Stuttgart-Bad Cannstatt Rätsel um vermissten Jungen in Kita gelöst

Zum Paulusstift, einer Mutter-Kind-Einrichtung im Stuttgarter Osten, gehören Wohnungen, eine Kita und ein Kinder- und Familienzentrum Foto: Jürgen Brand
Zum Paulusstift, einer Mutter-Kind-Einrichtung im Stuttgarter Osten, gehören Wohnungen, eine Kita und ein Kinder- und Familienzentrum Foto: Jürgen Brand

Der sechsjährige Lucas wird über Stunden in Stuttgart-Bad Cannstatt vermisst. Jetzt ist klar, warum die Mutter ihren Sohn nicht finden konnte.

Lokales: Barbara Czimmer (czi)
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Stuttgart - Die nächtliche Suche nach dem sechsjährigen Lucas aus Bad Cannstatt hat ein glückliches Ende genommen, er ist am frühen Dienstagmorgen in seiner früheren Kita entdeckt worden – schlafend. Inzwischen steht fest, dass eine Verspätung Auslöser der späteren Polizeisuche war.

„Die Mutter und das Kind haben sich nach der Schule oft bei uns im Eingangsbereich getroffen“, sagt Heidi Nagler, die Leiterin des Paulusstifts in der Ottostraße im Stuttgarter Osten. Der Erstklässler besucht die Raitelsbergschule in der Röntgenstraße und hat es bis in die Ottostraße nicht weit, sein kleiner Bruder wird noch in der Ganztagskita des Paulusstifts betreut, die auch Kinder aus dem Stadtteil Berg und aus Bad Cannstatt aufnimmt. Seit 2013 ist in der Einrichtung des Sozialdienstes katholischer Frauen zudem ein Kinder- und Familienzentrum angesiedelt, das als Treffpunkt und bei Bedarf auch als Beratungseinrichtung für die Bewohner des Quartiers dient. „Das Erdgeschoss ist deshalb ein guter Platz für Verabredungen“, so Heidi Nagler.

Nicht den üblichen Schulweg genommen

Am Montag wartete die Mutter zunächst vergeblich auf ihren Sohn. „Wie mir gesagt wurde, habe Lucas an dem Tag einen anderen Weg von der Schule ins Paulusstift genommen“, so die Einrichtungsleiterin. Als die Mutter ihren Sohn am vereinbarten Treffpunkt nicht vorfand, habe sie ihm entgegengehen wollen. Da beide nun auf unterschiedlichen Wegen unterwegs waren, trafen sie nicht zusammen. Stattdessen vermisste der Sohn seinerseits die Mutter am vereinbarten Treffpunkt, wusste sich aber zu helfen: Er ging in den ersten Stock des Gebäudes, um sich dort die Zeit in seiner ehemaligen Kita zu vertreiben. Dass die leer war, schien ihn nicht zu bekümmern.

„Wir hatten am Montag einen Pädagogischen Tag und die Eingangstür offen, weil die Erzieherinnen ihre Mäntel in der Kita abgelegt hatten“, sagt Heidi Nagler. Die Veranstaltung sei gegen 17 Uhr zu Ende gewesen, „um 17.20 Uhr wurde die Kita dann geschlossen, ohne dass jemand den Jungen bemerkt hat.“ Auch der Mutter, die um 17.30 Uhr nochmals ins Paulusstift zurückgekehrt sei und die Besucher des Kinder- und Familienzentrums gefragt habe, ob sie Lucas gesehen hätten, konnte niemand eine ermutigende Antwort geben; niemand hatte bemerkt, dass der kleine Junge nach oben gegangen war.

Der Bub sei sehr tapfer gewesen

Erst, als die Hauswirtschaftsleitung des Paulusstifts um 5.30 Uhr die Kita aufschloss, wurde Lucas entdeckt: „Er sagte, er hätte geschwind geweint, als er gemerkt habe, dass niemand außer ihm in der Kita war, aber er sagte auch, er hätte ja eine Toilette gehabt und auch etwas zu Trinken“, erzählt Heidi Nagler, „er war wirklich sehr tapfer.“

Wie in unserer Zeitung berichtet, war der Sechsjährige am Montagnachmittag vermisst gemeldet worden. Am Abend und in der Nacht waren eine Einsatzhundertschaft, ein Hubschrauber, 14 Rettungshunde des Deutschen Roten Kreuzes und ein Mantrailerhund auf der Suche nach dem Buben. Der schlief derweil sicher und friedlich in seiner ehemaligen Kita.




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