Es regnet seit Wochen. Eine Kugel Eis auf dem Marktplatz? Davon kann man gerade nur träumen. Hart ist das auch für Veranstalter und Gastronomen rund um Leonberg.
Sonnenanbeter warten vergeblich auf einen stabilen Sommer, für Veranstalter und Gastronomen war der nasse Juli nahezu eine Katastrophe. Wie viele Spuren in Bilanz und Stimmung hinterlässt der viele Regen?
Im Renninger Naturtheater, idyllisch am Waldrand gelegen und mit bis zu 748 Plätzen ausgestattet, ist der Sommer normalerweise absolute Hochsaison. Seit Ende Juni stehen dort zwei Produktionen auf dem Spielplan: das farbenfrohe Familienstück „Alice im Wunderland“ sowie die Kriminalkomödie „Der schwarze Abt“ nach Edgar Wallace.
Doch in diesem Jahr will der Juli einfach nicht mitspielen – zumindest vom Wetter her. Das hat Auswirkung auf das Naturtheater. „Ein Rückgang ist vor allem bei den spontanen Besuchern und Besucherinnen zu spüren“, sagt Henry Zimmermann, der Vizevorsitzende des Naturtheaters. Bei gutem Wetter könne es durchaus vorkommen, dass zusätzlich zu den vorbestellten Tickets noch 70 bis 100 Menschen kurzfristig Karten kaufen. Doch das blieb in diesem Juli die Ausnahme.
Das Publikum trotzt dem Regen
Die fehlende Überdachung des Freilufttheaters ist ein Manko. Immerhin: Lediglich eine Vorstellung am Mittag musste bislang komplett abgesagt werden. „Alles in allem, mit Blick auf das schlechte Wetter sind wir zufrieden mit den Besucherzahlen“, sagt Zimmermann. Denn wer sich bereits im Vorfeld ein Ticket gesichert habe, komme in der Regel auch, Regen hin oder her. Die festen Buchungen sorgen so für eine gewisse Planungssicherheit, selbst wenn das spontane Publikum an regnerischen Tagen ausbleibt.
Hoffen auf den August
Marcus Faatz, einer der Betreiber der Zweitwohnung – kurz ZWO – in Leonberg, spürt die Auswirkungen des bisher verregneten Sommers deutlich. „In den Sommermonaten kommen auch häufig viele Laufkunden, an einem sonnigen Wochenende kann das schon bis zu einem Drittel der Besucher ausmachen“, sagt er. Diese spontanen Gäste fallen aufgrund des Regens natürlich weg, und das macht sich laut Faatz auch beim Umsatz bemerkbar.
Ein weiteres Problem, das der Regen mit sich bringt, ist die Personalplanung. „Wir brauchen bei gutem Wetter deutlich mehr Personal für die Terrasse. Das lässt sich momentan aber kaum im Voraus verlässlich planen“, sagt Marcus Faatz.
Oft zeige sich kurz Sonne, dann kommt wieder Regen, doch die zusätzlich eingeplanten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen bereit, obwohl kaum Gäste kommen. „Im Prinzip hat man dann nicht nur weniger Umsatz, sondern obendrauf auch noch erhöhte Personalkosten“, erklärt er. Dazu komme ein zusätzlicher Aufwand: Wenn sich die Sonne doch noch durchsetzt, müsse in kurzer Zeit die gesamte Terrasse aufgebaut werden – das dauere mitunter eine halbe bis dreiviertel Stunde.
„Ich schaue täglich mehrfach auf die Website des Deutschen Wetterdienstes“, erzählt Faatz. „Meist entscheide ich dann gegen 14 Uhr: Lohnt sich der Aufbau heute – oder lassen wir es lieber ganz? Ob Theater, Festival oder Gastronomie: der Juli hat mit seinem launischen Wetter vielen Betreibern und Veranstaltern die Planung erschwert. Besonders spontane Besuche und kurzfristige Umsatzchancen blieben oft aus.
Und doch überwiegt bei vielen der Wille, das Beste aus der Situation zu machen. Feste Termine werden eingehalten, Stammgäste halten die Treue, und mit etwas Wetterglück könnte der August etwas Versöhnung bringen.