Verlustreiche Bahn DB Cargo: Verluste höher als geplant
Die nötigen schwarzen Zahlen der Güterbahn DB Cargo sind in weiter Ferne und wegen Betriebsproblemen stehen Güterzüge still. Im Aufsichtsrat wächst die Kritik.
Die nötigen schwarzen Zahlen der Güterbahn DB Cargo sind in weiter Ferne und wegen Betriebsproblemen stehen Güterzüge still. Im Aufsichtsrat wächst die Kritik.
Die DB Cargo AG hat im vorigen Jahr operative Verluste von 356 Millionen Euro nach Zinsen und Steuern eingefahren. Der Geschäftsbericht der bundeseigenen Güterbahn weist damit nach Informationen unserer Redaktion erneut ein viel schlechteres Ergebnis aus als vorgesehen. Zwar wurden die Verluste von zuvor 497 Millionen Euro weiter verringert, doch der Plan sah deutlich bessere Ergebnisse vor.
Im Aufsichtsrat, der am Mittwochnachmittag unter Vorsitz von Bahnchef Richard Lutz den erneut defizitären Jahresabschluss beraten hat, wächst angesichts der wiederum enttäuschenden Bilanz die Kritik am Schrumpfkurs von Cargo-Chefin Sigrid Nikutta. „Diese Sanierungskonzepte überzeugen nicht, verursachen ärgerlich viele Betriebsprobleme und es fehlt weiter an Planungstreue, zu oft wird wieder alles über den Haufen geworfen“, sagte ein Mitglied des Kontrollgremiums unserer Redaktion.
Die Gütersparte der Deutschen Bahn AG schreibt seit mehr als einem Jahrzehnt tiefrote Zahlen und darf gemäß EU-Auflagen künftig keinen Verlustausgleich mehr vom Konzern erhalten. Falls das von Roland Berger entworfene und vom Aufsichtsrat beschlossene Transformationskonzept nicht greift, droht DB Cargo die Rückzahlung von 1,9 Milliarden Beihilfen, was für das defizitäre Unternehmen das Aus bedeuten könnte. Mit der neuerlichen Planverfehlung rücken schwarze Zahlen bis 2026 in noch weiterer Ferne. Manche Aufsichtsräte hoffen daher schon jetzt, dass es dann Nachverhandlungen der neuen Bundesregierung mit Brüssel geben wird, was indes völlig offen ist.
Auf Arbeitnehmerseite befürchtet man weitere Einschnitte zur Kostensenkung. Bisher sollen 5000 der europaweit noch 31 000 Stellen wegfallen, zunächst war von 8000 Jobs die Rede, was auf harten Widerstand stieß. Ein Interessenausgleich wurde voriges Jahr für 2600 Betroffene geschlossen. Kurz danach kündigte Cargo-Chefin Nikutta über die Medien die Streichung weiterer Jobs an, was bei den Verhandlungspartnern dem Vernehmen nach nicht gut ankam.
Seit Jahresbeginn ist DB Cargo nach dem Konzept von Roland Berger in sieben Sparten aufgeteilt, die mit zugeordneten Geschäftsführern, Mitarbeitern, Loks und Waggons eigenständig wie Mittelständler agieren und zum Beispiel Transporte für die Stahl- oder Chemiebranche abwickeln sollen. Vorbild sind schlank aufgestellte DB-Konkurrenten, die dem Staatskonzern und Ex-Monopolisten inzwischen mit günstigeren Preisen mehr als 60 Prozent Marktanteil abgejagt haben. Der Umbau bei DB Cargo kommt offenbar nur schleppend voran. Tatsächlich stünden nun Züge teils lange herum, weil Zuständigkeiten unklar seien oder Lokführer fehlen, heißt es bei Betriebsräten. Deshalb rudere Nikutta bereits zurück und wolle nun wieder spartenübergreifenden Einsatz von Mitarbeitern, um Engpässe auszugleichen.
Ein verschärfter Sanierungskurs könnte wie berichtet auch bedeuten, dass DB Cargo weitere Standorte aufgibt und das bisher noch größte Instandhaltungsnetzwerk der Branche strafft, zu dem elf Werke und 15 Außenstellen gehören. Auf Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat wird das erwartungsgemäß kritisch gesehen. Eine gründliche Instandhaltung der Züge und ausreichend Fachkräfte müssten für sicheren Bahnverkehr unbedingt gewährleistet sein. Zudem würden bei weniger Standorten und der beabsichtigten Verlagerung von Wartung zu kostengünstigeren DB-Werken in Osteuropa die Fahrtstrecken länger.
Ein Plan für die Werke hat nach Informationen unserer Redaktion im Transformationskonzept von Roland Berger zunächst gefehlt. „Nun wächst der Handlungsdruck, denn wegen der Konjunkturflaute gibt es weniger Aufträge, weniger Transporte und damit auch weniger Wartung“, heißt es im Aufsichtsrat. In einer Resolution fordert der Gesamtbetriebsrat von Nikutta und Lutz ein Zukunftskonzept für die Werke.
Wenn sich die Konjunktur verbessere, fehlen Lokführer und Fachleute, um mehr Züge zu fahren, warnt die Arbeitnehmerseite. Mehr Fracht auf der Schiene sei aber für das Erreichen der Klimaziele unverzichtbar. Die Politik sollte zudem angesichts des Angriffskriegs auf die Ukraine auch die Landesverteidigung im Blick haben und den Zugriff auf ausreichende Kapazitäten für Militärtransporte über die Schiene langfristig sichern. Der Schrumpfkurs von DB Cargo sei dafür eher kontraproduktiv.
Mit Sorge sieht man in Bahnkreisen auch kontroverse Debatten in den Arbeitsgruppen zwischen Union und SPD um die weitere Förderung von DB Cargo. Besonders die Unterstützung des hochdefizitären Einzelwagenverkehrs mit zuletzt dreistelligen Millionensummen pro Jahr sei umstritten, heißt es. Die Union will demnach weitere Zuschüsse an Reformen knüpfen. Zudem profitiert auch die DB Cargo von der staatlicher Unterstützung zum teilweisen Ausgleich der weiter stark steigenden Trassenpreise. Fällt die Förderung unter der neuen Regierung geringer aus und die Politik findet keine Lösung für eine günstigere Schienen-Maut, drohen nicht nur der Güterbahn noch schlechtere Ergebnisse, sondern der gesamte Schienenverkehr verliert wegen steigender Kosten an Wettbewerbsfähigkeit.
Die weiterhin hohen Cargo-Verluste sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass auch das EBIT des gesamten DB-Systemverbunds wieder negativ ist, wenn auch weit nicht so schlimm wie 2023, als ein operatives Minus von fast 2,1 Mrd. Euro bei den Konzernunternehmen in Deutschland (Fern-, Regio- und Güterverkehr sowie Infrastruktur) zu Buche gestanden hatte. DB-Chef Lutz legt kommende Woche die Konzernbilanz vor.