Versuchsfeld Bönnigheim Getreide wird aufs Korn genommen

Bei der Braugerste wird der Markt von Foto: factum/Granville
Bei der Braugerste wird der Markt von Foto: factum/Granville

Auf dem Zentralen Versuchsfeld werden Gewinner und Verlierer unter Weizen, Gerste, Mais und Hirse vorgestellt.

Ludwigsburg: Melanie Braun (meb)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Bönnigheim - Sie sind die Renner auf dem Acker: Grace und Quench rangieren ganz oben bei der Sommergerste in der Region. Denn diese Sorten bringen einen vergleichsweise hohen Ertrag, sind relativ krankheitsresistent und gut zum Brauen geeignet. Das haben die Tests auf dem Zentralen Versuchsfeld in Bönnigheim ergeben. Mehr als 100 Landwirte haben am Mittwoch die Gelegenheit genutzt, die Ergebnisse bei der jährlichen Besichtigung vor den akkurat gesäten Getreide- und Kartoffelfeldern zu erfahren.

Allerdings könnte es gut sein, dass Grace und Quench bald schon wieder das Feld räumen müssen. Denn das Leben auf dem Acker ist wechselhaft: Jedes Jahr werden neue Sorten gezüchtet, die die vorherigen ruck zuck verdrängen können. Nicht immer kann der Landwirt selbst entscheiden, was die günstigste Sorte für ihn ist: Bei der Braugerste diktieren die Abnehmer – Mälzereien und Brauereien – den Markt. „Wir sind auf die Beratung der Fachleute angewiesen, um zu wissen, welche Sorten gefragt sind“, erklärt Heinz Zeltwanger. Deshalb kommt der Ingersheimer Landwirt jedes Jahr zu der Veranstaltung auf dem Versuchsfeld. „Man weiß ja, dass die Sorten nie ewig halten.“ Spätestens nach einigen Jahren gebe es stets verbesserte Züchtungen, sagt Zeltwanger.

Klirrendem Frost können viele Pflanzen nicht standhalten

Dabei spielt auch das Klima immer eine Rolle. Auf den klirrenden Frost im Februar waren viele Pflanzen nicht ausgerichtet. „Man hat in den letzten Jahren auf alles mögliche geachtet, nur nicht auf die Winterhärte“, erzählt der Bauer Karl Schmid aus Münchingen. Diesen Aspekt müsse man vielleicht wieder mehr beachten. Ebenso seien trockenheitsresistente Sorten angesichts des Klimawandels in Zukunft sicher gefragt.

Insbesondere der Winterweizen hat unter dem Kälteeinbruch Anfang des Jahres gelitten. Einige Sorten wie den bislang starken JB Asano wollen die Landratsämter Ludwigsburg und Heilbronn, die das Versuchsfeld betreuen, daher gar nicht mehr empfehlen. Auch Helmut Beck aus Markgröningen hat es getroffen: Seine Weizensorte Sophytra wurde von den Minusgraden stark in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb erwägt Beck nun, auf Kredo umzusteigen. „Aber ich werde erst einmal bei Kollegen fragen, ob sie schon Erfahrung damit haben“, sagt er. Denn nicht zuletzt müsse er bedenken, dass das Klima in Markgröningen schon wieder etwas anders sei als in Bönnigheim.

Getestet werden Ertrag, Krankheitsanfälligkeit und Qualität

Neben Gerste und Weizen werden auf den rund 2,5 Hektar Versuchsfläche zwischen Erligheim und Bönnigheim jedes Jahr auch neue Kartoffel-, Mais- und Hirsesorten angebaut. Ein Sojafeld gibt es inzwischen ebenfalls. Über mehrere Jahre hinweg werden die neuen Züchtungen beobachtet und nach verschiedenen Kriterien bewertet. „Wichtig sind uns vor allem die Ertragsleistung, die Krankheitsanfälligkeit und die Qualität der neuen Züchtungen“, erklärt Philipp Mayer vom Fachbereich Landwirtschaft des Landratsamtes Ludwigsburg. Je nach Ergebnis bei den Feldversuchen werden die neuen Sorten dann den Landwirten empfohlen oder nicht. Ganz klar sei die Lage aber nicht immer: „Manchmal geht eine bessere Qualität mit einer höheren Krankheitsanfälligkeit einher.“

Eins ist laut Experten aber schon klar erkennbar: Soja ist im Trend. Nicht zuletzt, weil die neue Landesregierung die einheimische Eiweißproduktion fördern wolle.




Unsere Empfehlung für Sie