Versorgung von Kranken Steuerung über Hausärzte wirkt

Von Bernhard Walker 

Das Hausarztprogramm der AOK in Baden-Württemberg führt zu einer besseren Versorgung der Patienten, weniger Krankenhausaufenthalten und Kosteneinsparungen. So das Ergebnis einer Studie.

Blutdruckmessen  in einer Praxis in Bad Cannstatt: Wenn der Arzt als Gesundheitslotse  wirkt, nutzt das den Kranken wie den Krankenkassen. Foto: dpa
Blutdruckmessen in einer Praxis in Bad Cannstatt: Wenn der Arzt als Gesundheitslotse wirkt, nutzt das den Kranken wie den Krankenkassen. Foto: dpa

Berlin - Das Hausarztprogramm der AOK Baden-Württemberg verbessert laut einer neuen Studie die Versorgung von Kranken: Innerhalb von drei Jahren sind bei Diabetikern 1700 schwere Komplikationen wie Amputationen, Erblindungen und Schlaganfälle vermieden worden. Zudem gelingt es jährlich in 3900 Fällen, unnötige Krankenhausbehandlungen herzkranker Patienten zu vermeiden. Die Studie zeige, dass die so genannte hausarztzentrierte Versorgung (HZV) die Qualität der Versorgung erhöhe, sagte AOK-Chef Christopher Hermann in Berlin.

An der HzV, die 2008 begann, nehmen 1,4 Millionen Versicherte der Südwest-AOK, knapp 40 000 Versicherte der Bosch Betriebskrankenkasse und etwa 4000 Hausärzte teil. Seit 2010 gibt es auch ein Facharztprogramm, das unter anderem Kardiologen, Gastroenterologen, Orthopäden sowie die Fachrichtung der Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie umfasst. Für HzV-Ärzte gilt, dass sie an speziellen Fortbildungen teilnehmen, die Prävention voranbringen und Patienten die speziellen Behandlungsprogramme anbieten, die es für einige Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes gibt. Das Haus- und Facharztprogramm hat die AOK mit dem Hausärzteverband Baden-Württemberg und der Ärzteorganisation „Medi“ entwickelt.

Die Versorgungsqualität steigt

Beide Verbände loben das Modell. Die HzV habe den Hausarztberuf aufgewertet, sagte Berthold Dietsche vom Hausärzteverband: „ In Baden-Württemberg gibt es heute kaum noch eine Praxis, der es ohne eine fest etablierte HzV gelingt, einen Nachfolger zu finden.“

Medi-Chef Werner Baumgärtner wies darauf hin, dass es außerhalb der Patientenversorgung in Haus- und Facharztprogrammen ein Budget gebe, das schnell aufgebraucht sei, weshalb Patienten ins Krankenhaus abgeschoben würden: „Bei den Hausarzt- und Facharztverträgen im Südwesten gibt es kein Budget und keine Fallzahlbegrenzungen, sondern eine Koordination der Behandlung zwischen Haus- und Fachärzten.“ Dies führe zu dem Plus an Versorgungsqualität, das die Studie belege. Diese wurde von Forschern der Universitäten Frankfurt und Heidelberg erstellt. Ferdinand Gerlach, der Chef des Instituts für Allgemeinmedizin der Uni Frankfurt, wies darauf hin, dass im Zuge des demografischen Wandels mehr Menschen an chronischen Leiden wie Diabetes mellitus und Herzinsuffizienz litten oder mehrfach erkrankt seien: „Hausarztverträge verbessern die medizinische Versorgung, stärken die Rolle des Hausarztes als Gesundheitslotse und tragen zu einer spürbaren finanziellen Entlastung bei, indem Über-, Fehl- und Unterversorgung systematisch abgebaut werden.“

Südwest-AOK spart rund 35 Millionen Euro

Die Südwest-AOK hat nach den Worten Hermanns im vergangenen Jahr 530 Millionen Euro für ihre Haus- und Facharztprogramme ausgegeben. Damit lagen die Kosten um 35 Millionen Euro unter der Summe, die fällig geworden wäre, wenn die Patienten außerhalb der Programme versorgt worden wären. „Hier wird unter Beweis gestellt, dass bessere Patientenversorgung und Wirtschaftlichkeit – richtig gemacht – zwei Seiten einer Medaille sind“, sagte Hermann.