzurichten. Die weiteren Pläne für eine Radschnellverbindung auf den Fildern müssen die beteiligten Kommunen selbst finanzieren. Der Zuschussantrag, den das Regierungspräsidium Stuttgart gestellt hatte, wurde abgelehnt.
Mit diesen Dämpfern begann Carina Hornung, die Leiterin des Fachbereichs Stadtplanung, den Zwischenbericht zur Mobilität im Ausschuss für Technik und Umwelt. Man werde nun mit den anderen Kommunen sprechen, die am Radschnellweg beteiligt sind, und beraten, wie es weitergeht.
Einen konkreten Zeitplan gibt es laut Hornung aber nicht. Was den VVS-Rider angeht, habe der Verkehrsverbund zwar keine Chance gesehen, sagt Michael Lübke, Baubürgermeister der Stadt Ostfildern. „Wir wollen den öffentlichen Nahverkehr aber weiter optimieren“, stellte er klar. Da kann sich Lübke zum Beispiel einen Ringbus vorstellen.
Trotz der abgelehnten Vorstöße bringt die Stadt Ostfildern andere Projekte zügig voran. Wieder im Gespräch ist auch die Mobilitätsstation an der Stadtbahnhaltestelle Kreuzbrunnen, die der Gemeinderat wegen der Finanznot vorerst auf Eis gelegt hatte. Ungeachtet des Sperrvermerks im Haushalt für das Projekt lief die Planung weiter. Um sich Impulse zu holen, wie eine solche Station aussehen könnte und wie die Verkehrssysteme vernetzt werden können, haben die Kommunalpolitiker kürzlich die Mobilitätsstation in der Stadionstraße in Echterdingen besucht. Das hatten die Grünen beantragt. Nun werden die Pläne weiterentwickelt, eine Kostenkalkulation liegt vor. Die Stadt versucht, Zuschüsse für die Station zu bekommen. „Der Gemeinderat wird das Thema dann erneut beraten und prüfen, ob und wann die Finanzierung möglich ist“, sagt Carina Hornung. In Echterdingen gibt es neben Fahrradboxen und einem digitalen Informationssystem Carsharing, Leihräder, Ladestationen und vieles mehr.
In der Stadionstraße in Echterdingen gibt es eine Mobilitätsstation. Foto: Markus Brändli
Carsharing soll es auch an anderen Standorten in Ostfildern geben. Hornung und ihr Team prüfen derzeit, welche Plätze für die Teilautos in Frage kommen und wie die Stadt ein Netz aufbauen kann. Auch Leihfahrräder sind ein großes Thema. Da sucht die Stadt gemeinsam mit Nachbarkommunen nach Alternativen zum Anbieter Regiorad, der 2027 abgelöst werden soll. Federführend bei diesen Plänen ist die Stadt Stuttgart.
Verkehrsversuche zu Fahrradstraßen werden vorbereitet
Den Radverkehr attraktiver zu machen, haben sich Ostfilderns Kommunalpolitiker zum Ziel gesetzt. Da setzt auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) wichtige Impulse. Wie die Stadt für Radler sicherer werden kann, wird unter anderem am Runden Tisch Mobilität beraten, der sich regelmäßig trifft. Ein wichtiges Thema waren da Verkehrsversuche zu Fahrradstraßen. Nach ersten Voruntersuchungen würden die Plochinger Straße, die Körschtalstraße und die Schwabstraße infrage kommen, sagt Hornung. Noch sei offen, wo und wann ein zeitlich begrenzter Testlauf stattfinden kann.
Dass es bei den Radwegeverbindungen in der Stadt Defizite gibt, machte der Mobilitätsbericht deutlich. An der Breslauer Straße laufen die Arbeiten zum Ausbau des Rad- und Fußwegs auf Höhe der Parksiedlung auf Hochtouren. Zwar ist dort auf der Strecke bergab ein Schutzstreifen für Radler nach Hornungs Worten „aus Platzgründen“ nicht möglich, jedoch werde man einen Streifen mit Piktogrammen markieren. Eine sichere Querung für Radler auf der Heumadener Straße in Kemnat wird voraussichtlich Ende 2025/Anfang 2026 umgesetzt.
Wichtige Fußgängerwege werden beleuchtet
Carina Hornung leitet die Fachabteilung Stadtplanung in Ostfildern. Foto: privat
Fußgänger nimmt Carina Hornung ebenfalls in den Blick. „Alle sollen sich sicher in Ostfildern bewegen können.“ Deshalb steht die Beleuchtung wichtiger Fußgängerwege auf der Agenda – zum Beispiel nördlich von Scharnhausen. Unsichere Querungen, wie etwa in der Rinnenbachstraße in Nellingen, will man mit Markierungen entschärfen. Bei den Bushaltestellen in der Scharnhauser und in der Breslauer Straße steht der barrierefreie Ausbau an. Menschen mit Handicaps bei der Mobilität mitzudenken, ist eine Leitlinie der Stadtentwicklung. Kurze Wege und eine fußgängerfreundliche Stadt will Hornung schrittweise umsetzen.
Möglicherweise mehr kostenpflichtige Parkplätze
Parkplätze sind in Ostfildern im Gemeinderat oft ein Reizthema. Deshalb will eine Arbeitsgruppe das Parkraummanagement genau unter die Lupe nehmen. Da das Ziel der Stadt ist, möglichst viele Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr zu bewegen, könnten mehr öffentliche Flächen als Kurzzeitparkplätze ausgewiesen und somit gebührenpflichtig werden. Im Zuge dieser Gespräche soll darüber nachgedacht werden, wie mit geparkten Wohnmobilen im öffentlichen Raum verfahren wird.
Mobilität in Ostfildern
Stadt in Bewegung Mit einer Mobilitätsstrategie bündelt die Stadt Ostfildern die Aktivitäten rund um die Bewegung. Dabei geht es einerseits um konkrete Projekte in den Stadtteilen wie etwa neue Radwege oder die Vernetzung der Verkehrssysteme. Ein wichtiger Baustein ist die Öffentlichkeitsarbeit. Stadtradeln soll den Menschen wie in vielen anderen Kommunen Lust machen, auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umzusteigen.
Bürgerbeteiligung Mit Workshops und der Befragung von Schlüsselpersonen hat die Stadt Ostfildern die Verkehrsteilnehmer in die Mobilitätsstrategie einbezogen. Am Runden Tisch Mobilität treffen sich die unterschiedlichen Akteurinnen und Akteure, die den Straßenraum nutzen. Daraus entstand zum Beispiel das Projekt „Besser gemeinsam unterwegs“, das die Nutzung von Feldwegen regelt. Da gaben die Landwirte viele Impulse.