Der TVB 1898 Stuttgart hat sich für die erste Saison der Handball-Bundesliga verstärkt. Unter anderem mit dem Ex-Nationalspieler Michael Spatz, der vom TV Großwallstadt kommt.
Stuttgart - Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, sagten sich wohl die Verantwortlichen des TVB 1898 Stuttgart. Nachdem der Aufstieg in die Handball-Bundesliga recht spät feststand, kam Michael Spatz wie gerufen. Der Ex-Nationalspieler hatte gerade die Insolvenz des Traditionsclubs TV Großwallstadt verdaut, als ihn der Anruf aus Stuttgart erreichte. Der Geschäftsführer Jürgen Schweikardt wollte den 32-Jährigen für das Abenteuer Bundesliga als erfahrenen Spieler dazuholen – und brauchte nicht lange warten. „Wir haben uns einmal getroffen, dann war alles klar“, sagt Spatz – und meint den Einjahresvertrag. „Ich war schon sehr froh über das Angebot.“
Schließlich lagen die schlimmsten Monate seiner Karriere hinter ihm. „Obwohl alle wussten, wie lange wir schon kein Geld mehr bekommen hatten, war es dann ein Schock, als man es ins Gesicht gesagt bekam.“ Aus, vorbei. Die letzten drei Monate gab es Insolvenzausfallgeld. „Das war bitter für alle“, sagt Michael Spatz. Dabei wollte er bei seine Karriere eigentlich in Großwallstadt beenden, hatte einen Vertrag bis 2017 unterschrieben, der dann aber so viel wert war wie eine Telefonkarte im Handyzeitalter. „Ich hatte zwar noch zwei, drei Anfragen aus der zweiten Liga, aber als Alternative gab es eigentlich nur, beruflich was Neues zu machen und nebenher in der dritten Liga für den TVG zu spielen“, sagt Spatz.
„Ich traue der Mannschaft schon etwas zu“
Schließlich ist der gebürtige Mannheimer, der auch vier Jahre beim VfL Gummersbach spielte, längst im Raum Aschaffenburg zu Hause. Im August beginnt der Hausbau, ein untrügliches Zeichen für die Verwurzelung in der Region, aus der auch seine Frau stammt. Die bleibt dort wohnen, nicht nur weil sie beim Zweitligisten Mainz ebenfalls Handball spielt, er sucht sich hier im Raum eine kleine Wohnung. An familiärer Bande fehlt es dennoch nicht. Sein Bruder ist bereits im Ländle und beginnt nach den Sommerferien als Lehrer in Backnang. Netter Zufall.
„Von mir aus könnte es bereits losgehen“, sagt Spatz. Doch zunächst einmal steht vom Samstag an das Trainingslager in Südtirol auf dem Programm, mit Kraft- und Konditionseinheiten. „Natürlich wird der Klassenverbleib schwer“, sagt Spatz, „aber ich traue der Mannschaft schon etwas zu, sie ist intakt.“ Die beiden Mitaufsteiger und noch ein, zwei andere Vereine hinter sich lassen, so lautet das Ziel. „Dafür müssen wir vor allem die Heimspiele gegen unsere Mitkonkurrenten gewinnen.“ Also zum Beispiel gleich zum Auftakt gegen Wetzlar, sofern es bei dieser Ansetzung bleibt.
„Ich erwarte von ihm eine gewisse Führungsrolle“, sagt der neue Trainer Thomas König. Auch im Hinblick auf die jungen Rechtsaußen wie Finn Kretschmer und Michael Seiz, die davon profitieren sollen. Eine Win-win-Situation. Zumal gerade für einen Aufsteiger das Spiel über die Flügel entscheidend sein kann. „Je mehr über außen kommt, desto größer wird das Spielfeld“, sagt der Trainer wohl wissend, dass es aus dem Rückraum allein nicht reichen wird, etablierte Bundesligisten in Verlegenheit zu bringen. Zumal noch ein Mittelmann und ein Spieler für die Königsposition im linken Rückraum gesucht werden. „Wir werden den einen oder anderen Kandidaten ins Probetraining einladen“, sagt Trainer König. Und Spatz fügt hinzu: „Ich bin schon gespannt, wer kommt.“ Vielleicht landet dann auch noch eine Taube auf dem Dach der Scharrena.