Versuchsfeld für die Landwirtschaft Weizen und Kartoffeln der Zukunft wachsen in Bönnigheim

Keine Parzelle auf dem Versuchsfeld gleicht der anderen. Foto: Werner Kuhnle

Auf einem Versuchsfeld in Bönnigheim im Kreis Ludwigsburg wird untersucht, welche Sorten sich in der Region für den Massenanbau eignen. Biodiversität, sprich Artenvielfalt, spielt dabei auch eine Rolle.

Sie hören auf so eigentümliche Namen wie Comtesse, Somerset, Donau oder Faro. Und selbst wenn sie sich äußerlich fast wie ein Ei dem anderen gleichen, haben sie doch unterschiedliche Vorzüge und Schwächen. Die eine überragt die anderen zum Beispiel um einen Tick, die andere neigt zum Kränkeln, hat dafür ein gutes Ertragspotenzial. Was sie alle eint, ist der Standort. Bei Comtesse und Co. handelt es sich um Gerstensorten, die auf dem zentralen Versuchsfeld der Landkreise Ludwigsburg und Heilbronn wachsen. Hier, auf einem etwa zwei Hektar großen Acker zwischen Bönnigheim und Erligheim, wird im Kleinen getestet, was die Bauern in der Region im großen Stil anbauen könnten – und somit bei uns allen irgendwann im Magen landet.

 

Lassen sich Biodiversität und Ackerbau unter einen Hut kriegen?

Das Areal ist in ungefähr 575 Parzellen à 15 Quadratmeter unterteilt. Immer wieder ausgebracht würden in zig Variationen und nach Vorgabe des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums in Karlsruhe die für die hiesige Gegend wichtigsten Kulturen, sagt Martin Walter, Leiter des Geschäftsteils Landwirtschaftliche Produktion beim Landratsamt Ludwigsburg. Konkret sind das Weizen, Gerste und Kartoffeln. Außerdem wird auf aktuelle Entwicklungen reagiert. So ergründen die Fachleute gerade auf dem Feld, wie sich Ackerbau und Biodiversität, also Artenvielfalt, unter einen Hut bringen lassen. Man beobachtet dabei unter anderem, wie sich Untersaaten und ein großzügigerer Abstand zwischen den Getreidereihen auswirken und welche Mischungen bei Blühstreifen am besten zünden. Zu Sojabohnen und Mais laufen ebenfalls Versuche, allerdings auf Flächen in Besigheim-Ottmarsheim.

Die Ergebnisse werden akribisch erfasst und aufgelistet. Bewertet werden unter anderem Ertrag und Eiweißgehalt. Außerdem kann man Angaben dazu finden, wie sehr den Sorten Krankheiten zusetzen wie die Netzflecken oder der Mehltau. Fachleute können aus den Werten ablesen, womit die Felder bestückt werden sollten, um den Dreiklang aus stabilem Ertrag, Qualität und möglichst geringem Aufwand für den Pflanzenschutz zu gewährleisten. Gezielt auf den Prüfstand kommen neu zugelassene Spielarten von Weizen, Gerste und Kartoffeln.

Blick in die Zukunft

Das seit 1993 bestehende Versuchsfeld in Bönnigheim soll repräsentativ für die fruchtbaren, aber im Sommer oft auch trockenen Äcker des Unterlandes und des mittleren Neckarraums stehen. Wobei der Standort in Sachen Trockenheit sogar eine exponierte Stellung einnimmt. Im Schatten von Heuchelberg und Stromberg „regnet sich meistens alles davor ab. Hier bleiben an Jahresniederschlag nur rund 650 Millimeter übrig“, erklärt Martin Walter. Dazu ist der Boden sehr schluffig, also über die Maßen verschlammungsgefährdet, weshalb er sich bei einem heftigen Regenguss schließt. „So kann man sehen, wie stresstolerant die Pflanzen bei Wassermangel sind“, sagt Walter. Man kann von Bönnigheim aus somit gewissermaßen in die Zukunft blicken. Denn genau das sind die Rahmenbedingungen, die der Klimawandel mit sich bringt.

So werden auf dem Acker auch Weizenvariationen aus dem wesentlich wärmeren Südfrankreich getestet. Untersucht wird, wie lange einzelne Sorten bis zur Ertragsmüdigkeit durchhalten und wann der Pflanzenschutz nicht mehr richtig anschlägt, wie sie auf Insekten reagieren und anderes mehr. Die Böden würden zwecks Vergleichbarkeit stets gleich bearbeitet und gedüngt, betont Walter. Außerdem nehme man unter die Lupe, wie sich das Getreide mit und ohne Pflanzenschutzmittel entwickelt. Und auch wenn es sich um ein Testfeld handelt, ist eines tabu: Genversuche. „Das ist ja bei uns verboten“, konstatiert Walter.

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