Verspätete Südbahn Ausbau kommt teurer und später

Südbahn-Endstation Friedrichshafen: Warten bis in alle Ewigkeit? Foto: Frank Kosarik
Südbahn-Endstation Friedrichshafen: Warten bis in alle Ewigkeit? Foto: Frank Kosarik

Diese Nachricht wird in der Region Oberschwaben und Bodensee keinen Beifall finden: Die Deutsche Bahn braucht nicht nur länger für die geplante Elektrifizierung der Südbahn. Der Ausbau der 104 Kilometer langen Strecke wird auch sehr viel teurer als angenommen.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Diese Nachricht wird in der Region Oberschwaben und Bodensee keinen Beifall finden: Die Deutsche Bahn braucht nicht nur länger für die geplante Elektrifizierung der Südbahn. Der Ausbau der 104 Kilometer langen Strecke wird auch sehr viel teurer als angenommen. Statt 180 Millionen Euro erhöhen sich die Kosten auf 226 Millionen Euro, teilte die DB Netz AG mit und bestätigte einen Bericht der Südwest-Presse. Statt das Vorhaben wie geplant 2016 zu vollenden, werde die Inbetriebnahme der Strecke nicht vor Ende 2018 möglich sein.

Im September 2011 war der Ausbau der Strecke noch mit 140 Millionen Euro taxiert worden. Ein Jahr später war die DB bereits bei 180 Millionen Euro angekommen. Die Summe nannte damals der Landesfinanzminister Nils Schmid (SPD). Nun ist die Bahn bei 226 Millionen Euro gelandet. 180 Millionen davon sollen reine Bau- und 46 Millionen Planungskosten sein.

Als Grund für die abermalige Kostensteigerung nennt die Bahn AG neue Erkenntnisse. Die DB Projektbau habe ein Bodengutachten überarbeiten lassen. Danach sollen weitere Maßnahmen notwendig geworden sein. Zudem seien Anpassungen bei Brücken und Stützwerken erforderlich, hieß es weiter. Bei der Elektrifizierung wird die Bahnstrecke mit Oberleitungen und Stromschienen ausgerüstet. Statt wie bisher mit Dieselloks sollen dann Elektrolokomotiven auf der Strecke verkehren können.

Inbetriebnahme nicht vor 2018

„Wir haben mit der vorliegenden aktualisierten Kostenberechnung eine solide Basis zum Abschluss der für die Weiterplanung dringend notwendigen Finanzierungsvereinbarung geschaffen“, sagte Lars Grübnau vom Regionalbereich Südwest der DB Netz. Man aktualisiere den Zeitplan und arbeite an Lösungsansätzen, um das Projekt weiter voranzubringen. „Allerdings müssen wir nach heutigem Stand davon ausgehen, dass eine Inbetriebnahme voraussichtlich nicht vor Ende 2018 erfolgen kann“, meinte Grübnau weiter.

Eine Haltung, die in der Region Bodensee und in Oberschwaben nur auf begrenztes Verständnis trifft. „Ich bin mehr als verwundert über die Kostenentwicklung. Seit über 150 Jahren gibt es diese Bahnlinie. Deshalb sollte ein Unternehmen wie die Bahn wissen, auf welchem Untergrund und Boden sie baut und elektrifiziert“, sagte der Friedrichshafener Oberbürgermeister Andreas Brand (Freie Wähler).

„Gutes Projektmanagement geht anders“

Kritik kommt auch aus Ulm. Jürgen Filius, Landtagsabgeordneter der Grünen und ein ausgesprochener Gegner von Stuttgart 21, zeigte sich „enttäuscht, aber nicht überrascht“. Er habe schon länger das Gefühl, dass die Bahn nicht mit offenen Karten spiele, sagte er gegenüber der Südwest-Presse. „Eine Steigerung um mehr als 60 Prozent von 140 Millionen im vergangenen Jahr auf nun 226 Millionen, ist ein Hammer“, meinte Filius. Auch die zwei Jahre zusätzliche Bauzeit seien erstaunlich, da „noch nicht einmal ein Meter Stromdraht gezogen“ worden sei. Mehr Verständnis für die Bahn zeigten hingegen der IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle und die CDU-Landtagsabgeordnete und frühere Sozialministerin Monika Stolz. Dass das Projekt zwei Jahre länger benötige, sei kein Beinbruch, meinten beide unisono. Tadel gab es hingegen für die Kostensteigerung. Stolz kritisierte sie als „ärgerlich“. Sälzle sagte: „Gutes Projektmanagement geht anders.“

Es erhebt sich jetzt bei vielen die Frage, woher die zusätzlichen Mittel kommen sollen. Bisher teilen sich das Land und die Bahn die Kosten. Während der Ulmer OB Ivo Gönner (SPD) davon ausgeht, dass beide Partner aufgrund einer Vereinbarung sich die Mehrkosten teilen werden, reagiert das baden-württembergische Verkehrsministerium abwartend. „Wir müssen uns ganz genau anschauen, wieso es teurer wird“, sagte ein Sprecher von Minister Winfried Hermann (Grüne). Es sei aber keine Frage, dass es sich bei der Elektrifizierung der Südbahn um ein Projekt mit sehr hohem Stellenwert handle. „Die Kostensteigerung darf nicht dazu führen, dass die Elektrifizierung auf die lange Bank geschoben wird, fordert Friedrichhafens OB Brand: „Jetzt gilt es, die Finanzvereinbarungen schnell und zügig abzuschließen.“

Schwäbische Eisenbahn wie Anno dazumal

Die Südbahn von Ulm nach Friedrichshafen, bereits erbaut in den Jahren von 1846 bis 1850, ist eine der wenigen noch nicht elektrifizierten Bahnstrecken in Baden-Württemberg. Zwischen 1905 bis 1913 wurde die Strecke zweigleisig ausgebaut. Nun soll sie, ebenso wie das 21 Kilometer langen Teilstück der Bodenseegürtelbahn bis Lindau, elektrifiziert werden.

Unsere Empfehlung für Sie