Verstärkung für Stuttgarts Volleyballerinnen Die EM macht Lust auf mehr

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Am Sonntag (13 Uhr) greifen Stuttgarts Volleyballerinnen nach dem ersten Titel der Saison. In Hannover treffen sie im Supercup auf den Meister Schwerin. Mit dabei sind auch vier Nationalspielerinnen.

Internationale Klasse für Stuttgart: Pusic, Stoltenborg,  Daalderop und Mlejnkova (von l.) Foto: Tom Bloch
Internationale Klasse für Stuttgart: Pusic, Stoltenborg, Daalderop und Mlejnkova (von l.) Foto: Tom Bloch

Stuttgart - Wenige Tage vor dem Saisonstart sind Stuttgarts Volleyball-Frauen endlich komplett. Ohne eine Pause sind die Nationalspielerinnen von Allianz MTV Stuttgart nach der Europameisterschaft in Aserbaidschan und Georgien zurückgekommen. Die Premiere der bisher fehlenden Nationalspielerinnen steigt am Sonntag (13 Uhr) beim Supercup in Hannover gegen den Schweriner SC.

Teodora Pusic (24 Jahre alt, 1,70 Meter): Der Serbin baumelt die Goldmedaille noch förmlich um den Hals. Die Libero-Spielerin ist frisch gebackene Europameisterin und beginnt ihre erste Saison außerhalb ihres langjährigen Vereins Vizura Belgrad – nach einer Serie von Feiern in ihrer serbischen Heimat. Erst gab es die offizielle (eher kurze), dann die inoffizielle im engsten Kreis der Mannschaft (eher länger). Doch EM-Gold reicht ihr nicht: „Jetzt will ich noch drei Goldmedaillen mehr. Mit Stuttgart beim Supercup am Sonntag, dann den Pokalsieg und am Ende der Saison die Meisterschaft.“ Von ihrer neuen Heimat hat sie noch nicht viel gesehen. Als die quirlige Spielerin am Mittwoch von Belgrad anreiste, ging es sofort weiter zum Test nach Mulhouse. Sie kennt aber neben den Stuttgarter Nationalspielerinnen auch Nikoleta Perovic schon länger, mit der sie fortan eine Wohnung in Untertürkheim teilt. „Ich bin in einer neuen Mannschaft, habe aber dieselben alten Ziele: Titel“, sagt Pusic mit noch heiserer Stimme.

Femke Stoltenborg (26,1,89): Sie weiß gar nicht mehr genau, wo sie ihre nagelneue Silbermedaille hingelegt hat. „Irgendwo zu Hause in Holland habe ich sie irgendwo hin geschmissen.“ Auspacken, einpacken, umziehen. Zehn Tage frei hatte sie nach der vergangenen Saison, bevor die Nationalmannschaft rief. Einen Tag frei hatte sie nach den offiziellen Terminen nach der EM. Die Zuspielerin trug bereits 2015/16 das Stuttgarter Trikot, bekam aufgrund des guten Auftritts von Valerie Nichol aber seinerzeit wenig Einsatzmöglichkeiten. Anschließend etablierte sie sich in der niederländischen Nationalmannschaft, erreichte das olympische Halbfinale von Rio 2016, jetzt bringt sie EM-Silberglanz mit nach Stuttgart. „Ich wohne wie vor zwei Jahren in derselben Straße, kenne die Einkaufsmöglichkeiten und die Trainingsorte“, sagt Femke Stoltenborg. „Es war wie heimkommen, als ich am Donnerstag in Stuttgart eintraf.“ Als nächstes will sie sich wieder ein Fahrrad besorgen, ihr altes wurde bei ihrer letzten Station in Aachen geklaut.

Ein Sommer in Oranje

Nika Daalderop (18 Jahre, 1,89 Meter): Sie hat vergangene Saison bei den Ladies in Black Aachen ihr erstes Profijahr absolviert und freut sich, dass sie in Femke Stoltenborg eine Teamkameradin weiter an ihrer Seite hat. Die junge Außenangreiferin ist ein Senkrechtstarter, der auch von anderen deutschen Top-Teams umworben war. Die zweifache U-20-Europameisterin im Beachvolleyball und niederländische Meisterin 2016 ist diesen Sommer gleich in zwei Nationalmannschaften angetreten. Nach dem Saisonende des Aachener Teams war sie zuerst für die Juniorinnen-Nationalmannschaft eingesetzt worden, später dann bei den Aktiven. Sie erreichte mit ihrem Team die Qualifikation für die Weltmeisterschaften und gewann EM-Silber in Aserbaidschan. „Ich habe den Sommer eigentlich nur in Sporthallen verbracht, dafür war dieser sonnig, denn es war ein Sommer in Oranje.“ Orange ist traditionell die Farbe des niederländischen Trikots.

Michaela Mlejnková (21 Jahre, 1,84 Meter): Die Tschechin überlegt nicht lange, was sie nach dem anstrengenden Sommer am liebsten machen würde, Strandurlaub oder Supercup? „Ich will in Hannover den Supercup verteidigen“, sagt sie angriffslustig. Die Außenangreiferin hat genau mitgezählt: 38 Länderspiele rund um den Erdball gab es für das tschechische Team. Nur bei wenigen Einsätzen wurde der schlagkräftigen Angreiferin eine Pause gegönnt. Ansonsten war sie auf dem Spielfeld und donnerte die blau-gelben Bälle über das 2,24 Meter hohe Netz. Mit 153 Punkten in zwölf Spielen gehörte sie zu den besten zehn Angreiferinnen der EM, obwohl ihr Team in den Play-offs nach einer knappen 2:3-Niederlage gegen Weißrussland ausschied. Mlejnková geht mit dem Stuttgarter Team schon in ihre dritte Saison. Nach ihrer Rückkehr in die Landeshauptstadt ging es gleich zu ihrem Lieblingscafé in Bad Cannstatt, anschließend schlüpfte sie in ihr Dirndl, der Wasen-Besuch mit der Mannschaft stand an. Jetzt ist Schluss mit lustig: Nach drei tschechischen und zwei deutschen Vizemeister-Titeln will sie bei einer Meisterschaft endlich ganz oben stehen.