Was ist in Eberdingen geschehen? In der Nacht zum Dienstag waren auf dem Reiterhof der Familie Schwerdtle an der Rieter Straße in Hochdorf insgesamt zehn Pferde verletzt worden. Die Polizei geht nach den ersten Ermittlungen davon aus, dass sich ein unbekannter Täter in der Nacht zum Dienstag Zutritt in die Ställe verschafft hat. Anschließend brachte der Tierquäler zunächst zwei Pferden, die mit weiteren Pferden in einer der Stallungen des Reiterhofs standen, mehrere Schnitt- und Stichverletzungen bei.
In einem zweiten Stall, in dem ebenfalls mehrere Pferde untergebracht sind, verletzte der Unbekannte weitere acht Pferde auf dieselbe Weise und suchte dann offenbar das Weite. Die teils schwer verletzten Pferde wurden am Dienstagmorgen gegen 8.20 entdeckt, ein Verantwortlicher des Pferdehofs alarmierte die Polizei.
Wie geht es den Pferden? Bei der medizinischen Versorgung de Tiere durch mehrere Tierärzte stellte sich heraus, dass eines der Pferd so schwere Verletzungen erlitten hatte, dass es in eine Tierklinik gebracht werden musste. Die weiteren verletzten Tiere konnten vor Ort versorgt werden, offenbar bestand bei keinem der Pferde akute Lebensgefahr.
Wie ist der Stand der Ermittlungen? Noch am Tag nach der Tat hat der Arbeitsbereich Gewerbe und Umwelt des Polizeipräsidiums Ludwigsburg die Ermittlungen aufgenommen. Juristisch geht es um einen Verstoß gegen den Paragrafen 17 des Tierschutzgesetzes. Darin steht, dass mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft wird , wer „ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder länger anhaltende Leiden zufügt“. Die Ermittler bitten Zeugen, die beim Reiterhof an der Rieter Straße Verdächtiges beobachtet haben, sich unter der Telefonnummer 0 71 42/40 50 zu melden.
Wie reagieren Tierschützer? Um dabei zu helfen, den Fall aufzuklären, hat die Tierschutz-Organisation Peta am Mittwoch eine Belohnung in Höhe von 1000 Euro ausgesetzt. Sie soll für für Hinweise ausgezahlt werden, die tatverantwortliche Personen überführen. „Wir fordern ein behördliches Register, in dem Anschläge auf Pferde und bereits überführte Personen von Tierquälerei-Fällen erfasst werden“, fordern die Tierschützer dabei zugleich. So könnten mögliche Tatzusammenhänge aufgezeigt sowie Profile potenzieller Täter erstellt werden. Behörden könnten dann effektiver auch überregional zusammenarbeiten. Und Menschen, die Pferde halten, würden über Gefahrenschwerpunkte informiert „und gewarnt, um die Tiere besser vor Angriffen schützen zu können.“
Gibt es ähnliche Fälle in der Region? Aus den vergangenen Jahren sind in Baden-Württemberg und der Region Stuttgart verschiedene Straftaten sogenannter „Pferderipper“ bekannt geworden. Zuletzt ist beispielsweise vor etwa vier Wochen ein Pferd, das auf einer privaten Koppel in Echterdingen auf den Fildern geweidet hatte, von einem Unbekannten ebenfalls mit Schnittwunden verletzt worden. Eine Zeugin hatte damals einen flüchtenden, dunkel gekleideten Mann bemerkt und die Polizei verständigt. Trotz sofortiger Fahndung konnten die Beamten den Verdächtigen jedoch nicht ausfindig machen.
Auf den Fildern war dies nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass Pferde verletzt wurden. Schon Anfang September war der Polizei ein Fall aus Stetten gemeldet worden. Und Ende Juli waren auf dem Wieslenhof am Rande von Sielmingen zwei Pferden ähnliche Schnittwunden zugefügt worden. Den Pferden gehe es soweit wieder gut sagte in jenem Fall die Pächterin des betroffenen Hofes einige Tage danach. Doch der Schock über die Tat sitze bei allen in den Knochen – zumal kurz darauf die weiteren Fälle bekannt wurden. „Es ist ein Drama,dass Menschen so böse sind“, klagte Sandra Parbel. Um die 33 Pferde, die in ihrer Obhut sind, zu schützen, hat sie unter anderem inzwischen überall auf ihren Koppeln Kameras installiert.
Pferderipper
Ordentlich übersetzt heißt der an das englische „Horse-ripping“ angelehnte Begriff „Pferdeschlitzer“ als umgangssprachliche Bezeichnung Personen, die Pferde auf grausame Weise gezielt verstümmeln, quälen und in vielen Fällen töten. Oft müssen die schwer verletzten Tiere nach einer solchen Attacke eingeschläfert werden. Der Begriff ist letztlich vom berüchtigten britischen Serienmörder Jack the Ripper abgeleitet.
Historie
Der erste Fall eines systematisch vorgehenden Gewalttäters, der in Deutschland Pferde quälte und daher Pferderipper genannt wurde, spielte sich von 1993 bis 2003 in Niedersachsen ab. Laut Landeskriminalamt Niedersachsen handelte es sich um eine Serie von etwa 50 Pferdetötungen. Der medienwirksame Einzeltäter zog zahlreiche Trittbrettfahrer nach sich, die Pferden ebenfalls Stiche und Schnitte an Bauchregion, Beinen oder Genitalien zufügten.