Verlag und Bloggerinnen mit gleicher Idee Ludwigsburg bekommt zwei Wimmelbücher
Die Gründerinnen eines Online-Stadtmagazins und ein Verlag aus Tübingen haben ähnliches vor. Beide produzieren ein Wimmelbuch für Ludwigsburg. Droht deshalb nun Ärger?
Die Gründerinnen eines Online-Stadtmagazins und ein Verlag aus Tübingen haben ähnliches vor. Beide produzieren ein Wimmelbuch für Ludwigsburg. Droht deshalb nun Ärger?
Ludwigsburg - Sie sind farbenfroh, wuselig und begeistern Kinder und Erwachsene gleichermaßen: Wimmelbücher. Neben Zoos, Sportarenen oder Baustellen bieten häufig realexistierende Straßenzüge die Kulisse für die Szenen voller Leben. In Ludwigsburg wimmelte es bislang aber nicht. Das ändert sich nun aber, und die Barockstadt bekommt gleich zwei Wimmelbücher.
Wie manche der Figuren in den lebhaften Motiven sind sich der Silberburg-Verlag aus Tübingen und die Gründerinnen des Online-Stadtmagazins „Hallo Ludwigsburg“ etwas in die Quere gekommen. „Es ist schon ein bisschen verrückt, dass beide gleichzeitig an einem ähnlichen Projekt arbeiten“, sagt Tabea Lerch, eine der Gründerinnen.
Gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Deborah Schulze sammelt sie derzeit über die Crowdfunding-Plattform Startnext Geld für das 16-seitige Buch. Unterstützer können sich dort vorab ein Exemplar sichern – nur wenn genügend Geld für den Druck und das Honorar der Illustratorin zusammenkommt, wird das Buch realisiert. Rund 13 000 Euro brauchen Lerch und Schulze bis Anfang Mai, sonst zahlt Startnext das Geld nicht aus. Da nach nicht einmal einer Woche schon über 10 000 Euro zusammengekommen sind, sind sie zuversichtlich, dass das Buch im September auf den Markt kommt. Die Illustratorin Brigitte Kuka, die schon sechs Wimmelbücher gezeichnet hat, hat sich bereits an die Arbeit gemacht.
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Gleichzeitig ist Kimberley Hoffman für den Silberburg-Verlag mit dem anderen Ludwigsburger Wimmelbuch beschäftigt. „Der Titel ist fest für den Herbst geplant“, sagt die Verlagssprecherin Gaby Schuska. 25 Wimmelbücher haben die Tübinger bereits im Sortiment, weitere sollen folgen. „Das ist mit unsere erfolgreichste Produktlinie“, sagt Schuska.
In Planung ist das Ludwigsburg-Buch schon seit Längerem, ein dreiviertel Jahr brauche das mindestens, so Schuska. „In diesem Fall ist der Aufwand noch größer, weil Ludwigsburger ihr Gesicht für das Buch zur Verfügung stellen können.“ Dazu hat die Illustratorin extra eine Internetseite eingerichtet. Welchen Städten der Verlag ein Buch widmet, hänge zum Beispiel von der Einwohnerzahl, aber auch den Motiven und dem kulturellen Angebot ab. „Ludwigsburg gibt das in jeder Hinsicht her“, sagt Gaby Schuska.
Dass die Stadt ein Wimmelbuch verdient hat, finden auch Tabea Lerch und Deborah Schulze. Ob nun der Tübinger Verlag oder sie die Idee zuerst hatten, ist ihnen eigentlich egal. Jedenfalls habe das Projekt schon lange gegärt, sagt Schulze.
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Zum ersten Mal habe sie darüber nachgedacht, als sie vor sechs Jahren nach Ludwigsburg zog, ihr Sohn war da im „perfekten Wimmelbuchalter“. Das Buch, das nun entsteht, soll die Vielfalt der Ludwigsburger abbilden und „Inklusion sichtbar machen“. Dazu haben Lerch und Schulze mit Vereinen und Initiativen aus der Stadt, wie „Tragwerk“, „Frauen für Frauen“ und „Insel e.V“ zusammengearbeitet. Dass nun ein Verlag ähnliches plant, ist für die beiden Mütter „eher ein Ansporn“. Das Projekt deshalb aufzugeben, kommt für sie nicht in Frage, für den Silberburg-Verlage ohnehin nicht.
Gaby Schuska geht davon aus, dass die beiden Bücher am Ende ganz unterschiedlich werden. Aber sie und ihre Kollegen hätten sich schon dafür interessiert, was die Hallo-Ludwigsburg-Macherinnen so planen. „Wir wollen jetzt auch gucken, dass wir möglichst früh mit unserem Buch rauskommen“, sagt Schuska. Das Buch des Silberburg-Verlages sei jedenfalls „etwas für Buchläden“. Am Ende könnten die Wimmelbücher aber ähnlicher werden, als die Beteiligten vielleicht ahnen. Denn auch die beiden Bloggerinnen haben bereits Vereinbarungen mit Buchläden. Und fest steht auch: Gedruckt werden beide Bücher in Plauen, denn die Firma Sachsendruck ist die einzige in Deutschland, die Pappebücher herstellt.
Hier geht es zur Startnext-Kampagne, und hier können sich Ludwigsburger, die im Buch des Silberburg-Verlags auftauchen möchten, melden.