Für Verbraucher ist die hohe Inflation schon belastend genug – bei versteckten Preiserhöhungen wird sie richtig ärgerlich. Zeit, dass die Politik den Mogelpackungen einen Riegel vorschiebt.
Neben der viel zitierten Gierflation („Greedflation“), bei der Unternehmen Produkte oder Dienstleistungen aus Profitgier verteuern, ohne damit in gleichem Maße gestiegene Kosten abzufedern, macht seit einiger Zeit das Schlagwort der Schrumpflation („Shrinkflation“) die Runde. Hier wird bei gleichbleibenden Preisen der Packungsinhalt von Lebensmitteln oder anderen Dingen des täglichen Gebrauchs reduziert. Diese intransparente Praxis sollte der Gesetzgeber strenger regulieren.
Preissteigerungen von teilweise mehr als 50 Prozent
Während das Phänomen der Gierflation unter Ökonomen umstritten ist – das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) etwa sieht für eine solche Entwicklung kaum empirische Belege –, ist der Trend zur Mogelpackung im Einzelhandel ganz real und offenbar weiter auf dem Vormarsch. Aktuelle Beispiele der Verbraucherzentrale Hamburg und der Stiftung Warentest zeigen bei einzelnen Produkten Preissteigerungen von mehr als 50 Prozent, also weit über der ohnehin schon unangenehm hohen Inflationsrate bei Lebensmitteln.
Für Kunden bedeuten die versteckten Verteuerungen letztlich das Gleiche wie reguläre Preiserhöhungen. Allerdings macht es die Praxis den Konsumenten durch das hohe Maß an Intransparenz wesentlich schwerer, den Geldbeutel beim Einkaufen zu schonen. Wer überprüft schon laufend das Kleingedruckte zu Grundpreisen, Füllmengen- und Gewichtsangaben? „Beim täglichen Einkauf fällt die Schrumpfkur kaum auf“, stellt die Stiftung Warentest fest. Das dreiste Kalkül der Hersteller und Händler besteht also darin, die Preise zu erhöhen, ohne dass die Verbraucher es merken.
Hohe Inflation belastet ärmere Haushalte besonders stark
Hohe Inflation ist ein ökonomisches Grundübel, das einkommensschwächere Haushalte laut Studien überproportional belastet und das soziale Gefälle verschärft. Deshalb ist Preisstabilität ein übergeordnetes geldpolitisches Ziel großer Notenbanken wie der Europäischen Zentralbank (EZB) oder des Federal-Reserve-Systems in Amerika. Freilich sind Preiserhöhungen für Unternehmen häufig notwendig. In Zeiten von Lieferkettenproblemen und Energiekrise bleibt vielen von ihnen nichts anderes übrig, als höhere Kosten auf die Kunden abzuwälzen. Das darf jedoch nicht durch die Hintertür geschehen – hier sollten die Vorschriften verschärft werden.