Vermisstenfall in Stuttgart Wurde Jens Wolfer Opfer einer Straftat?

Von Wolf-Dieter Obst 

Die Polizei sucht einen 46-jährigen Stuttgarter. Der ist vor drei Monaten plötzlich verschwunden – und alle Ermittlungen führten bisher in eine Sackgasse.

Wo ist Jens Wolfer? Die Polizei bittet um Hinweise. Foto: dpa
Wo ist Jens Wolfer? Die Polizei bittet um Hinweise. Foto: dpa

Stuttgart - Und plötzlich war da Funkstille. Bei der Handyrufnummer nur noch Schweigen, die Wohnung so verlassen, als ob der Bewohner gleich wieder zurückkehren würde. Doch nichts dergleichen: Der 46-jährige Jens Wolfer ist seit drei Monaten spurlos verschwunden – und die Polizei hat inzwischen keinen Ansatz mehr, wo man jetzt noch suchen könnte. „Es wurde alles überprüft, aber es hat keinen Hinweis in irgendeine Richtung gegeben“, sagt Polizeisprecher Tobias Tomaszewski.

Eigentlich hat der 46-Jährige, der arbeitslos ist, einen regelmäßigen Kontakt zu seinen Angehörigen. Doch plötzlich war da nichts mehr – und es gab aus Sicht der Verwandten auch keinen Anlass dafür. Am 20. August gab es das letzte Lebenszeichen. Am 10. September war für die Angehörigen klar, dass der 46-Jährige nicht auf einer Urlaubsreise sein kann – sie erstatteten Vermisstenanzeige.

Jedes Jahr sucht die Polizei 3500 Stuttgarter

„Alle Überprüfungen führten in eine Sackgasse“, sagt Tomaszewski. Kein Hinweis auf eine Suizidgefahr, kein Hinweis auf einen Streit oder eine Flucht, „kein Hinweis auf irgendetwas“, so Tomaszewski. Auf wenn es keine direkten Anhaltspunkte dafür gebe, könne man nicht ausschließen, dass der Mann aus Rohracker das Opfer eines Verbrechens wurde. Die Polizei bittet über Telefon 07 11 / 89 90 - 57 78 um Hinweise auf den 1,78 Meter großen, schlanken, braunhaarigen Mann.

Jährlich werden in Stuttgart etwa 3500 Vermisste gemeldet. 95 Prozent tauchen spätestens nach einer Woche wieder auf oder sind nur stundenweise weg. Landesweit steigt die Zahl der Vermisstenfälle stark an. Mit mehr als 10 500 Betroffenen sind es doppelt so viele wie vor zehn Jahren. In diesen zehn Jahren sind 500 Menschen nicht wieder aufgetaucht.

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