Vermächtnis des Oberbürgermeisters Gestalter mit Schwachstellen

  Foto: dapd
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Der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster hat in bisher 15 Amtsjahren viel erreicht - aber nicht alles geschafft.

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Stuttgart - An Selbstbewusstsein hat es Wolfgang Schuster als Oberbürgermeister nie gemangelt. „Ich bin ein Gestalter“, sagt er gerne über sich selbst. Nach bisher 15 Jahren im Amt darf er im Rückblick auch selbstbewusst behaupten, dass er der Landeshauptstadt seinen Stempel aufgedrückt hat. Schuster hat sich als Stadtoberhaupt viel vorgenommen und einiges erreicht, aber trotzdem nicht alles geschafft. Abseits des gerade erst Fahrt aufnehmenden Bahnprojekts Stuttgart 21 , das Schuster mehr Nerven gekostet als Ruhm eingebracht hat, bleibt so manches seiner Nachfolgerin oder seinem Nachfolger zur Weiterführung und Vollendung erhalten.

Wenn man Schusters Jahre an der Rathausspitze mit einem Blick von derselben Revue passieren lässt, stechen prägende Neubauten wie das Kunstmuseum oder die eben erst eingeweihte Bibliothek 21 ins Auge. Das waren nicht nur Schusters Lieblingsprojekte, das sind auch mit seinem Namen verbundene Denkmale, die aus einer Fülle von Neubauprojekten hervorragen. Neue Messe, neues Stadtarchiv, neue Königsbau-Passagen, neues Stadtteilzentrum Killesberg, neue City-Prag, neues Klinikum, neues Rosensteinviertel, neues Bürgerzentrum West, zig neue Büro- und Geschäftsbauten – Schuster hat vor allem den Stadtumbau auf seine Fahne geschrieben. Stuttgart ist in seiner Ära in vielerlei Hinsicht großstädtischer geworden, nicht nur das Erscheinungsbild der Königstraße. Selten sah und sieht man den OB so strahlend wie beim Baggerfahren.

Neubauten auf den Weg zu bringen ist ihm zur Leidenschaft geworden. Mitunter ging er allzu leichtgläubig und investorenfreundlich zur Sache, wie einst beim Trumptower, der mangels Geld nie in die Höhe wuchs. Oder beim Neckarpark, wo Deutschlands größter Hotelpark bis heute nicht gebaut wurde. Auch beflügelte seine Bauleidenschaft umstrittene Alleingänge wie beim Einkaufscenter Milaneo . Die Einweihung des größten Konsumtempels in der Region wird Schusters Nachfolger vorbehalten sein – so wie die Ausgestaltung vieler angestoßener Stadtbaustellen und Projekte vom Neckarpark bis zur erst halb vollendeten City Prag und dem neuen Rosensteinviertel in direkter Folge von S 21. Auch die Kulturmeile bleibt auf der Tagesordnung, ebenso das Stadtmuseum und die NS-Gedenkstätte im Hotel Silber . Und auch das von Schuster früh erkannte Thema Stadtmobilität wird bei den E-Bikes nicht haltmachen.

Offene Baustellen in der Bildungspolitik

Offene Baustellen hinterlässt Schuster auch in der Bildungspolitik – im Wortsinn. Stinkende Klos, marode Dächer und einsturzgefährdete Decken: im Sommer stellte ein Gutachten in 465 Schulgebäuden 2000 Baumängel fest. Die Stadt schiebt einen Sanierungsberg von 400 Millionen Euro vor sich her, weil die Bauunterhaltung jahrzehntelang vernachlässigt wurde. Die Kritik der Schulleiter hatte Schuster 2007 noch mit „Polemik“ abgetan. Jetzt hat der Gemeinderat entschieden, dass 2012/13 254,8 Millionen Euro investiert werden.

Mit seinem zum OB-Wahlkampf 2005 ersonnenen Plan, Stuttgart zur kinderfreundlichsten Großstadt zu machen, konnte Schuster punkten – vor allem auch dadurch, dass er das Thema als Standortfaktor erkannte. So belegte eine Studie, dass Stuttgart bei dem Ziel vorangekommen sei, Bildung allen Kindern zugänglich zu machen. Verdienste dafür kann auch die von Schuster eingesetzte Kinderbeauftragte verbuchen. Auch auf das Thema Integration setzte Schuster früh. Er schaffte die Stelle eines Integrationsbeauftragten. Weniger gelungen ist es jedoch laut Prognos-Studie, mehr Wohnraum für Familien und Freiräume für Kinder zu schaffen. Auch beim Thema Krippen legte Stuttgart zwar zu, dennoch hat sich Schuster gründlich verschätzt. Mit seiner 2004 gemachten Prognose („Wir schaffen das bis 2010 locker“) lag er sauber daneben. Derzeit fehlen 4600 Kleinkindplätze.

Mit den Hochschulen suchte Schuster immer mal wieder den Schulterschluss – als Mitglied im Unirat der Uni Stuttgart, aber auch bei den Angeboten für Studierende und Forscher. Ein Image als Hochschulstadt hat Stuttgart gleichwohl nicht.




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