Stuttgart - Zunächst war Wilfried Porth vage geblieben. Schließlich sind die Verhandlungen mit dem Betriebsrat noch nicht vorüber. Der Personalvorstand des Stuttgarter Autobauers Daimler sagte im Interview mit unserer Zeitung lediglich, dass die Einsparungen beim Personal „erheblich größer“ sein müssten als die bisher geplanten 1,4 Milliarden Euro.
Nun ist nach Informationen unserer Zeitung klar, was Porth vorschwebt: Der Sparbetrag bei den Personalkosten soll auf zwei Milliarden Euro aufgestockt werden. Das soll erreicht werden, indem der Konzern mittelfristig 20 000 Arbeitsplätze abbaut – zumeist sozial verträglich über Abfindungen, Frühpensionierungen und Altersteilzeit. Doch auch betriebsbedingte Kündigungen schließt Wilfried Porth nicht mehr aus.
Milliardenschweres Loch
Wegen den verschärften Sparplänen bahnt sich ein Konflikt zwischen Unternehmen und Betriebsrat an. Der Streit dreht sich vor allem darum, wie das Unternehmen die Sparziele erreichen kann – und ob Kündigungen nötig sind. Dem Betriebsrat schwebt eher eine verkürzte Arbeitszeit vor, wie es sie schon in der Finanzkrise gegeben hatte. „Aufgrund des Einbruchs bei der Nachfrage werden wir nun über viele Jahre hinweg eine Unterauslastung unserer Werke haben“, sagte Betriebsratschef Michael Brecht unserer Zeitung.
Die Meldungen über den verschärften Personalabbau fallen zusammen mit der Veröffentlichung der vorläufigen Daimler-Geschäftszahlen des zweiten Quartals 2020. Hier hat die Corona-Krise wie erwartet ein milliardenschweres Loch gerissen.
Das operative Ergebnis (Ebit) weist einen Verlust von knapp 1,7 Milliarden Euro aus. Auch in den Fahrzeugsparten stehen rote Zahlen: der Bereich Pkw und Transporter kommt beim Ebit auf einen Verlust von 1,13 Milliarden Euro, im Bereich Busse und Lastkraftwagen beträgt der Verlust 756 Millionen Euro.
Källenius: Bleibt viel zu tun
Überraschend für Konzern und Analysten war ein Plus beim Mittelzufluss aus dem Kerngeschäft mit Auto- und Nutzfahrzeugbau, dem sogenannten Free Cash Flow. Hier verdiente Daimler 685 Millionen Euro an freien Mitteln. Eigentlich war man davon ausgegangen, dass der Konzern unterm Strich sogar an Liquidität einbüßt. Grund für die Entwicklung sei ein sehr starker Juni sowie die Erholung auf dem wichtigsten Absatzmarkt China.
„Hinter uns liegt ein komplexes Quartal“, erklärte Daimler-Chef Ola Källenius. „Mit unserem überzeugenden Produktportfolio konnten wir die Chancen der Markterholung nutzen.“ Zudem habe Daimler im zweiten Quartal wichtige strategische Kooperationen in den Bereichen Elektrifizierung und Fahrzeugsoftware angekündigt, durch die man für die Zukunft gut aufgestellt sei.
„Aber es bleibt viel zu tun“, betont Källenius. „Wir müssen unsere systematischen Bemühungen fortsetzen, die Gewinnschwelle des Unternehmens durch Kostenreduktion und Kapazitätsanpassungen weiter zu senken.“
Porsche mit weniger Absatz
Auch bei dem Sportwagenbauer Porsche hat die Corona-Krise seit Jahresbeginn tiefe Spuren hinterlassen. Knapp 117 000 Fahrzeuge lieferte die VW-Tochter im ersten Halbjahr des laufenden Jahres weltweit an Kunden aus – zwölf Prozent weniger als in den ersten sechs Monaten 2019, wie Porsche mitteilte. In Deutschland gingen die Auslieferungen um 25 Prozent zurück, europaweit um 18 Prozent.
In den USA, dem zweitgrößten Einzelmarkt, lag der Rückgang bei 20 Prozent. „Ausschlaggebend war der Monat April, in dem nahezu alle Porsche-Zentren in diesen Märkten noch geschlossen hatten“, sagte Vertriebsvorstand Detlev von Platen. In China, wo Porsche die meisten Autos verkauft, zog der Markt wieder so an, dass für das Halbjahr lediglich ein Minus von sieben Prozent steht.
Das gilt auch für den gesamten Volkswagen-Konzern: Im Juni gingen die Auslieferungen im Vergleich zum Vorjahresmonat zwar weltweit um 17,5 Prozent auf etwa 804 000 Fahrzeuge zurück. Das entspricht jedoch einer Stabilisierung gegenüber dem Mai, als das Minus noch rund ein Drittel betragen hatte. Vor allem im wichtigen China-Geschäft will der Autohersteller nun aufholen.