Verspätungen bei der DB Machen Streckensanierungen die Züge pünktlicher?

Am gewohnten Anblick auf den Abfahrtstafeln der Deutschen Bahn dürfte sich trotz Sanierung nicht so viel ändern. Foto: dpa/Fabian Sommer

Was die von der Deutschen Bahn geplante Generalsanierung wichtiger Strecken nach dem Muster der Riedbahn bis 2030 wirklich bringt.

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Wird die Bahn durch die Sanierung der Riedbahn wirklich pünktlicher? Diese Hoffnung muss man aus verschiedenen Gründen dämpfen. Eine sanierte Verkehrsachse, so bedeutend sie für den Fernverkehr der DB auch ist, kann in einem eng getakteten Netz nur kleine Veränderungen bewirken. Zudem fehlen im besonders verspätungsanfälligen Fernverkehr wichtige Fahrzeitpuffer, weil ICE-Züge erst nach dem Start der neuen Signaltechnik im zweiten Quartal 2025 tatsächlich die auf der Strecke mögliche Höchstgeschwindigkeit fahren können.

 

Sanierung ein Nullsummenspiel?

Intern geht die Bahn selbst davon aus, dass ihr riesiges Sanierungsprogramm letztlich ein Nullsummenspiel bleibt. Ein vor einem Jahr durchgesickertes, internes Prognosepapier, das von der DB nie dementiert wurde, liefert Zahlen. Selbst wenn es gelingen sollte, bis 2030 wie geplant jedes Jahr 750 Kilometer Strecke zu sanieren – was angesichts der Lage des Bundeshaushaltes ungewiss ist – wird sich die Lage nicht verbessern. Zwar soll auf den reparierten Gleisen die Pünktlichkeit im Durchschnitt um etwa 1,8 Prozent gesteigert werden. Doch die dafür notwendigen Baustellen sorgen für ein prognostiziertes Minus von 0,7 Prozent.

Vollends negativ wird die Bilanz, wenn man den Effekt weiter veraltender Anlagen (minus 0,4 Prozent) und das Verkehrswachstum mit einbezieht, das die Pünktlichkeit bis 2030 wohl um weitere 2,3 Prozent drücken dürfte. Unterm Strich wäre demnach die Pünktlichkeit noch einmal um 1,6 Prozentpunkte niedriger als heute. Und damit rückt das Ziel von 80 Prozent Pünktlichkeit bis 2030 in unerreichbare Ferne.

Die aktuellen DB-Verspätungszahlen vom November 2024 sind weit schlechter. Zwar vermeldete die Bahn, dass ihre Fernzüge um 8,1 Prozentpunkte pünktlicher gewesen seien als im November des Vorjahres. Doch dieses Plus relativiert sich dadurch, dass kaum mehr als die Hälfte aller Fernzüge pünktlich waren – ein Minusrekord. Die 60,1 Prozent, die ICE und IC in diesem November geschafft haben, liegen unter den Werten der Vormonate und deutlich unter einer stabileren Phase zwischen Januar und Mai, wo die Fernzüge jeweils etwa zu Zweidritteln pünktlich waren. Verbessert wird die Gesamtbilanz durch den Nahverkehr mit 88 Prozent pünktlichen Bahnen im November. Weil es regional viel mehr Züge gibt als im Fernverkehr, hebt das den Gesamtdurchschnitt auf 87,3 Prozent. Aber auch das ist der niedrigste Monatswert dieses Jahres.

Italien schlägt bei der Pünktlichkeit klar die DB

Wie schlecht die Deutsche Bahn beim Thema Pünktlichkeit in Europa inzwischen dasteht, zeigt ein aktuelles Ranking. Es wurde von der europäischen Dachorganisation T&E zusammengestellt, die Verbände vertritt, die sich für nachhaltigen Verkehr einsetzen. Die Deutsche Bahn lag dabei hinter Griechenland auf dem drittletzten Platz unter den 16 Bahnen mit öffentlichen Pünktlichkeitsstatistiken. Nur Züge in Portugal und die eines privaten schwedischen Bahnanbieters waren schlechter. Sieger war wenig überraschend die Schweiz. Aber auch das fünftplatzierte Italien schlug die DB mit einer zweieinhalbmal besseren Punktewertung um Längen.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Deutsche Bahn