Verschmutztes Trinkwasser Sindelfingen erwartet Ergebnis

Wassermeister Michael Suffner zieht eifrig Proben: Aus dem eigenen Leitungssystem stammen die Verunreinigungen definitiv nicht. Am Mittwoch sollen neue Erkenntnisse bekannt gegeben werden. Foto: Stadtwerke Sindelfingen/ 

Auch fünf Tage nach dem Bakterienfund im Trinkwasser in Teilen der Stadt suchen Sindelfinger Wasserexperten nach dem Ursprung der Enterokokken-Verschmutzung.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Sindelfingen - Die Ursachenforschung der Stadtwerke Sindelfingen zur Trinkwasser-Verunreinigung läuft auf Hochtouren. Für diesen Mittwoch werden neue Erkenntnisse dazu erwartet, ob das Wasser noch mit Enterokokken-Bakterien belastet ist. Bis dahin laufen die Beprobungen der Leitungen und der Wasser-Hochbehälter in der Stadt weiter.

 

Lars Haustein von den Stadtwerken rechnet mit einem negativen Ergebnis, also der Entwarnung für die betroffenen Gebiete. Sollte es jedoch positiv sein, würde dies weitere Eingrenzungen möglich machen. „Es wurden sechs Proben genommen, wenn nur eine positiv ausfallen würde, würde die Warnung beibehalten werden“, erklärt Michael Suffner, Gruppenleitung Wassergewinnung, -aufbereitung und -speicherung.

Kein totes Tier in Hochbehälter entdeckt

„Wir haben am Dienstag vor einer Woche die Probe entnommen, am Donnerstag kam der erste positive Befund. Dieser wurde am Freitag bestätigt. Seitdem werden Leitungen und Behälter gespült und chloriert“, erläutert Lars Haustein. In dieser Zeit seien viele Kubikmeter Wasser durch das Netz geflossen, entdeckt wurde aber bislang nichts, was als Auslöser herhalten könnte. Eine Inaugenscheinnahme durch Suffner selbst, auch mit Hilfe von Kameras und weiterer spezieller Technik, hatte bislang keinen Tierkadaver oder verrottetes Pflanzenmaterial als Ursprung ausfindig machen können. Solange nichts Verdächtiges gefunden werden könne, ließe sich keine stichhaltige Aussage zur Ursache machen, betont Suffner.

„Erst wenn die beiden Kammern der Hochbehälter leer sind, können wir sehen, ob etwas von außen eingedrungen ist, ob es Risse oder Beschädigungen der Lüftungsleitungen gibt. Bis Mitte nächster Woche werde ich zusammen mit dem Gesundheitsamt diese Behälter begehen“, sagt Michael Suffner. Sollte der Ursprung zum Beispiel bei einer Baustelle liegen, würde es schon genügen, wenn Rohre mit schmutzigen Händen berührt oder bei der Lagerung eine Maus durch die sechs Meter langen Leitungen gelaufen ist, so die Erklärung des Fachmanns.

Besonderer Fall für die Stadtwerke Sindelfingen

Suffner ist es auch, bei dem die Fäden zusammenlaufen. Er entnimmt als zuständiger Gruppenleiter die Proben, misst das eingesetzte Chlor, kommuniziert mit seinen Kollegen, informiert die Geschäftsführung, die Abteilungs- und Bereichsleiter, die Pressestelle und koordiniert den Krisenstab mit der Stadt und der Feuerwehr Sindelfingen. Die Bürgerschaft wird über die Stadtwerke-Website laufend informiert. Dort haben die Stadtwerke eine Karte eingestellt, auf der Bürger straßengenau nachschauen können. Sowohl er als auch sein Kollege haben über zwanzig Jahre Erfahrung bei den Stadtwerken. Einen ähnlich gelagerten Fall in der Daimlerstadt hatten weder Haustein noch Suffner erlebt. Dennoch sagt der Wassermeister: „Dass Städte bei einer der ständigen Kontrollen Enterokokken oder E.coli-Bakterien finden, ist nicht unüblich. Ich nehme alleine 200 Probungen im Jahr. Dazu kommen die gesetzlich vorgeschriebenen vierteljährlichen Routineuntersuchungen.“

„Wir haben ein Riesen-Netz und prüfen lieber länger, aber gründlich“

Wenn kleinere Orte einen solchen Fund in drei Tagen auf eine bestimmte Ursache zurückführen und die Freigabe zum Wasserverzehr wieder erteilen können, liegt es auch daran, dass deren Netz kleiner ist. „Wir in Sindelfingen haben ein Riesen-Netz. Wir prüfen lieber länger, dafür gründlich. Erst dann können wir Entwarnung geben.“

Am Donnerstagabend waren in einem Kindergarten bei einer Routineuntersuchung Enterokokken im Trinkwasser gefunden worden. Daraufhin hat das Gesundheitsamt ein Abkochgebot für Teile der Stadt ausgesprochen. Die Vorsichtsmaßnahme, die Tausende Sindelfinger Bürger und Unternehmer betrifft, gilt weiterhin. Zahnarztbehandlungen sind laut Pressemitteilung der Stadtwerke wieder wie gewohnt möglich.

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