Vernichtende Pressestimmen zu Donald Trump „Angeberisch, rücksichtlos, rachsüchtig“

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Der neue US-Präsident sei angeberisch, zerstörerisch, ohne Konzept: Die Kritik der Weltpresse an Donald Trumps Antrittsrede ist vernichtend – mit ganz wenigen Ausnahmen.

Ein Anti-Trump-Plakat in Sao Paulo (Brasilien): auch die Weltpresse hält  nicht viel von ihm. Foto: ZUMA
Ein Anti-Trump-Plakat in Sao Paulo (Brasilien): auch die Weltpresse hält nicht viel von ihm. Foto: ZUMA

Stuttgart - Donald Trump ist seit Freitag im Amt. Seine Antrittsrede wird von der weltweiten Presse überwiegend kritisch gesehen.

Der in Großbritannien erscheinende „The Guardian“ fällt ein vernichtendes Urteil über die Antrittsrede des neuen US-Präsidenten: „Trumps Rede war abwechselnd bitter, angeberisch und banal. Sie kochte über vor Groll und Verachtung für die Politik sowie die Gewaltenteilung im US-System. Sie war an jene gerichtet, die für ihn gestimmt haben und nicht an jene - die Mehrheit -, die das nicht taten.“ Die ebenfalls britische „Financial Times“ ist etwas moderater im Ton. Sie schreibt, wenn Trump die existierende Weltordnung mit ihren multilateralen Abkomen abschaffen wolle, dann sei es seine Pflicht als Führer einer Supermacht, „in einer unwiderruflich von gegenseitiger Abhängigkeit geprägten Welt ein ebenso starkes anderes System an ihrer Stelle zu errichten“. „Die Führung einer Nation ist etwas anderes als die Leitung eines Immobilienkonzerns. Präsident Trump muss weit mehr tun, als nur gute Deals für Amerika abzuschließen.“

Die „Neue Züricher Zeitung“ in der Schweiz blickt düster in die Zukunft: „Macht Trump seine Ankündigungen wahr und nimmt Kurs auf eine Selbstisolation, wird er Amerika nicht „wieder groß“ machen, sondern schwächen. Die Folgen wird die ganze Welt spüren, mit höherer Krisenanfälligkeit und zunehmenden regionalen Machtproben.“ Auch der „Tages-Anzeiger“ aus Zürich sieht die Dämmerung eines neuen Amerikas mit negativen Folgen: „Was Uber für die Taxi-Branche und Airbnb für den Tourismus sind, könnte Trump für die Weltpolitik werden: ein disruptiver Präsident, der bewährte Strukturen rücksichtslos zerstört. Auch gesellschaftlich: Intellektuelle gelten plötzlich als elitär, Kritiker als Verräter, Anständige als schwach. Es scheint, als habe am 20. Januar 2017 eine neue Epoche begonnen.

Trump wolle die USA zur „Burg“ machen, schreibt ein Blatt

Aus Sicht der in Belgien erscheinenden Zeitung „De Tijd“ hat Trump bei seinem Amtsantritt klar gemacht, dass Amerika wirtschaftlich und militärisch einem isolationistischen Kurs folgen werde: „Sein Land soll nicht nur wieder groß, sondern auch zu einer stark befestigten Burg werden. Das ist ein radikaler Bruch mit Amerikas Politik seit dem Zweiten Weltkrieg.“ Der ebenfalls belgische „Le Soir“ ist sich nach der Antrittsrede sicher: „Der rachsüchtige Trump des Wahlkampfs wird auch der Trump des Weißen Hauses sein. Action!“

Auf einen binnen-amerikanischen Aspekt weist die in den Niederlanden erscheinende „de Volkskrant“ hin. „Wer Trump schwadronieren hörte, bekam den Eindruck, dass die Welt aus Amerika besteht sowie aus Ländern, die Amerika ausnehmen und kaputtmachen wollen.“ Dieses Weltbild wolle Trump nun eigenhändig korrigieren – mit „America first“: „Trump gab am Freitag Amerika zurück an das Volk. Zumindest behauptete er das. Früher war ihm freilich nie viel am Volk gelegen. Aber das ist nun anders. Er weckte beim Volk hohe Erwartungen und steckte damit seinen Kopf bereits in der ersten halben Stunde seiner Präsidentschaft in die Schlinge.“

In Frankreich weist die Regionalzeitung „Ouest-France“ darauf hin, dass zum ersten Mal seit 1945 ein US-Präsident die Zusammenarbeit zwischen Amerika und Europa infrage stelle: „Für Donald Trump zählt die Europäische Union nicht. Er hofft sogar, dass andere Länder dem britischen Beispiel folgen werden.“ Donald Trump greife auch Deutschland an, sehe es als „hegemonial“ an, säe Zweifel und schüre einen Anti-Germanismus.

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In Australien schreibt der „Sydney Morning Herald“, dass Trump nun die größte wirtschaftliche und militärische Macht der Welt befehlige: „Aber er hörte sich an, als habe er gerade Venezuela übernommen. Er hat eine Warnung an die Welt gerichtet - an die Gegner genauso wie an die Alliierten, die er mit seinen Angriffen auf die Nato, seinen Männerflirt mit Wladimir Putin und seine Attacken auf China, die EU und insbesondere Angela Merkel schon ausreichend verwirrt hat.“ Ihnen habe er erzählt, dass er soeben ein Treuegelübde auf die Amerikaner abgelegt habe und „dass sich die internationale Gemeinschaft hinten anstellen müsse“.

Neutrale Stimmen kommen aus Russland und Ungarn

In Japan geht die Zeitung „Asahi Shimbun“ auf die künftige Rolle der US-Verbündeten ein und fragt, ob das „Wiederaufleben von Great America“ nun eine Rückkehr zur Isolationspolitik bedeute: „Damit Trumps Amerika sich nicht in Isolationspolitik einschließt, ist es jetzt gerade die Zeit für die Alliierten und befreundeten Länder, sich einzubringen.“ Dabei könne auch Japan als Träger der Werte von Demokratie und Freiheit eine Rolle spielen.

In Russland nimmt die „Moskowski Komsomolez“ eine eher neutrale Haltung ein, sie sucht Vergleiche in der Geschichte: „Es hat in Washington niemand versucht, den Kongress oder das Weiße Haus zu stürmen und jemanden vom „alten Regime“ an Laternenmasten zu hängen, wie es in Russland vor einem Jahrhundert der Fall war. Aber die Selbstwahrnehmung der amerikanischen Elite - oder zumindest des liberalen Teils - ist nicht viel anders. So hat sich vor 100 Jahren auch die russische Bourgeoisie gefühlt.“ Der Machtwechsel von Obama zu Trump werde im Westen „zwar nicht als das Ende der Welt wahrgenommen, aber sicherlich als Katastrophe gesehen, als die hässliche Grimasse der Demokratie.“

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Auch in Ungarn enthält sich die regierungsnahe Tageszeitung „Magyar Idök“ einer Kritik und weist auf den auf Trump lastenden Druck hin: „Dutzende Millionen Menschen, die gegen die bestehenden Verhältnisse revoltiert und ihr Vertrauen in Trump gesetzt haben, wollen jetzt Ergebnisse sehen. Der neue US-Präsident hat den Schutz der amerikanischen Märkte und die Liquidierung des islamistischen Terrorismus versprochen. Anstelle von Industriefriedhöfen versprach er Straßen, Eisenbahnen, Brücken. Auch ihn drängt die Zeit: Nächstes Jahr stehen (im November) Kongresswahlen an - gewissermaßen das Halbzeit-Zeugnis für Trump. 2019 setzt wiederum der Wahlkampf um die nächste Präsidentschaft ein. Die Uhr hat zu ticken begonnen.“