Verträge für Stuttgarter Nahverkehrs-Netze unterschrieben Briten erstmals auf deutschen Gleisen

Von Konstantin Schwarz 

Von 2019 an rollen auf den Gleisen im Land neue Züge. Die Stuttgarter Netze werden dabei erstmals nicht mehr von der Deutschen Bahn AG bedient.

Der Nahverkehrs im Land wird von 2019 an mit neuen Zügen gefahren. Sie werden ein einheitliches Design haben. Bei der Vertragsunterzeichnung überreichte Stephan Krenz (rechts) von der Firma Abellio ein Modell an Verkehrsminister Winfried Hermann. Foto: dpa
Der Nahverkehrs im Land wird von 2019 an mit neuen Zügen gefahren. Sie werden ein einheitliches Design haben. Bei der Vertragsunterzeichnung überreichte Stephan Krenz (rechts) von der Firma Abellio ein Modell an Verkehrsminister Winfried Hermann. Foto: dpa

Stuttgart - In Baden-Württemberg werden die Nahverkehrszüge von 2019 an die Landesfarben tragen. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) unterzeichnete am Montag Verträge über die Stuttgarter Netze mit der Abellio Rail Südwest GmbH und der Go-Ahead Verkehrsgesellschaft.

Die Firmen, deren Mutterkonzerne in den Niederlanden (Abellio) und Großbritannien sitzen, haben sich bei der Nahverkehrs-Ausschreibunggegen die Deutsche Bahn AG als den bisherigen Dienstleister durchgesetzt. Für Go-Ahead ist es der erste Auftrag auf dem europäischen Kontinent. Geschäftsführer David Brown sprach von einem „wichtigen strategischen Meilenstein“.

Neue Fahrzeuge mit W-Lan und Klima

Hermann und die Geschäftsführer Stephan Krenz (Abellio) und Stefan Krispin (Go Ahead Deutschland) leisteten in der Sparkassenakademie vor diversen Bürgermeistern und Landräten einen kleinen Unterschriftenmarathon. Die Verträge gelten 13,5 Jahre und bringen den Fahrgästen nicht nur neue Fahrzeuge mit mehr Platz für Fahrräder und Kinderwagen , W-Lan und Klimaanlage, sondern auch ein verbessertes Angebot mit einem dichteren Takt und neuen, umsteigefreien Verbindungen (zum Beispiel Tübingen-Heilbronn). Die Züge steuern von Stuttgart aus Pforzheim, Heilbronn, Mannheim, Osterburken, Tübingen, Aalen, Crailsheim, Ulm, Karlsruhe und Würzburg an.

Land zahlt deutlich weniger als bisher

Für das Land ist wichtig, dass es für die jährlich 15,2 Millionen Zugkilometer weniger bezahlt als im alten, Ende 2016 ausgelaufenenVerkehrsvertragmit der DB. „Grob gerechnet zahlen wir künftig die Hälfte“, sagte Hermann. Mit der Einsparung sollen Angebotsverbesserungen finanziert werden.

Krenz und Krispin kündigten Gespräch mit der DB zur Personalübernahme an. Man brauche 300 Beschäftigte und zahle Tariflöhne, sagte Krispin. Beide Unternehmen sind auf der Suche nach Standorten für Wartungsanlagen, in die je zweistellige Millionenbeträge fließen sollen. Go Ahead prüft, in Crailsheim oder Essingen zu bauen, Abellio hat vier Standorte in der Auswahl.

Allianz finanziert Wagenmaterial

Die beiden Anbieter werden insgesamt 87 neue Züge der Firmen Bombardier und Stadler einsetzen. Sie werden von der Landesanstalt für Schienen und Fahrzeuge geleast. Damit gehört das Wagenmaterial erstmals dem Land. Auch die Bahn AG wolle beim Land leasen, sagte Anstalts-Geschäftsführer Volker M. Heepen. Finanzierungspartner sind die Allianz und die Europäische Investitionsbank. „Wir haben für eine Laufzeit von 28 Jahren Zinssätze von deutlich unter zwei Prozent abgeschlossen“, so Heepen. Die Allianz-Lebensversicherung teilte mit, sie allein werde für die Stuttgarter Netze rund 240 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Insgesamt will die Landestochter 200 bis 250 Züge bestellen. Für die mietenden Firmen gibt es genaue Vorgaben bei der Instandhaltung.




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